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Auge in Auge mit Giganten: Bären beobachten in Nordamerika

Auge in Auge mit Giganten : Bären beobachten in Nordamerika

Es ist ein einzigartiges Naturschauspiel: In Kanada und den USA lassen sich Schwarzbären und Grizzlys in freier Wildbahn erleben. Doch wie verhalten bei einer unbeabsichtigten Begegnung?

Reisen in die USA und nach Kanada sind wegen der Corona-Pandemie derzeit nicht möglich. Doch wenn die Beschränkungen wegfallen, warten auf Besucher auch wieder einige Abenteuer in der Wildnis. Eine Begegnung mit Bären inklusive.

Im Olympic Park von Whistler liefen einst Biathleten um die Wette, Skispringer sausten über die Schanzen. Das Areal hatte man hier in kanadischen Provinz British Columbia mitten in den Wald gebaut. Heute lassen sich darin Schwarzbären und einige Grizzlybären beobachten - auf geführten Touren.

Gibt es eine Garantie, die Bären zu sehen?

Wer früh aufsteht, hat zumindest sehr gute Chancen. „Es ist komplette Glückssache, wann, wo und wie viele Bären man sieht“, sagt Joel Lycklama vom Touranbieter Whistler Photo Safaris.

Schon morgens um sechs Uhr steht der Guide mit seinem Geländewagen bereit. Es geht bergauf und bergab, durch dichten Wald. Doch ein Bär ist auch nach Stunden nicht in Sicht. Als die Gruppe sich schon auf den Rückweg machen will, ist plötzlich Bewegung in einem großen Feld voller Teufelskralle zu sehen. Eine Bären-Mama mit ihren zwei Kindern frisst und spielt hier.

Wie reagiere ich bei einer unfreiwilligen Begegnung?

Das Muttertier lässt sich von den Touristen nicht stören. „Wenn man sie allerdings beim Wandern gesehen hätte, dann wäre Vorsicht geboten“, sagt Joel Lycklama. Denn gerade Mütter, die ihre Kinder beschützen, können mitunter aggressiv sein. „Hier gehören Bärenspray und eine Glocke in den Rucksack.“ Als Wanderer ist es am besten, Ruhe zu bewahren und sich durch laute Geräusche bemerkbar zu machen. „In aller Regel suchen die Bären von alleine das Weite.“

Wie gefährlich sind Bären?

Wer tatsächlich von einem aggressiven Bären angegriffen wird, hat wenig Chancen: Der Schwarzbär ist ein schneller Läufer, ein guter Schwimmer und ein flinker Kletterer. „Außerdem hat er große Tatzen und Krallen“, sagt Joel Lycklama.

Bären können zudem viele Hundert Meter weit Essengerüche wahrnehmen und gut sehen. „Daher sollte man, wenn man im Wald campt, das Essen immer entfernt von seinem Zelt aufbewahren“, so der Guide. Vorräte am besten luftdicht verpacken und zwischen zwei Bäumen aufhängen.

Grizzlys sind deutlich gefährlicher als Schwarzbären, da sie größer, schwerer und oft aggressiver sind. Das gilt vor allem für Mütter mit Jungen, die sich bedroht fühlen.

Doch eigentlich haben alle Bären den Sommer über nur eines im Sinn: Fressen, um für den Winterschlaf eine gute Fettschicht zu haben. Darum sind sie im Wald auf der Suche nach Beeren, Bienenwaben und vielem Kleinen, was über den Waldboden krabbelt. An Flüssen und am Meer suchen die Bären das Wasser - und natürlich die leckeren Lachse.

Wo kann ich die Bären beim Lachsfang beobachten?

In Alaska gibt es mehrere Orte dafür, zum Beispiel den Katmai-Nationalpark . Kleine Propeller-Maschinen bringen Touristen von Homer dorthin. Michael Hughes ist der Inhaber von Alaska Bear Adventures und fliegt schon seit vielen Jahren im Sommer zu den Grizzlys. Er ist immer ausgerüstet mit Bärenspray, Krachmachern und einem Gewehr. Sicherheitstipp: Er und seine fünf Passagiere bleiben dicht zusammen. „So denkt der Bär, wir sind der größere Bär.“

Vor dem Abflug teilt er noch hüfthohe Gummistiefel aus. Man weiß nie, in welche Arme das Meer gerade fließt und wohin man waten muss, um die Bären zu sehen. Ein Schauspiel ist es allemal, die teils schon wohlgenährten Tiere dabei zu beobachten, wie sie Lachse fangen.

Welche Bären gibt es in Nordamerika noch?

Neben Schwarzbären und Grizzlys gibt es noch zwei weitere Bärenarten: Eisbären leben vor allem im Norden Alaskas und in den kanadischen Territorien im Norden. In Nunavut, das einen großen Teil der kanadischen Arktis umfasst, fahren Expeditionsschiffe vom Hauptort Inuvik auf den Spuren der früheren Nordwestpassage.

Der Great Bear Rainforest an der Küste British Columbias ist die Heimat des Kermodebären, eine Unterart des amerikanischen Schwarzbären, der von den Ureinwohnern auch Spirit Bear (Geisterbär) genannt wird. Ein rezessives Gen sorgt dafür, dass das Fell dieses Bären weiß oder cremefarben ist. Nur mehrere Hundert dieser Bären gibt es nach Schätzungen, sie alle leben in dem einzigartigen Ökosystem, das sich über die nördliche und zentrale Küste der westlichsten kanadischen Provinz erstreckt.

Wie organisiere ich einen Ausflug zu den Bären?

Touristen können sowohl in den USA als auch in Kanada spezielle Bear-Viewing-Touren buchen - mit Wasserflugzeugen, Booten oder im Geländewagen. Oder sich gleich in eine Lodge einbuchen, die so einsam gelegen ist, dass Bären fast garantiert vorbeischauen.

Und manchmal hat man auf einer der entlegeneren Straßen im Yukon, in Alaska oder andernorts sogar das Glück, dass eine Bärenfamilie am Straßenrand auftaucht. Dann heißt es: sofort abbremsen, den Warnblinker einschalten - und das Schauspiel genießen.

Tourism Whistler

Bear Smart Society

Infos zum Katmai-Nationalpark

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