Englandreisen trotz Brexit? - Diese Fakten über Ferien im Vereinigten Königreich sollten Sie kennen!

Englandreisen trotz Brexit? - Diese Fakten über Ferien im Vereinigten Königreich sollten Sie kennen!

Der von Großbritannien angestrebte Austritt aus der Europäischen Union hat weitreichende Konsequenzen für alle EU-Länder. Zwar wird der Prozess frühestens im Jahr 2019 abgeschlossen sein, dennoch sind Touristen und Geschäftsreisende bereits jetzt von einigen Änderungen betroffen.

Zu den positiven Aspekten des Brexits zählt der günstige Wechselkurs. Nach Bekanntgabe des Brexit-Entscheids verlor das Britische Pfund deutlich an Wert und sank auf den tiefsten Stand seit 1985. England-Reisende dürften auch in Zukunft von günstigen Preisen profitieren. Wirtschaftlich gesehen bedeuten die Kursschwankungen der britischen Währung jedoch einen finanziellen Einschnitt für Urlaubsziele, die von Touristen aus dem Vereinigten Königreich leben. Zahlreiche Hoteliers reagierten auf die veränderte Situation mit einer Senkung der Übernachtungspreise. Befürchtungen von Touristikern, wonach hinsichtlich Qualitätseinbußen haben sich bislang nicht bestätigt. Allerdings könnte eine Einreise nach England demnächst komplizierter werden. Die Grenzkontrollen an den britischen Flughäfen waren bereits in der Vergangenheit strenger als in den meisten EU-Ländern, da Großbritannien dem Schengen-Abkommen nicht beigetreten ist. Urlaubern wird derzeit empfohlen, bei einer Englandreise einen Reisepass mit einer Gültigkeit von bis zu mindestens 6 Monaten nach Reiseantritt mitzunehmen.

Werden EU-Bürger jetzt visapflichtig?

Ob EU-Bürger durch den Brexit visapflichtig werden, ist zur Zeit noch nicht absehbar. Fachleuten zufolge ist nicht mit Änderungen der Einreisebestimmungen zu rechnen. Es ist vielmehr wahrscheinlich, dass mit Großbritannien eine ähnliche Regelung getroffen wird wie mit der Schweiz, wo EU-Bürger sich maximal 3 Monate visafrei aufhalten dürfen. Veränderungen sind jedoch bei der Regelung der Fahr- und Fluggastrechte zu erwarten. Bislang werden Reisende durch geltende EU-Leitlinien vor Flugausfällen geschützt und können bei Verspätungen oder Annullierungen von Flügen eine finanzielle Entschädigung beanspruchen. Fluggesellschaften und Touristikverbände gehen davon aus, dass Großbritannien die derzeit gültigen Regelungen weiterhin respektiert. Fachleute rechnen damit, dass es zu einem gesonderten Abkommen zwischen Großbritannien und der EU kommt. Die Verbraucherrechte wären demnach von einer Neuregelung des Reiserechts mit Großbritannien nicht betroffen. Neue Vereinbarungen könnten nach Meinung von Experten sogar einen Wettbewerbsvorteil bedeuten. Neuerungen sind ebenfalls im Mobilfunkbereich zu erwarten. Seitdem die teuren Roaming-Gebühren abgeschafft wurden, ist Surfen und Telefonieren im EU-Ausland zu Inlandstarifen möglich. Bislang ist jedoch nicht sicher, ob die Mobilfunkpreise in Großbritannien nach dem EU-Austritt weiterhin auf einem günstigen Niveau bleiben. Britische Mobilfunkunternehmen werden möglicherweise versuchen, ihren Kunden preiswerte Europa-Tarife anzubieten. Deutsche Mobilfunkkonzerne haben bereits für andere Länder, die nicht zur EU zählen, wie der Schweiz, bezahlbare Tarife auf den Markt gebracht.

