Ratgeber Ökologisches Bauen - Ein Blick in die Zukunft

In diesem Beitrag sprechen wir mit dem renommierten Architekten Thomas Kunkel über das Thema des ökologischen Bauens. Begleiten Sie uns auf eine Entdeckungsreise, die nicht nur die aktuellen Trends und Technologien im ökologischen Bauen beleuchtet, sondern auch praktische Ratschläge für diejenigen bereithält, die ihren Wohntraum auf nachhaltige Weise verwirklichen möchten.

Aufstockungen sind eine tolle Möglichkeit, zusätzlichen Raum zu schaffen. Kunkel setzt hier auf wohngesunde und ökologische Baustoffe aus Holz, die für ein sehr gutes Raumklima sorgen.

Aufstockungen sind eine tolle Möglichkeit, zusätzlichen Raum zu schaffen. Kunkel setzt hier auf wohngesunde und ökologische Baustoffe aus Holz, die für ein sehr gutes Raumklima sorgen.

Foto: a-better-place.de

Frage 1: Herr Kunkel (mehr über den Architekten erfahren), ökologisches Bauen gewinnt zunehmend an Bedeutung. Könnten Sie uns kurz erläutern, was unter diesem Begriff genau zu verstehen ist?

Antwort Thomas Kunkel: Unter ökologischem Bauen verstehen wir den Prozess des Entwerfens, Bauens und Betreibens von Gebäuden auf eine Weise, die die Umweltbelastung minimiert und die natürlichen Ressourcen schont. Dabei geht es nicht nur um die Materialien, die wir verwenden, sondern auch um Energieeffizienz, Wassersparsamkeit und die Integration von grünen Technologien.

Frage 2: Welche Technologien sehen Sie als Schlüsselkomponenten für das ökologische Bauen der Zukunft?

Antwort Thomas Kunkel: Es gibt mehrere spannende Technologien, die das Potenzial haben, die Art und Weise, wie wir bauen, zu revolutionieren. Zum Beispiel sind Photovoltaik-Anlagen zur Gewinnung von Solarenergie, Wärmepumpensysteme für effiziente Heiz- und Kühlmethoden und grüne Dächer oder Wände, die zur Verbesserung der Luftqualität und zur Biodiversität beitragen, bereits weit verbreitet. Zukünftig könnten Materialien wie CO2-absorbierender Beton oder der Einsatz von Holz in der modularen Bauweise noch größere Rollen spielen.

Frage 3: Nachhaltigkeit und Wohnkomfort scheinen oft in Konflikt zu stehen. Wie lösen Sie diesen Konflikt in Ihren Projekten?

Antwort Thomas Kunkel: Ein weitverbreitetes Missverständnis ist, dass Nachhaltigkeit auf Kosten des Komforts oder der Ästhetik geht. In Wahrheit bietet ökologisches Bauen eine Chance, beides zu verbessern. Durch intelligente Planung und den Einsatz innovativer Materialien und Technologien können wir Gebäude entwerfen, die nicht nur energieeffizient, sondern auch äußerst komfortabel und visuell ansprechend sind. Indem wir natürliche Lichtquellen, hervorragende Isolierung und natürliche Belüftungssysteme nutzen, schaffen wir gesunde und angenehme Wohn- und Arbeitsumgebungen.

Frage 4: Welche Rolle spielen Regierungen und Gesetzgeber beim ökologischen Bauen?

Antwort Thomas Kunkel: Eine sehr wichtige. Regierungen und lokale Behörden können durch Vorschriften, Anreize und Förderprogramme einen entscheidenden Einfluss auf die Förderung ökologischen Bauens haben. Sie können Standards setzen, die den Energieverbrauch und die CO2-Emissionen von Neubauten reduzieren, und Anreize für Sanierungen bestehender Gebäude bieten. In einigen Ländern gibt es bereits sehr fortschrittliche Gesetzgebungen, die als Vorbilder dienen können. Es ist jedoch wichtig, dass diese Bemühungen weltweit verstärkt werden.

 Nachhaltigkeit beim Bau bedeutet auch barrierefrei zu planen und zu bauen. So können Häuser, wie dieser Bungalow, von allen Generationen genutzt werden.

