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Wie gefährlich sind Nanoteilchen?

Wie gefährlich sind Nanoteilchen?

Die Partikel sind fast überall enthalten. In Cremes, Textilien, Lebensmitteln. Sie verbessern die Produkte.

Brüssel. Nanoteilchen sind überall: in Sonnencreme, in Zahnpasta, in Hemden. Sie machen Salben cremiger, Textilien frischer und Wurst rosiger. Doch jetzt mehren sich die Hinweise, dass diese Kleinstpartikel die Gesundheit gefährden.

Die Brüsseler EU-Kommission will deshalb künstlich hergestelltes "Nano-Material stärker unter die Lupe nehmen. Das wollen die EU-Kommissare Verheugen (Industrie), Dimas (Umwelt) und Vassiliou (Gesundheit) am Montag in Brüssel bekannt geben.

Zuvor hatte die EU-Kommission die gesamte europäische Gesetzgebung daraufhin überprüft, ob die Nano-Technologie darin einen blinden Fleck bildet. Vor allem die EU-Kosmetik-Richtlinie, die "direkt relevant ist für Produkte, in denen Nanomaterial genutzt wird", werde nun "einer Revision unterzogen", heißt es in einem internen Dokument der Behörde.

Auch EU-Lebensmittelgesetze müssen geändert werden wegen "Zusätzen in Nano-Form" , darunter Vitamine und Mineralien. "Die Risikobewertungen müssten so angepasst werden, dass spezifische Risiken, entstehend durch die Nutzung von Substanzen in Nano-Form, berücksichtigt werden, wenn sie auftauchen".

Eigenschaften dieser Nano-Teilchen seien so viel versprechend, dass Analysten "einen Weltmarkt für Nanotechnologien zwischen 750 und 2000 Milliarden Euro bis zum Jahr 2015 erwarten und schätzen, dass 10 Millionen nano-bezogene Arbeitsplätze bis zum Jahr 2014 geschaffen werden", schreibt die Behörde.

Diese Teilchen, 50 000 mal kleiner als der Durchmesser eines menschlichen Haars, bestehen aus künstlich angeordneten Atomen und Molekülen. Neue Oberflächen von Solarzellen könnten damit weit mehr Strom liefern. Zugleich warnt die Behörde: "Dieses Nano-Material setzt Menschen und die Umwelt möglicherweise neuen Risiken aus, indem es möglicherweise sehr unterschiedliche Mechanismen des Zusammenspiels mit der menschlichen Spezies beinhaltet".

Tatsächlich haben die künstlichen, winzigen Partikel völlig neue Eigenschaften. Exakt angeordnete Ringe aus Kohlenstoff-Atomen (Nano-Röhren) sind flexibel, aber gewaltig zugfest und könnten etwa zu kugelsicheren Westen verarbeitet werden, die kaum Gewicht haben. Eigentlich weißes Titandioxid, ist in Nano-Form durchsichtig, blockt aber UV-Strahlen, oder reflektiert in Hautfalten Tageslicht und macht Falten kaum sichtbar. Und Nanos in Tapetenfarbe versprechen, zum luftreinigenden Katalysator im Haus zu werden.

Doch sind die Teilchen so winzig, dass sie, frei umherfliegend, in die Lunge gelangen können - und möglicherweise in die Blutbahn über die Haut. Ob sie gefährlich wie Asbest wirken oder in menschlichen Zellen bösartige Veränderungen auslösen könnten, ist noch wenig erforscht.

Daher die gestiegene Vorsicht der EU-Kommission. "Bei vielen unlöslichen Nanomaterialien ist derzeit nicht auszuschließen, dass die inhalative Aufnahme dieser besonders kleinen Partikel am Arbeitsplatz zu Gefährdungen führen kann", informiert auch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz.

Die EU-Kommissare wollen denn auch sicherstellen, dass "Nanotechnologien vereinbar sein müssen mit der Gesundheit, Sicherheit, dem Schutz von Arbeitern und Verbrauchern und dem Umweltschutz".