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Kletterpflanzen: Grüne Akrobaten mit vielen Talenten

Kletterpflanzen: Grüne Akrobaten mit vielen Talenten

Haan (dpa/tmn) - Auf der Terrasse sitzt man unterm Baldachin aus Grün, die Sichtschutzwand ist eine Wand aus duftenden Rosen und Immergrünes schmückt die graue Fassade sogar im Winter: Kletterpflanzen sind Baumeister der Natur.

Soll eine Wand rasch begrünt werden, leisten Kletterpflanzen gute Dienste. Die Pflanzen mit ihren lianenartigen Trieben spenden an einer Pergola Schatten und schaffen sommerliche Blütenpracht am maroden Baumstamm. Zwischen zwei und sieben Meter können sich Kletterpflanzen - je nach Pflanzart - in die Höhe schlingen. „Ein einziger Wilder Wein kann im Laufe der Jahre ein dreistöckiges Haus dicht begrünen“, sagt Robert Markley, Geschäftsführer des Verbandes der Gartenbaumschulen in Haan in Nordrhein-Westfalen.

„Man unterscheidet zwischen den Gerüstkletterpflanzen und den Selbstklimmern“, erläutert Stefan Brandhorst, Experte in der Fachvereinigung Bauwerksbegrünung in Saarbrücken. Zu den Gerüstkletterpflanzen zählen Schlinger, Ranker und Spreizklimmer. In der Natur finden sie Halt an anderen Pflanzen oder einem Bauwerk.

Die Gerüst-Akrobaten bevorzugen verschiedenen Kletterhilfen: „Schlingpflanzen wie der Blauregen (Wisteria) umschlingen Seile oder Stäbe mit einem Durchmesser zwischen 0,5 und 5 Zentimeter“, sagt Brandhorst. Diese Kletterhilfen sollten möglichst vertikale Strukturen aufweisen.

Spreizklimmer wie Kletter- und Rankrosen haken sich mit Hilfe von Dornen, Stacheln oder Kurztrieben in Kletterhilfen mit waagerecht verlaufenden Strukturen. „Für Ranker sind gitterartige Kletterhilfen ideal. Bei den Clematis wird durch einen Berührungsreiz der Blattstiel umgeformt“, erklärt Brandhorst.

In der Gartengestaltung übernehmen Kletterpflanzen unterschiedliche Aufgaben. „An Wänden bilden sie einen gleichmäßigen Hintergrund“, sagt Markley. Er rät hierfür zu Efeu (Hedera helix), der immergrün und sehr robust ist. Als grünes Kleid für Lauben und Pergolen empfiehlt der Buchautor Rambler-Rosen.

Manche Kletterpflanzen können als eine Art Verband auch Schäden am Bauwerk verstecken. „Knöterich (Fallopia aubertii) wird im Volksmund auch Architektentrost genannt, weil er sehr schnell kleinere bauliche Mängel unter seinem dichten Blätterkleid verdeckt“, verrät Markley aus der Trickkiste der Gärtner. „Allerdings muss man wissen, dass die Pflanzen nicht aufhören zu wachsen.“ Sie müssten daher regelmäßig zurückgeschnitten werden.

Kletterpflanzen haben unterschiedliche Ansprüche an den Standort. Für sonnige Plätze empfiehlt Brandhorst Zier-Kiwi mit einer rosafarbenen Blattspitze (Actinidia kolomikta) und gelb blühende Waldreben (Clematis orientalis oder Clematis tangutica). „Für schattige Plätze eignen sich die Alpen-Waldrebe (Clematis alpina) und das Trompeten-Geißblatt (Lonicera x brownii).“ Die Duftrebe (Vitis riparia), Wilder Wein und die Spalthortensie (Schizophragma hydrangeoides) vertragen sowohl Sonne als auch Schatten.

Der Wind ist ein entscheidender Faktor für das Wachstum, denn er zieht mit großer Stärke um die Hausecken - das beeinträchtige das Pflanzenwachstum, erläutert Gärtnermeister Brandhorst. Vor allem mit zunehmender Höhe wirkten die Kräfte stärker. Daher sollten Kletterpflanzen nicht an diesen exponierten Stellen in die Höhe gezogen werden, sondern sich von der Wandmitte aus entwickeln.

„Kletterpflanzen sind in Auen und Wäldern heimisch“, ergänzt Markley. „Daher brauchen sie einen frischen, humosen Boden, der tiefgründig ist.“ Brandhorst empfiehlt, das Pflanzloch vor dem Setzen gut vorzubereiten: „Im Bereich von versiegelten Flächen sollte der Unterbau so beschaffen sein, dass die Wurzeln das Substrat durchwurzeln können.“

Literatur:

Markley, Robert: Hecken und Ziergehölze, BLV, 127 S., 9,95 Euro, ISBN-13: 978-3-835407213