Nachhaltigkeit beim Bau bedeutet auch barrierefrei zu planen und zu bauen. So können Häuser, wie dieser Bungalow, von allen Generationen genutzt werden.

Foto: a-better-place.de

Frage 5: Was erwarten Sie in den nächsten 10 Jahren im Bereich des ökologischen Bauens?

Antwort Thomas Kunkel: Ich bin sehr optimistisch. Ich erwarte, dass wir einen signifikanten Wandel hin zu nachhaltigeren Bauweisen sehen werden, getrieben durch technologische Innovationen, steigendes Umweltbewusstsein und strengere Vorschriften. Wir werden wahrscheinlich eine breitere Akzeptanz von grünen Technologien und eine zunehmende Verwendung von umweltfreundlichen Materialien sehen. Darüber hinaus hoffe ich, dass das Thema Nachhaltigkeit in der Architekturausbildung stärker in den Vordergrund rückt, um die nächste Generation von Architekten für diese Herausforderungen zu sensibilisieren.

Frage 6: Was würden Sie Personen empfehlen, die ein umweltfreundliches Zuhause bauen möchten?

Antwort Thomas Kunkel: Mein Rat wäre, sich gründlich zu informieren und einen Architekten oder Planer zu engagieren, der Erfahrung mit ökologischem Bauen hat. Denken Sie daran, dass Nachhaltigkeit nicht bei der Fertigstellung des Gebäudes endet. Es geht auch darum, wie Sie Ihr Zuhause nutzen und instandhalten. Achten Sie auf die Energieeffizienz Ihrer Geräte, nutzen Sie regenerative Energiequellen und berücksichtigen Sie die Möglichkeit der Regenwassernutzung und der Abfallreduzierung. Ein umweltfreundliches Zuhause zu bauen oder zu renovieren ist eine Investition in die Zukunft – sowohl in Ihre eigene als auch in die unserer Planeten. Beginnen Sie klein, wenn nötig, und machen Sie bewusste Entscheidungen, die zu einer nachhaltigeren Lebensweise führen.

Frage 7: Haben Sie denn noch ein konkretes Beispiel für uns?

Antwort Thomas Kunkel: Wir haben uns Jahrzehnte das Thema Kälte gekümmert und sind hier schon recht weit fortgeschritten. Aber aufgrund des Klimawandels muss man jetzt auch an sommerlichen Hitzeschutz denken. Hier gibt es viele Möglichkeiten, sein Gebäude entsprechend zu schützen. Man kann zum Beispiel mit einem großen Dachüberstand planen. Der schützt die Fassade und die Fenster im Obergeschoss vor zu großer Aufheizung. Somit bleibt die Hitze länger draußen. Trotzdem sollte man im Süden und im Westen nicht auf Rollläden oder Jalousien verzichten.

Frage 8: Klingt gut. Gibt es noch mehr solcher Punkte?

Thomas Kunkel: Ja, sehr viele sogar. Aber es hängt alles von der Planung ganz am Anfang ab. Man muss beim Entwerfen eines Hauses zum Beispiel die Himmelsrichtungen beachten, die Nachbarbebauung, die Erschließung, die Zufahrt und vieles mehr. Ganz entscheidend ist übrigens der Bebauungsplan. Wenn da die die Vorgaben nicht ideal auf den Verlauf der Sonne abgestimmt sind, muss der Architekt besonders kreativ werden. Was nutzt einem eine Dachfläche, die man mit Solar oder Photovoltaik belegen kann, wenn diese nach Norden ausgerichtet ist. Deswegen hier ein Tipp: Kaufen Sie nie ein Kataloghaus. Der erste Weg muss immer zu einem Architekten sein.

Wir hoffen, dass dieses Interview mit Thomas Kunkel wertvolle Erkenntnisse und Inspirationen zum Thema ökologisches Bauen geliefert hat. Die Zukunft des Bauens sieht grün aus, und jeder von uns kann einen Beitrag leisten, sei es durch bewusste Entscheidungen im eigenen Heim oder durch die Förderung nachhaltiger Praktiken in unserer Gemeinschaft. Lassen Sie uns gemeinsam auf eine nachhaltigere Zukunft hinarbeiten, in der ökologisches Bauen nicht mehr die Ausnahme, sondern die Norm ist.

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