Prostatakrebs: Vorsorge schützt wirklich

Prostatakrebs: Vorsorge schützt wirklich

Gerade im frühen Stadium macht die Krankheit keine Beschwerden – dabei ist sie gerade dann gut zu behandeln.

Düsseldorf/Kempen. Eigentlich sollte es eine gewöhnliche Vorsorgeuntersuchung sein. Als Außendienstmitarbeiter Thomas Wolters aus Kempen Tage später den Befund erhielt, glaubte er, in ein Loch zu fallen. "Mein PSA-Wert war erhöht - Verdacht auf Prostatakrebs. Ich konnte es nicht fassen", erinnert sich der Familienvater (54).

Gemerkt hatte er nie etwas, keine Beschwerden gehabt und kaum einen Gedanken an Krebs verschwendet. "Das ist typisch für Prostatakrebs", sagt Dr. Martin Petsch, Urologe an der Düsseldorfer Paracelsus-Klinik, der größten urologischen Fachklinik in Deutschland. "Das macht die Krankheit so tückisch. Ist der Tumor vom Arzt schon zu ertasten, kann es häufig zu spät sein."

Wobei nicht jede Veränderung der Prostata bösartig sein muss. "Bei fast jedem Mann wächst die Drüse mit zunehmendem Alter", sagt Petsch. Häufig mache eine vergrößerte Prostata selbst keine Probleme. "Um Gewissheit zu haben, sollten Männer ab 45 Jahren regelmäßig zur Vorsorge gehen." Die Chance, in jüngeren Jahren an Prostatakrebs zu erkranken, sei gering, deshalb sei die Vorsorge bei jüngeren Männer nicht sinnvoll.

Wobei das wichtigste Glied der Vorsorgeuntersuchung, der so genannte PSA-Test, nicht unumstritten ist. Dabei wird das Blut auf einen bestimmte Antikörper untersucht. Ist der Wert erhöht, kann das ein Anzeichen für eine Krebserkrankung sein. "Das ist längst nicht in jedem Fall so", sagt Petsch. Zeigt der Test Auffälligkeiten, wird eine Gewebeprobe entnommen, die dann Gewissheit bringt. "Viele Tests führen zwangsläufig auch zu vielen Biopsien, die aber nicht immer notwendig sind."

Bei Thomas Wolters brachte der Test das richtige Ergebnis, wie die Probe bestätigte. Mit seinem Arzt besprach er die richtige Therapie. "Ich hatte Angst vor den Nebenwirkungen eines eingriffs wie Impotenz oder Harninkontinenz", sagt Wolters.

"Weil die Prostata nahe dem Blasenausgang und der Pensiwurzel sitzt, kann es zu diesen Problemen kommen", sagt Petsch. "Oft gehen sie aber nach einer gewissen Zeit von ganz allein wieder weg." An einer Behandlung geht in den meisten Fällen kein Weg vorbei - es sei denn, Arzt und Patient beschließen, den Tumor ohne Behandlung kontrolliert zu beobachten. Bei kleinen Tumoren, die langsam wachsen und Männern jenseits der 75 ist das eine Möglichkeit.

Grundsätzlich gibt es folgende Therapie-Formen:

Operation Dabei wird die Prostata entfernt (Prostatasektomie). Entweder über einen Bauchschnitt oder minimalinvasiv mit einer laparoskopischen Operation (ähnlich wie Bauchspiegelung.

Strahlentherapie Von innen (Brachytherapie) mithilfe von schwach radioaktiven Körnern, die in der Prostata bleiben oder von außen (perkutane Therapie) möglich.

Hormontherapie Dabei wird die Testosteronproduktion gehemmt, um das Tumorwachstum zu bremsen.

Immer mehr Männer gehen zur Früherkennung. Dadurch können auch langsam wachsende Tumore früh entdeckt werden. Mehr Untersuchungen führen zu mehr Diagnosen. Die zweite Erklärung: Die Deutschen werden immer älter und Prostatakrebs ist vor allem eine Erkrankung des älteren Mannes.

Bei etwa bei vier Promille der 60-jährigen und bei etwa sieben Promille von 70-jährigen Männern wird Prostatakrebs entdeckt. Im Jahr etwa 60 000 Männer. Laut Robert-Koch-Institut wäre mehr als die Hälfte der Diagnosen, die in Folge eines PSA-Tests (siehe Kasten) gestellt worden sind, nie aufgefallen.

Angeblich haben Afroamerikaner das höchste und Asiaten das geringste Risiko. Vorsicht ist geboten, wenn nahe Verwandte, der Vater, Bruder oder Onkel bereits erkrankt sind. Ein erhöhtes Risiko besteht auch dann, wenn mehr als eine weibliche Verwandte an Brustkrebs erkrankt ist.

Die Zahl der Todesfälle ist etwa seit den 1970er Jahren konstant geblieben. Jedes Jahr sterben etwa 11 000 Männer daran. Da die Zahl der jährlich neu entdeckten Prostatakrebserkrankungen jedoch angestiegen ist, sterben heute relativ zur Zahl der diagnostizierten Neuerkrankungen weniger Männer. Die Krankheit ist gut zu behandeln, wenn sie früh erkannt ist.

Es ist unklar, ob eine Änderung des Lebensstils, insbesondere der Ernährung, vor Prostatakrebs schützen kann. Experten glauben, dass es hilft, weniger tierisches Fett und mehr Gemüse zu essen. Ein hoher Testosteronspiegel und die sexuelle Aktivität haben keinen Einfluss auf die Krebsentstehung.

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