Ruhestand — und was dann?

Ruhestand — und was dann?

Ein Ratgeber gibt 101 Tipps. Wir wollen wissen, worin Sie Erfüllung finden.

Düsseldorf. Irgendwann ist er da, der letzte Tag im Arbeitsleben. Endlich Rente, die große Freiheit, nie mehr Stress, ewiger Urlaub. Oder kommt es ganz anders? Ist da nur noch ein dunkles Loch, führt der Kontaktverlust zu den Kollegen auch im Alltag schnell zur Vereinsamung?

Ursula Lenz von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen hat viele Seminare zur Vorbereitung auf den Ruhestand durchgeführt. „Fotos sortieren, den Partykeller ausbauen, ein Kompostbeet anlegen — nach einem halben Jahr ist alles erledigt, und dann tritt eine Leere ein“, warnt Lenz im Interview mit Dagmar Giersberg, der Autorin des Ratgebers „Und dann? 101 Ideen für den Ruhestand“.

Lenz rät, die Phase nach dem Arbeitsleben beherzt zu planen. Man solle sich bereits zwei bis drei Jahre vor dem Ruhestand auf diese Zeit vorbereiten, wenn man nicht das Alter „im Unterhemd auf der Couch sitzend vor dem Fernseher verbringen“ wolle. Lenz: „Schon zwei, drei feste Termine in der Woche geben eine Orientierung.“

Aber was tun, wie lassen sich neue Ziele setzen? Ziele, deren Verwirklichung in den meisten Fällen auch das bringt, was sonst nach dem Ausstieg aus dem Arbeitsleben schnell wegbricht — die sozialen Kontakte. Der Ratgeber von Dagmar Giersberg gibt hier zahlreiche Tipps, wie man sich „vor dem Rentenloch schützt“. Oftmals können die im Beruf erlernten Fähigkeiten weiter nutzbringend angewandt werden. Oder aber völlig Neues wird ausprobiert: Als Leihoma oder -opa in Familien helfen, in Kindergärten oder Seniorenheimen vorlesen, als Mediator Streitigkeiten schlichten. Oder gar als Au pair im Ausland arbeiten.

Wer sich ausreichend schulen lässt und sich mental stark genug dafür fühlt, kann Sterbende als ehrenamtlicher Mitarbeiter im Hospiz begleiten. Ehemalige Manager begleiten Gründungsinitiativen. Wer sich mit EDV auskennt, gibt Computer-Einsteigerkurse.

Der Ratgeber belässt es nicht nur bei den 101 Ideen. Es werden Anlaufadressen genannt, bei denen man sich näher informieren kann, wie sich die Idee realisieren lässt. Auch rechtliche Fragen, etwa wie viel zur Rente hinzuverdient werden darf, werden besprochen.

Wie wichtig ein erfülltes Nach-Arbeitsleben ist, schildert Ursula Lenz aus ihrer jahrzehntelangen Erfahrung in der Seniorenarbeit: „Verbittert und griesgrämig sind immer die Menschen, die keine sinnerfüllende Tätigkeit gefunden haben. Die glücklichsten alten Menschen, die ich kennengelernt habe, waren die, die spüren, dass sie — egal wie alt sie sind — noch etwas bewegen können.“