Erhebliche Auswirkungen auf Studienaufenthalte befürchtet

Während der Brexit-Verhandlungen gab die Bank von England Zinserhöhungen bekannt. Dies wäre die erste Zinserhöhung seit über zehn Jahren. Der historisch niedrige Leitzins wird trotz gestiegener Preise in Großbritannien von der britischen Notenbank vorerst nicht angetastet. Das britische Votum gegen eine weitere Mitgliedschaft in der EU kann zukünftig erhebliche Auswirkungen auf die Mobilität ausländischer Studenten an englischen Universitäten und Fachschulen haben. Auslandssemester in England sind nicht nur bei deutschen Studenten begehrt, da Englisch im internationalen Vergleich die wichtigste Wirtschaftssprache ist. Gute Englischkenntnisse sowie Bachelor- und Masterabschlüsse in der Fremdsprache gelten vielfach als Voraussetzung, um einen angemessenen Arbeitsplatz zu finden. Akademiker und Schüler aus Deutschland stellen eine große Gruppe an britischen Hochschulen dar. Eine Einschränkung im Bereich des Auslandsstudiums hätte sowohl für das akademische System Großbritanniens sowie für den britischen Arbeitsmarkt negative Folgen. Es wird davon ausgegangen, dass Praxissemester und Auslandspraktika nach dem endgültigen EU-Austritt Großbritanniens schwerer zu bekommen sein werden.

Ohne gute Englischkenntnisse kaum Chancen auf gut bezahlte Jobs

Englische Universitäten stehen möglicherweise nicht mehr als teilnehmende Hochschulen für internationale Studienprogramme zur Verfügung. Studenten wird demnach empfohlen, sich gemeinsam mit ihrer deutschen Hochschule nach neuen Förderungsmöglichkeiten und Agenturen umzusehen, die bei der Vermittlung einer Praktikumsstelle behilflich sein könnten. Von spezialisierten Veranstaltern werden zur Verbesserung der Englischkenntnisse Sprachferien in England angeboten. Organisierte Sprachreisen für Kinder und Jugendliche bieten zertifizierte Veranstalter an. Leistungen wie eine umfassende Gesamtbetreuung, Unterbringung in geeigneten Gastfamilien und den Besuch eines renommierten Colleges werden dabei angeboten und vereinfachen das Einfinden in der neuen Umgebung. Fachleute halten einen Bildungsurlaub auch im Hinblick auf die spätere Selbstständigkeit und das Erwachsenwerden für sinnvoll. In einer Gruppe gleichaltriger Mitschüler können Jugendliche mehr Verantwortungsgefühl entwickeln und bei einem Auslandsaufenthalt die britische Kultur und die Lebensweise in Großbritannien besser kennenlernen. Ohne gute Englischkenntnisse lässt sich Statistiken zufolge in Deutschland kaum eine qualifizierte Arbeitsstelle finden. Über die Hälfte der Berufstätigen ist am Arbeitsplatz auf Fremdsprachen, hauptsächlich Englisch, angewiesen. Seit Langem steigt der Anteil der Akademiker, für die Fremdsprachkenntnisse auf hohem Niveau unverzichtbar sind. Inzwischen werden auch bei Jobs auf der mittleren Qualifikationsebene gute Englischkenntnisse vorausgesetzt.

Englisch ist wichtigste Wirtschaftssprache

Da viele Unternehmen in Deutschland ihren Arbeitnehmern einen festen Gehaltszuschlag gewähren, wenn diese mehrere Sprachen werden, ist das Fremdsprachenstudium im Ausland stark nachgefragt. Seitdem sich Englisch zur wichtigsten Wirtschaftssprache weltweit entwickelt hat, sind mehr als die Hälfte der deutschen Arbeitnehmer auf Englischkenntnisse im Job angewiesen. Daran wird sich auch nach dem EU-Austritt Großbritanniens nichts ändern. In einer vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) durchgeführten Erwerbstätigenbefragung gaben mehr als 40 Prozent aller Beschäftigten an, ohne Englischkenntnisse ihre Tätigkeit nicht ausüben zu können. Fremdsprachliche Fachkenntnisse werden von weiteren 18 Prozent benötigt, meist handelt es sich um besonders qualifizierte Mitarbeiter in wichtigen Positionen. Die Kommunikation mit ausländischen Geschäftspartnern und Kunden in Englisch zählt dabei in vielen Berufen zum festen Bestandteil des Arbeitsalltags.

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