So macht Kindern Wandern Spaß

Wer seinen Nachwuchs für diese Sportart begeistern möchte, sollte einfach auch mal abseits der Strecke laufen.

<strong>Düsseldorf. Rechnet man die Länge aller Wanderwege Deutschlands zusammen, bekommt man das unglaubliche Ergebnis von 400 000 Kilometern - das entspricht etwa der Strecke, wenn man zehnmal die Erde umrundet. Dass es so viele Routen gibt, ist kein Wunder, denn der Wandermarkt boomt. Allein in Deutschland bekennen sich 39 Millionen zu dem Outdoor-Sport. Nur bei einer Bevölkerungsgruppe ist diese Art der Fortbewegung verschrien und vollkommen out - bei den Jugendlichen. Das bestätigt eine Studie des Natursoziologen Rainer Brämer von der Universität Marburg. Er hat 987 Schüler im Alter von 12 bis 15 Jahren befragt. 49 Prozent der Jugendlichen gaben an, dass sie ungern wandern. Nach den Gründen gefragt, sagen die meisten, dass sie die Strecken als zu lang und das Tempo als zu schnell empfinden. Zudem finden viele die Wanderungen schlichtweg langweilig. Noch mehr wurmt die Jugendlichen allerdings die ständige Belehrung durch die Erwachsenen. Für 63 Prozent kommt Wandern deshalb nicht in Frage. Ein Kriterium, dass auch gegen die Outdoor-Sportart spricht, ist der schlechte Handyempfang. Medien wie PC, Mobiltelefon und Fernsehen bestimmen den Alltag der Kinder. Doch das muss laut Brämer nicht sein.

Den Blickwinkel der Kinder beachten

"Wer seinem Kind die Schönheit der Natur trotzdem auf diese Weise nahe bringen möchte, muss Routen aus dem Blickwinkel des Nachwuchses betrachten. Kinder wandern ganz anders als Erwachsene", meint Rainer Brämer. Man müsse es den Kindern einfach besser verkaufen. "Denn die Ergebnisse der Studie haben auch ergeben, dass das Interesse an der Natur und daran, die Freizeit im Freien zu verbringen, vorhanden ist", so der Natursoziologe. So haben 50 Prozent der Befragten Lust, unbekannte Landschaften zu entdecken, 60 Prozent würden gerne quer durch den Wald gehen, 66 Prozent ein Abenteuer erleben und 86 Prozent wollen sich frei bewegen.

Man muss folglich das feste Streckennetz für Kinder aufbrechen. Warum nicht einmal Querfeldein gehen oder durch einen Bach marschieren? Zudem sollte man genügend Pausen einlegen und das Tempo dem Kind anpassen. Und: Man sollte den Jugendlichen auch die Möglichkeit geben, gemeinsam mit Altersgenossen ein Gebiet zu erkunden. Das macht ihnen laut der Studie nämlich am meisten Spaß.

Auch die Behörden müssten ihre Regeln aufweichen, meint Brämer. "Es gibt für Kinder nichts Schöneres, als ein Lagerfeuer oder eine Nachtwanderung, aber wenn man erst fünf Formulare ausfüllen muss, verliert der Erwachsene schnell die Lust, so etwas zu organisieren." Und auch in den Schulen müsse wieder mehr auf dem Gebiet getan werden. "Klassen können acht Wandertage im Schuljahr beantragen, im Schnitt wandern die Klassen aber nur 0,8 mal", so der Wissenschaftler. Die Verbände dagegen bieten schon Touren extra für Kinder an.

Wer noch mehr Informationen rund um das Thema Wandern benötigt, kann vom 31.8 bis 2.9. 2007 die Wander- und Trekkingmesse "Tour Natur" besuchen. Dort präsentieren 250 Aussteller in der Halle vier die neusten Material-Trends, Reisen in die ganze Welt und Sportneuheiten. Eine Tageskarte kostet 11 Euro, Schüler und Studenten zahlen 7,50 Euro, Kinder von 6 bis 12 Jahren 4 Euro.

Adlerweg Die Hauptroute des Tiroler Leitweges ist 280 Kilometer lang und führt von St. Johann in Tirol in 23 Etappen bis hinauf nach St. Anton am Arlberg. Seit der Fertigstellung der Regionalrouten in den südlichen Tälern des Inntals, kann man auf dem Adlerweg theoretisch in 126 Tagesetappen 1480 Kilometer zurücklegen. Vom einfachen Talweg bis zur alpinen Etappe, es ist für jeden Wanderer etwas dabei. Die Routen zeigen den jeweiligen Schwierigkeitsgrad an.

Salzburger Almenweg Auf einer Strecke von insgesamt 350 Kilometern führt der Salzburger Almenweg in insgesamt 31 Etappen vorbei an 120 Almen durch die Pontgauer Bergwelt. Während der Route bietet sich einem ein schönes Bergpanorama und man sieht den Dachstein, Tennengebirge, Hochkönig und die Dreitausender des Hohen Tauern. Der Weg ist mit Enziansymbolen gekennzeichnet.

Alpanonnia Der 104 Kilometer lange Hauptweg des Alpanonnias durchmisst drei österreichische Bundesländer und führt im Naturpark Griebenstein über die Staatsgrenze nach Ungarn. Von den letzten Gipfeln der Ostalpen bis zu den Weingärten bei Köszeg verbindet er die verschiedensten landschaftlichen Zonen des alpinen und pannonischen Raumes. Es gibt leichte und mittlere Routen. Die Tour eignet sich für Familien. Entlang des Weges gibt es viele Aussichtsstellen.

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