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Hitze in NRW: Tipps für ein kühles Zuhause - und was bei der Arbeit gilt

Wetter in NRW : Wie Sie bei Hitze Ihr Zuhause kühlen - und was bei der Arbeit gilt

Am See lässt es sich im Sommer bei hohen Temperaturen meist am besten aushalten. Doch was hilft, um das Zuhause kühl zu halten? Und was gilt am Arbeitsplatz? Ein Überblick.

Der Sommer ist wunderschön, kann aber auch zu unerträglichen Temperaturen Zuhause führen. In NRW soll es nun so richtig heiß werden. Damit die eigenen vier Wände nicht zum Ofen werden, gibt die Verbraucherzentrale NRW einige Tipps, wie Sie Räume kühl halten. Und was gilt am Arbeitsplatz?

  • Hilfreich ist es, zunächst verzichtbare Hitzequellen zu identifizieren. Das kann etwa ein zusätzlicher Kühlschrank sein, der im Sommer die Getränke kühlen soll. Das Gerät gibt die Wärme meist an den Raum ab - auch aus Stromspargründen sind Zweitgeräte nicht empfehlenswert. Eine weitere Quelle kann die Heizungsanlage sein. Daher raten die Experten, diese frühzeitig auf Sommerbetrieb umzustellen. Denn die Raumtemperatur zeigt auch, wenn in den Heizrohren noch warmes Wasser ist.
  • Kurzfristig hilft gegen sommerliche Temperaturen: Fenster auf machen und für Durchzug sorgen. Am besten lüften Sie Ihr Zuhause früh morgens. Tagsüber sollten Sie Fenster nicht die ganze Zeit offen lassen. Denn je länger das geschieht, umso mehr warme Luft gelangt ins Innere. Idealerweise kommt die Wärme erst gar nicht hinein. Wer tagsüber frische Luft für den Sauerstoffaustausch braucht, sollte nur kurz das Fenster öffnen. Gut ist es auch, wenn die Luft in Bewegung kommt - etwa mit einem Ventilator oder einem Klimagerät. Die Experten raten hier, effiziente, sogenannte Split-Geräte zu nutzen - sie sparen im Vergleich zu Kompaktmodellen deutlich Energie. Der Wärmetauscher wird außen angebracht.
  • Bauherren und Hauseigentümer, die unter der Wärme im Haus leiden, sollten über eine neue Fassadendämmung nachdenken. Moderne Dämmung kann nicht nur im Winter Energiekosten senken, sondern auch im Sommer hohe Temperaturen länger draußen halten. Das gilt insbesondere für Räume unter dem Dach. Ebenso hilfreich, wenn Eigentümer kahle Flächen bepflanzen - etwa die Außenfassade, das Dach oder den freien Platz um das Haus herum. Die Begrünung ist gut für das Klima - und sie schützt davor, dass die Flächen zu Hitzeinseln werden, erklärt die Verbraucherzentrale NRW. Pflanzen können die Umgebungstemperatur durch Verdunstung kühlen. Größere Pflanzen können zudem für Schatten sorgen.
  • Haben Arbeitnehmer ein Recht auf Hitzefrei? „Nein“, sagt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin. „Es gibt derzeit keine denkbare Außentemperatur, die so hoch wäre, dass pauschal der Arbeitnehmer die Arbeit verweigern dürfte.“ Entscheidend sei letztlich immer die konkrete Temperatur am Arbeitsplatz.Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen dem Fachanwalt zufolge aber nicht bei jeder Temperatur und unter jeder Bedingung arbeiten. „Wann die Arbeitspflicht entfällt, hängt auch mit der Frage zusammen, wie die konkrete Konstitution des einzelnen Arbeitnehmers ist“, so Bredereck. Hier müsse der Arbeitgeber etwa auf ältere Arbeitnehmer, Arbeitnehmer mit Vorerkrankungen oder Arbeitnehmer mit einer Behinderung im Rahmen der Fürsorgepflicht anders Rücksicht nehmen als auf weniger gefährdete Arbeitnehmer. „Das macht es im Einzelfall für Arbeitnehmer sehr schwer festzustellen, wann noch eine Arbeitspflicht besteht und wann nicht.“ Einfach die Arbeit zu verweigern, ist jedoch keine gute Idee, denn Beschäftigte können eine Abmahnung oder gar eine Kündigung riskieren. Bredereck empfiehlt den Arbeitgeber zunächst an seine Pflichten zur Gestaltung des Arbeitsplatzes zu erinnern, die zum Beispiel in der Arbeitsstättenregel festgelegt sind. Dabei kann auch der Betriebsrat helfen. Wer aufgrund der Temperaturen an seinem Arbeitsplatz gesundheitliche Beeinträchtigung erleidet, sollte zum Arzt gehen. Womöglich besteht unter den gegebenen Bedingungen eine Arbeitsunfähigkeit.
  • Wie warm darf es denn nun am Arbeitsplatz sein? Konkrete Temperaturvorgaben ergeben sich aus der Arbeitsstättenregel, die auch Vorgaben zur Raumtemperatur enthält. Der Arbeitgeber hat laut Bredereck zunächst Vorkehrungen gegen übermäßige Sonneneinstrahlung zu treffen. Zusätzlich muss er ab einer Innenraumtemperatur von über 26 Grad Celsius Bauteile mit geeigneten Sonnenschutzsystemen ausrüsten. Ist es drinnen trotzdem wärmer als 26 Grad, müsse der Arbeitgeber zusätzliche Maßnahmen ergreifen, wenn das Arbeiten zu einer Gesundheitsgefährdung führt, zum Beispiel bei schweren körperlichen Arbeiten oder weil die Arbeitnehmer gesundheitlich vorbelastet oder besonders schutzbedürftig sind. „Hierzu hat der Arbeitgeber seine Gefährdungsbeurteilung anzupassen“, so der Fachanwalt. Ab einer Temperatur von 30 Grad muss der Arbeitgeber weitere wirksame Maßnahmen ergreifen, wie zum Beispiel Lockerungen der Bekleidungsregeln oder die Installation von Lüftungseinrichtungen. „Technische und organisatorische Maßnahmen haben Vorrang vor personenbezogenen Maßnahmen“, erklärt Bredereck. „Also zunächst Lüftung, dann Lockerung der Bekleidungsregelung.“ Ab einer Temperatur von 35 Grad dürfen Innenräume laut Bredereck dann nur noch unter sehr strengen Voraussetzungen als Arbeitsräume genutzt werden.
  • Wie streng dürfen Kleidervorschriften bei hohen Temperaturen sein? „Soweit der Arbeitgeber ein nachvollziehbares Interesse an einer bestimmten Bekleidung des Arbeitnehmers hat oder dieses sogar arbeitsvertraglich geregelt ist, entfällt das Interesse nicht pauschal ab einer bestimmten Temperatur“, stellt Bredereck klar. Der Arbeitgeber ist allerdings verpflichtet, Vorsorge am Arbeitsplatz zu treffen. „Gelingt ihm dies, zum Beispiel durch eine Klimaanlage, bleiben auch die Kleidervorschriften im vollen Umfang bestehen.“ Gelingt ihm das nicht, kann dann die Lockerung der Kleidervorschriften eine Maßnahme sein. „Grenze ist hier immer auch die etwaige Belästigung der übrigen Arbeitnehmer durch zum Beispiel allzu freizügige Kleidung“, sagt Bredereck.

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(dpa)