Urlaub: So erkennt man Deutsche

Urlaub: So erkennt man Deutsche

Nein, der Bundesbürger trägt keinen Schnauzer mehr, er fällt eher durch seine Badelatschen auf.

Brüssel. Das sieht man doch auf den ersten Blick, dass das ein Deutscher ist. Wirklich? Wir stellen einige angeblich so typische Markenzeichen für den Bundesmann und die Bundesfrau auf den Prüfstand.

Vergessen Sie´s. Die lederne Wertsachentüte mit der handschellenartigen Schlaufe baumelt fast nur noch bei den Ü-60 ums Handgelenk. "Ist ein Auslaufmodell, wird auch in Deutschland nicht mehr stark nachgefragt", berichtet ein Sprecher der Lederwarenbranche.

Bei jungen und mittelalten Bundesbürgern längst abgelöst durch die Schultertasche, wahlweise aus wasserabweisendem Plastik, Fell oder sogar dem Stoff alter Turnmatten aus der Grundschule. Der Siegeszug der Umhänger hat übrigens auch den City-Rucksack an den Rand gedrängt, der noch vor wenigen Jahren bei vielen Bundesbürgern wie angewachsen schien.

Nur in der arabischen Welt und in Lateinamerika ein Renner, hat bei deutschen Männern - außer bei Schimanski - an Beliebtheit eingebüßt. Auch das Kinnbärtchen findet weniger Freunde, dafür ist der Vollbart angesagt. Mit klaren Konturen, oft mit ausrasiertem Hals, erläutert Tobias Troendle, Art Director bei der Friseursalon-Gruppe Essanelle.

Ziemlich out, der Vorne-kurz-hinten-lang-Schnitt. Deshalb schon seit geraumer Zeit kein Kennzeichen mehr - weder für Otto Normalbürger noch für seinen Sohn Olli. Klassischere Formen sind zurück, melden Friseure, markante, klare Linien. Maskulin. Und schon gar nicht mehr metrosexuell.

Ja, sind nach Angaben von Profis bei vielen Kundinnen immer noch gefragt, bevorzugt jedoch dezent, Ton in Ton mit der Basis. Das Modell "Streifenhörnchen" sei indes aus der Mode. Genauso wie übrigens die klassische Dauerwelle. Kaum jemand will heute noch "den ganzen Lumumba", sagt Antonio Weinischke, der Kreativ-Direktor im Damenfach des deutschen Friseurhandwerks. Dann doch lieber Tageslocken. Oder was ganz anderes. Zum Beispiel Ponys, die bis zum Mundwinkel reichen.

Weder beweisbar noch widerlegbar. Immerhin scheint der Deutsche auf seinen eigenen Duft zu schwören. Denn nach einer Studie der Hotelgruppe NH würden 62 Prozent der Deutschen, selbst wenn sie im Hotel Duschgel und Zahnpasta vorfinden, nicht gerne auf ihre mitgebrachten Toilette-Artikel verzichten - auch wenn sich viele von ihnen mit ihren süßen Rasierwässern und duftbaumähnlichen Deostiften gewiss keinen Gefallen tun.

Die Studie offenbart aber auch Schizophrenes: Beim Aus-Checken nämlich sind es vor allem die Deutschen, die möglichst viele Tuben und Seifen im Geheimfach ihres Kulturbeutels durch die Lobby schmuggeln.

Lässt sich ebenfalls nicht klar sagen, ob das typisch deutsch ist. Aber: Die EU-Statistiker haben festgestellt, dass die Germanen zumindest nicht die Letzten im Speisesaal sind. Denn sie nehmen ihre täglichen Essen in der Fabelzeit von summa summarum 1:43 Stunden ein.

Die Italiener brauchen im Schnitt eine Viertelstunde länger (und das für Nudeln!), die Franzosen sogar mehr als eine halbe Stunde. Zudem, so berichtet eine Expedia-Umfrage, ist das Essen unter allen möglichen Streitpunkten im Urlaub derjenige, der bei Deutschen am seltensten für Zoff sorgt.

Vielleicht ein Zeichen dafür, dass sich Bundesbürger am Tisch nicht lange mit Sonderwünschen aufhalten. Sondern beim Italiener blind auf die Sieben mit Zwiebeln vertrauen. Oder beim Chinesen auf die 101 (kleines Pils).

Ja, Volltreffer. In der Tat ist die Wahrscheinlichkeit beträchtlich, dass diejenigen, die in leicht gebeugter Haltung auf Eternit- oder Filzbahnen kleine Bälle durch Labyrinths zu bugsieren versuchen, aus Deutschland kommen. Nirgendwo in Europa gibt es so viele Bahnen, so viele Vereine, so viele Spieler wie in Deutschland.

Der hiesige Bundesverband schätzt, dass jährlich unglaubliche 20 Millionen Runden gespielt werden. Einen heimischen Kleingolfer können deshalb allenfalls noch die Schweden beeindrucken, wo das Einlochen in wenigen Schlägen sogar Schulsport ist.

Ja, auch die Plastiktreter sprechen für die deutsche Herkunft des Besitzers. Deutschland sei "unser wichtigster Absatzmarkt" für die Adilette, bestätigt eine Sprecherin von Adidas. Das gelte für alle möglichen Modelle, nicht nur den blauen Klassiker mit den weißen Streifen - der heutzutage übrigens nicht als Funktionsschuh vermarktet wird, sondern als Style-Produkt.