Kolumne Gute Reise Fauxpas in Florenz

Von Claudia Kasemann

 Wuppertal

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Foto: Schwartz, Anna (as)

Au wei, das war kein Fettnapf, das war ein ganzes Butterfass: Mit einer äußerst unglücklichen Wortwahl zum Thema Massentourismus in Florenz hat sich die deutsche Direktorin des Museums Galleria dell‘Accademia, Cecilie Hollberg, keine Freunde gemacht: „Wenn eine Stadt erst einmal zu einer Prostituierten geworden ist, ist es für sie schwierig, wieder Jungfrau zu werden“, sagte Hollberg Medienberichten zufolge mit Blick auf den Massentourismus in der Stadt zu Journalisten. „Florenz ist sehr schön, und ich würde gerne, dass es wieder an seine Bewohner geht und nicht vom Tourismus zerquetscht wird“, sagte Hollberg. Ohne eine „absolute“ Bremse bei den Touristenzahlen sehe sie „keine Hoffnung“.

Die Empörung war selbstredend sofort groß, und die Direktorin entschuldigte sich schnell für ihre Wortwahl. Sie habe sagen wollen, dass Florenz ein Vorbild für einen verantwortungsvollen Tourismus werden müsse.

Die stellvertretende Bürgermeisterin von Florenz, Alessia Bettini, übte ebenfalls scharfe Kritik an Hollberg. Wenn Florenz eine Prostituierte sei, stelle sich die Frage, ob die Bewohner der Stadt „Kinder einer Prostituierten“ und Touristen „Kunden einer Prostituierten“ seien.

So oder so ist Florenz in guter Gesellschaft mit hunderten Hot-Spots allein in Europa. Denn Tourismus ist zwar nicht das älteste Gewerbe der Welt, bestimnt aber eines der lukrativsten.

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