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Zahl der Krankenhäuser schrumpft

Zahl der Krankenhäuser schrumpft

Experte Jürgen Wasem: Es droht aber kein Qualitätsverlust.

Herr Professor Wasem, die Krankenhäuser klagen über mangelnde Investitionen und wachsende Finanzlöcher. Wie viele der rund 2100 Kliniken werden die kommenden Jahre überstehen?

Wasem: Es wird eine Schrumpfung geben. Aber das ist nicht tragisch. Im internationalen Vergleich haben wir Überkapazitäten. Bei der Bettenzahl sind wir Spitzenreiter. Wir nähern uns nur dem internationalen Niveau an. Es wird eine stärkere Zentralisierung geben, auch weil nicht überall alles gemacht werden kann.

Wasem: Nach Schätzungen werden 20 bis 30 Prozent betroffen sein. Wenn es 20 Prozent sind, liegen wir auf europäischem Niveau. Das können wir verkraften.

Wasem: Nein, die Qualität wird vielmehr besser, weil dann an den einzelnen Kliniken die Fallzahlen bei den Eingriffen steigen.

Wasem: In der Schweiz gibt es gemessen an der Einwohnerzahl deutlich weniger Betten als in Deutschland und keine längeren Wartezeiten. Das hat auch etwas damit zu tun, wie man den stationären mit dem ambulanten Bereich verzahnt.

Wasem: Große Krankenhäuser werden diesen Prozess eher überleben als die kleineren.

Wasem: Die Politik wird sich Gedanken über neue Modelle machen müssen, um auch weiterhin die Versorgung in der Fläche aufrechterhalten zu können. Auch heute sind schon die Grenzen zwischen dem ambulanten und dem stationären Bereich fließend. Der ambulante Bereich wird in Zukunft noch verstärkt werden.

Wasem: Zunächst einmal muss man sagen, warum es den öffentlichen Kliniken schlechter geht: Weil die Bundesländer seit Jahren nicht ihrer Verpflichtung nachkommen, ausreichend Geld für Investitionen bereit zu stellen. Zwischen 1994 und heute ist die Summe um rund ein Viertel zurückgefahren worden - obwohl die Kosten der Häuser steigen. Real lagen die Einbußen daher bei rund 40 Prozent. Natürlich werden da Kliniken privatisiert, zumal die Unternehmen neue Investitionen beispielsweise in den OP-Bereich versprechen. Wird hier nicht gegengesteuert, wird sich der Trend fortsetzen. Im übrigen ist das Management in den öffentlichen Kliniken weniger flexibel, weil es stärker am Gängelband der Politik hängt.

Wasem: Vor zehn, 15 Jahren war ich skeptisch. Heute sage ich: Wenn es so wäre, würden wir das heute bereits sehen.