Weinkauf online: Probierpaket erleichtert Einstieg

Weinkauf online: Probierpaket erleichtert Einstieg

Mainz (dpa/tmn) - Wein ist Kulturgut, ein Symbol von Stil und Lebensart. Jahrzehntelang galt: Wer auf sich hält, kostet und kauft beim Winzer. Doch die Zeiten ändern sich, Weinkauf im Internet ist angesagt.

Auch da Kunden können mit etwas Geschick einen guten Griff tun.

Kaum ein Winzer kommt nach den Beobachtungen des Deutschen Weininstituts in Mainz ohne Online-Präsenz aus. „Online“ heißt: Kunden können mindestens per Mail bestellen oder sich - noch besser - zunächst im Internetauftritt des Guts über Angebot und Anbaumethoden informieren. Weil der Kunde anders als nach einem Probeschluck oft nicht weiß, wie es schmeckt, bieten Winzer Einsteigern oft Probierpakete an. „Rot, Weiß, Sekt, dreimal eine oder dreimal zwei Flaschen“, beschreibt Ernst Büscher vom Weininstitut den typischen Inhalt.

Der Vertrieb über das Netz macht derzeit nur ein Prozent des Branchenumsatzes aus. Das Geld bringen überwiegend Männer jenseits der 40: Sie klicken einer Untersuchung zufolge besonders gerne auf Online-Weinangebote. Der Kreis der Interessenten wird nach Einschätzung von Tom Drieseberg, Geschäftsführer des Weinguts Wegeler im Rheingau, wachsen, weil mit dem Internet das elitäre Image des Weins schwindet. Die Hemmschwelle sinkt, sagt er: „Es wird einfacher für Menschen, die sich bisher nicht mit Wein beschäftigt haben.“

Anstelle einer Weinprobe plus Fachsimpelei füllt der Konsument daheim am Bildschirm ein Formular aus und schickt es ab. Beim Sortiment hat der Kunde die Wahl zwischen Angeboten von Winzern, Fach- und Internethändlern sowie Auktionshäusern. Selbst einige Tageszeitungen bieten Flaschen in ihren Onlineshops an. Die Tropfen werden direkt ins Haus geliefert. „Egal, wo ich kaufe, Hauptsache sie kommen an“, beschreibt Drieseberg die Motivation computeraffinen Kundschaft.

Eine Garantie, die empfindliche Ware unversehrt in Empfang zu nehmen, hat der Verbraucher nicht. „Ein guter Weinhändler wird aber so verpacken, dass der Wein heil ankommt“, sagt Melanie Panitzke aus Köln, Gewinnerin des Sommelier-Cup 2010. Es gebe Spezialkartons, die wie eine Versicherung wirkten. Die Pflicht, eine zerbrochene Flasche zu ersetzen, liege in solchen Fällen beim Verkäufer. Aus eigener Erfahrung rät Panitzke, auf Auktionsplattformen das Kleingedruckte zu lesen. „Es gibt eine Klausel, dass man für versicherten Transport mehr bezahlen muss als für unversicherten.“

Der Versand beeinflusst die Qualität üblicherweise nicht. Die Logistikkette sei dank moderner Datenverarbeitung inzwischen so kurz, dass die Ware häufig „direkt aus dem Keller kommt“. Negative Einflussfaktoren - eventuell lange Lagerzeit beim Weinhändler, viel Bewegung - entfallen. Der Verbraucher kann seinen Einkauf in der Regel noch am Empfangstag genießen. Junger Wein sollte lediglich einige Stunden ruhen, bevor er eingeschenkt wird. So ist gewährleistet, dass die Gärungskohlensäure sich verflüchtigt, die den Wein sonst wie Sprudel aus der Flasche treiben würde. Gereiftem Wein lässt Melanie Panitzke ein paar Tage Zeit, damit frei schwebende Teilchen vor dem Dekantieren auf den Flaschenboden sinken können.

Die auf Auktionsplattformen eingestellten Weinangebote von Privatleuten sehen Experten hinsichtlich Qualität und Seriosität skeptisch. „Man nicht weiß, ob drin ist, was drauf steht.“ Vorsichtshalber sollten Käufer bei als kostengünstig angepriesenen Raritäten misstrauisch sein. Außerdem sei unklar, ob ein Tropfen richtig gelagert wurde. Wer Pech hat, ersteht Untrinkbares. Einen Privatmann oder Händler in irgendeiner abgelegenen Regionen dieser Welt in Regress zu nehmen, dürfte schwierig werden. Grundsätzlich haben Verbraucher jedoch ein Reklamationsrecht. Zum Beispiel, wenn der erhoffte gute Schluck einen Korkfehler hat. Flasche zurückschicken, lautet dann die Empfehlung.

Zum Einstieg in die Weinwelt können Neulinge im Internet nicht nur bestellen, sondern sich zuvor auch einen ersten Überblick zu Feinheiten verschaffen. Das kann ärgerlichen Fehlkäufen vorbeugen. So sind es kleine, aber teure Unterschiede, ob ein französisches Gewächs als „Domaine“ oder als „Maison“-Handelsware offeriert wird.

Melanie Panitzke hält Online-Weinkäufe eher für eine Sache von Leuten, die sich etwas auskennen. Weniger fachkundige Verbraucher seien zunächst bei einem Händler besser aufgehoben, der Fragen beantwortet und berät. Der Klick auf das Online-Bestellformular des Geschäfts wäre dann der nächste Schritt. Die meisten Kunden ordern Tom Drieseberg zufolge ohnehin erst, nachdem sie einen Wein woanders probiert haben: im Restaurant, bei Freunden oder beim Winzer. Ein kleiner Teil kauft weniger nach persönlicher Vorliebe denn nach imagefördernder Marke und Etikett.

Service:

Staudt, Wolfgang: 50 deutsche Weine, die Sie kennen sollten, Westend, 256 S., 14,95 Euro, ISBN-13 9783938060421

Eichelmann, Gerhard: Deutschlands Weine 2011, Mondo, 1080 S., 29,95 Euro, ISBN-13 9783938839096

Mehr von Westdeutsche Zeitung