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Ökologische Geldanlagen können riskant sein

Ökologische Geldanlagen können riskant sein

Hamburg (dpa/tmn) - Hohe Rendite und ein gutes Gewissen: Mit solchen Versprechen versuchen viele grüne Investoren an das Geld von Anlegern zu kommen. Doch das Risiko bei einer Beteiligung an einem Windpark oder einem Solarkraftwerk ist hoch.

Das Versprechen klingt gut: Acht Prozent Rendite können Sparer bekommen, wenn sie mit ihrem Geld den Ausbau erneuerbarer Energien finanzieren. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten ist das ein verlockendes Angebot. Das Problem dabei: „Meist geht der Anleger ein hohes Risiko ein“, warnt Achim Tiffe, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Finanzdienstleistungen (iff) in Hamburg.

Die Palette der Angebote ist breit. Sie reicht von Windparks, großen Solaranlagen bis hin zu Biomasse- oder Wasserkraftwerken. Anders als etwa bei Schiffsbeteiligungen stehen viele Anleger solchen Angeboten grundsätzlich offen gegenüber. „Erneuerbare Energien sind positiv besetzt“, erklärt Tiffe. Daher seien viele Menschen bei Investments mit einem grünen Etikett oft leichtgläubig. „Man bekommt den Eindruck, man macht mit seinem Geld etwas Positives und bekommt dafür auch noch eine gute Rendite.“

Allerdings sind viele Offerten für Privatanleger riskant. „Meist handelt es sich um unternehmerische Beteiligungen oder geschlossene Fonds“, erklärt Thomas Pfister von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. „Das Risiko ist entsprechend hoch.“

Der Grund: „Anleger werden in diesen Fällen vom Sparer zum Miteigentümer“, sagt Sandra Klug von der Verbraucherzentrale Hamburg. Und das bedeutet: Sie sind nicht nur an den Gewinnen der jeweiligen Gesellschaft, sondern auch an den Verlusten beteiligt. „Im schlimmsten Fall haftet ein Anleger mit seinem Privatvermögen.“

Doch das können Anleger oft nicht erkennen. „In den Verkaufsprospekten taucht dieses Risiko nicht immer deutlich auf“, weiß Achim Tiffe. „Es wird eher auf die Vorzüge hingewiesen.“ Aus diesem Grund hat die Hamburger Verbraucherzentrale in diesem Jahr einen Anbieter erfolgreich abgemahnt. Die Gesellschaft hatte ihre Genussscheine als „Alternative zur Bank oder Lebensversicherung“ oder als „grünes Sparbuch“ angepriesen. Auf einen möglichen Totalverlust des eingesetzten Kapitals wurde jedoch nicht eindeutig hingewiesen.

Das Verlustrisiko ist aber nur eine von zahlreichen Fallen, in die Sparer bei solchen Kapitalanlagen tappen können. „Kaum ein Verbraucher kann die Prognosen für den Ertrag der Projekte tatsächlich überprüfen“, erklärt der Verbraucherschützer Pfister. Dabei sei das wichtig: „Scheint die Sonne nicht so wie erhofft oder bläst der Wind nicht so wie angenommen, kann die Rendite erheblich geringer ausfallen.“

Für interessierte Anleger sei es daher unabdingbar, sich das Produkt und den Anbieter sehr genau anzuschauen, rät Pfister. „Nur wenn er langjährige Markterfahrung und erfolgreich laufende Vergleichsprojekte nachweisen kann, kann man über einen Einstieg nachdenken.“

Dafür ist allerdings oft ein hoher Kapitaleinsatz erforderlich. Denn bei vielen Fonds oder Beteiligungen ist ein Einstieg erst ab Summen von mehreren tausend Euro möglich. Auf sein eingesetztes Kapital muss man in diesem Fall möglicherweise eine Weile verzichten, denn geschlossene Fonds haben oft eine lange Laufzeit. „Der Anleger kommt unter Umständen mehrere Jahre nicht an sein Geld“, sagt Sandra Klug.

Für Kleinanleger gibt es allerdings auch Sparpläne. So kann man sich etwa mit einer monatlichen Rate von 50 oder 100 Euro an einem Windpark oder Biomassekraftwerk beteiligen. Aus Sicht der Stiftung Warentest sind solche Angebote unseriös, denn zu dem Verlustrisiko kämen hier noch hohe Kosten, heißt es in dem Ratgeber „Grüne Geldanlagen“.

Privatanleger sollten von unternehmerischen Beteiligungen daher eher die Finger lassen, empfehlen die Experten einstimmig. Denn Etiketten wie „grün“ oder „ethisch“ hätten zunächst einmal wenig Aussagekraft, erklärt etwa Thomas Pfister. „Wenn es um die Seriosität geht, müssen an alle Angebote - ob herkömmlich oder alternativ - die gleichen Maßstäbe angelegt werden.“

Deshalb empfiehlt die Hamburger Finanzexpertin Kluge: „Wer sein Erspartes investieren möchte, sollte sich über seine Anlageziele klar werden und dann nach den dazu passenden Produkten suchen.“ Stehe etwa die Sicherheit an erster Stelle, biete sich die Anlage auf grünen Bankkonten an. Anleger, die mehr Risiko eingehen möchten, könnten Fonds kaufen.

Möglichkeiten, sein Geld umweltgerecht oder ethisch einwandfrei anzulegen, gibt es jedenfalls viele, sagt Thomas Pfister. „Im Bereich der grünen Geldanlagen ist die Produktpalette inzwischen ebenso breit wie auf dem konventionellen Anlagemarkt.“

Literatur:

Die Stiftung Warentest hat zu diesem Thema den Ratgeber „Grüne Geldanlagen“ veröffentlicht. Er kostet 16,90 und kann im Internet unter www.test.de/ bestellt werden. ISBN-13: 978-3-86851-314-1