Haus, gut verpackt Dämmung von Bestandsgebäuden

Vieldiskutiert, oft sinnvoll: die Dämmung des Hauses. Dabei geht es zum überwiegendem Teil um ältere Häuser, die oft gar nicht oder unzureichend gedämmt sind.

Dämmung von Bestandsgebäuden
Foto: picture alliance/dpa/dpa-tmn/Klaus-Dietmar Gabbert

Das Haus dämmen: Darüber wird engagiert diskutiert. Christian Handwerk, Referent für energetisches Bauen bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, rät, zunächst einmal zu unterscheiden zwischen neu gebauten Häusern und älteren Immobilien.

Aus Sicht der Fachleute geht es vor allem um Bestandsgebäude: „Unser Problem ist da größer als beim Neubausektor.“

Die Deutsche Energieagentur Dena hat die Zahlen: Rund 22 Millionen Gebäude stehen demnach für 35 Prozent des deutschen Energieverbrauchs. Etwa drei Viertel des Bestands wurde vor 1979 errichtet, ohne Vorgaben für den Wärmeschutz.

„Energetische Sanierungen bieten enormes Potenzial“

Alte Gebäude brauchen laut Dena unsaniert für Raumwärme und Warmwasser das Drei- bis Fünffache von dem, was heute technisch möglich. „Energetische Sanierungen bieten damit ein enormes Potenzial, um unseren Energieverbrauch zu reduzieren“, bekräftigt die Energieagentur.

Sinnvolles Dämmen nutzt auch dem Geldbeutel.“ Um EH55 zu erreichen, brauche ein älteres Haus zum Beispiel eine Fassadendämmung von 16 bis 18 Zentimetern. Diese Investition amortisiere sich bei einem Energiepreis von 14 Cent je Kilowattstunde binnen zwölf Jahren. Die Lebensdauer der Dämmung sei jedoch länger, vielleicht 40 Jahre. Blickt man auf diese Spanne, rechne sich sogar eine noch dickere Dämmung, meint Handwerk. Dies erhalte den Wert der Immobilie - ungedämmte Gebäude würden in Zukunft schwerer verkäuflich.

Der Experte widerspricht auch Bedenken, dass der CO2-Ausstoß bei der Herstellung der Dämmstoffe den Nutzen infrage stelle. „Das ist wirklich Quatsch.“ Die Dämmung spare viel mehr Emissionen, als die Produktion verursache - um einen Faktor 15 bis 20, sagt Handwerk. So stellt es auch ein Gutachten des Forschungsinstituts für Wärmeschutz dar, das allerdings die Industrie selbst in Auftrag gegeben hat. Wer sich für eine Dämmung entscheidet, braucht zunächst Informationen. Wie geht man vor? Denn ohne fachlichen Rat von einem Energieberater oder erfahrenen Profis wird es nicht gehen. „Die Dämmarbeiten selbst sind nicht schwer, aber die Planung und Vorbereitung sowie die Auswahl der passenden Materialien haben es in sich“, sagt Holger Schmidt vom Bauherren-Schutzbund in Berlin.„Wer eine ungedämmte Altbauwand mit einer zehn Zentimeter dicken Dämmschicht saniert, senkt den Wärmedurchgang (U-Wert) der Wand um mehr als 85 Prozent“, sagt Hans-Joachim Riechers vom Verband für Dämmsysteme, Putz und Mörtel.

Details im Blick: Rolllädenkästen dämmen Insgesamt gilt, nicht zu dünn zu dämmen – das kann ein Sparen an der falschen Stelle sein. Ein vernünftiges mittleres Maß liegt laut Riechers bei üblichen Dämmstoffen und Wandaufbauten wohl zwischen 14 und 20 Zentimetern Dicke.

Daher ist gerade bei der Dämmung des Daches große Sorgfalt angesagt, sie muss lückenlos sein.

Außerdem ist in vielen Fällen eine sogenannte Dampfsperre oder -bremse wichtig, die verhindert, dass Feuchtigkeit von außen eindringt. „Dazu wird der Dachstuhl oberhalb der Dachsparren komplett mit Folie abgeklebt“, erklärt Heimwerker-Trainer Michael Pannhausen. Auch das spart Energie. Doch vielleicht kann oder muss man ja nicht gleich das ganz große Rad drehen. Energiekosten lassen sich zum Beispiel auch schon mit vergleichsweise kleineren Maßnahmen wie neuen Fensterdichtungen senken.

Oder etwa, indem man alte Rollladenkästen dämmt. Sie sind nämlich häufig Schwachstellen am Gebäude, aus denen wertvolle Heizungswärme entweichen kann. „Eine Dämmung lohnt sich: Jeder Quadratmeter bringt bis zu 15 Euro Einsparung pro Jahr“, so Stefan Materne vom Verbraucherzentrale Bundesverband.

Man nimmt entweder flexible Dämmplatten, die in den Kasten eingepasst und dort fixiert werden. Oder Hochleistungsdämmplatten aus Polyurethan oder Phenolharz, da sie eine geringere Wärmeleitfähigkeit besitzen. Materne rät zu Letzterem. dpa-tmn

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