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Lärmbelästigung: Brumm-Strom wird zur Qual

Lärmbelästigung: Brumm-Strom wird zur Qual

Das Oberlandesgericht Stuttgart entschied: Stromleitungen dürfen bei Nässe maximal 45 Dezibel laut sein.

Stuttgart/Berlin. Das physikalische Prinzip ist simpel, doch das Ergebnis für menschliche Ohren nur schwer erträglich: Bilden sich auf elektrischen Hochspannungsleitungen Feuchtigkeitstropfen, werden diese durch die Frequenz des Stromes zu Schwingungen angeregt. Und je mehr und je größere Wassertropfen an der Leitung hängen, desto lauter und intensiver wird das Brummen.

Hinzu kommt noch ein weiteres Geräusch, das durch so genannte Mikro-Entladungen in die Luft entsteht. Dieses zweite, knatternde Geräusch ist umso intensiver, je höher die Stromspannung in den Leitungen ist. Summen und Knattern zusammen können einen Lärmpegel erzeugen, der nicht nur äußerst lästig ist, sondern sogar gesundheitsgefährdend sein kann.

In diesem Sinne hat jetzt auch das Oberlandesgericht Stuttgart entschieden. Die Richter gaben einem Ehepaar Recht, das gegen den Energiekonzern EnBW geklagt hatte, dessen Höchstspannungsleitungs in unmittelbarer Nähe ihres Hauses verlief. Seit der Energiekonzern die Netzspannung in der Leitung von von 200 000 Volt auf 380 000 Volt erhöht hatte, war das Ehepaar bei Raureif, Regen oder Schnee wegen der dann entstehenden Brummtöne nicht zum Schlafen gekommen. EnBW muss nun sicherstellen, dass auch bei Näse der von den Stromleitungen ausgehende Lärmpegel nicht über 45 Dezibel (dB) ansteigt.

"Lärm kann durchaus eine Gesundheitsgefährdung darstellen", erklärt der Lärmforscher Privatdozent Dr. Christian Maschke von der Technischen Universität Berlin im Gespräch mit unserer Zeitung. "Denn wer glaubt, dass Lärm nur den Ohren schadet, der irrt gewaltig. Andauernde Lärmbelastung kann zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen und das Risiko eines Herzinfarktes signifikant steigern."

Bereits bei einer dauernden Lärmbelastung ab 60 Dezibel steige das Herzinfarkt-Risiko, sagt Maschke, der auch Lärm-Berater der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist.

Doch der Dezibel-Wert allein macht noch kein Geräusch zur Qual. Maschke: "Es kommt auch auf die Frequenz an, die das Geräusch hat. Bei Vögeln beispielsweise ist die Schallenergie sehr niedrig. Dass wir sie trotzdem singen hören, liegt daran, dass die Vögel ihre Töne in einen sehr engen Frequenzbereich packen, der dann von uns als lauter empfunden wird, als Umweltgeräusche, die viele Frequenzen umfassen."

Blätterrascheln - 20 Dezibel

Flüstern - 30 Dezibel (dB)

Untergrundgeräusch in ruhigem Hörsaal - 40 dB

Leise Unterhaltung - 50 dB

Normale Unterhaltung, Zimmerlautstärke - 60 dB

Laute Unterhaltung, betriebsamer Verkehr - 70 dB

stark befahrene Straße in fünf Metern Distanz ohne Lkw - 80 dB

Geige (fortissimo) - 90 dB

laute Werkshalle - 100 dB

Disko-Lautstärke (sogar kurze Belastung führt zu akuten Hörschäden) - 110 dB

Laute Disko, (Schmerzgrenze) - 120 dB

Presslufthammer - 130 dB