Unitymedia wirft dritte Programme aus dem Kabel

Unitymedia wirft dritte Programme aus dem Kabel

Anbieter verärgert die Zuschauer. Grund ist der Streit mit ARD und ZDF über eine Einspeisegebühr.

Düsseldorf. Der Kabelnetzbetreiber Unitymedia Kabel BW testet seine Daumenschrauben. In Nordrhein-Westfalen hat er den überaus beliebten Norddeutschen (NDR) und den Bayerischen Rundfunk (BR) aus dem analogen Kabel geworfen. Statt NDR-Talkshow und „Münchner Runde“ bekommen die Kabelkunden nun RTL Nitro und ProSieben Maxx ins Haus geliefert — Wiederverwertungsstationen der Privatsender. Von den acht Dritten Programmen werden noch drei in NRW verbreitet, nur der WDR ist Pflicht („Must-Carry-Regelung“ der Landesmedienanstalten).

Im digitalen Kabel gehören alle Dritten zum Pflichtprogramm. Allerdings speist Unitymedia ebenso wie Kabel Deutschland aus dem Süden der Republik lediglich drei öffentlich-rechtliche Programme in HD-Qualität ein: ARD, ZDF und Arte. Zu empfangen sind aber eigentlich 20 öffentlich-rechtliche Programme in High Definition — nur das Kabel zeigt sie in herkömmlicher Auflösung.

Hintergrund der Kabbelei, die auf dem Rücken der Zuschauer ausgetragen wird, ist ein Dauerstreit zwischen Unitymedia und Kabel Deutschland auf der einen sowie den öffentlich-rechtlichen Sendern auf der anderen Seite.

Nach mehrjähriger Ankündigung zahlen ARD und ZDF seit 1. Januar 2013 keine Einspeisevergütung mehr an die Kabelnetzbetreiber — das waren 45 Millionen Euro im Jahr.

Dass die Sender überhaupt für die Einspeisung bezahlt haben, hat historische Gründe: Als die Kabelnetze noch der Deutschen Bundespost und nicht Privatunternehmen gehörten, leisteten sie damit ihren Beitrag zum Kabelausbau — aber der ist ja längst abgeschlossen. Die Kabelnetzbetreiber versuchen, die Einspeisungsgebühr vor Gericht einzuklagen. Bisher hatten sie damit jedoch keinen Erfolg.

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