Neues Logo im Laden: Was das „Fenster“ fürs Regionale bedeutet

Neues Logo im Laden: Was das „Fenster“ fürs Regionale bedeutet

Berlin (dpa) - Viele Lebensmittel locken mit dem Reiz des Regionalen. Was Wappen und Medaillen auf der Packung genau garantieren, ist aber oft nicht recht durchschaubar. Jetzt kommt ein neues Erklär-Logo in die ersten Läden.

Rahmjoghurt, Schinkengulasch oder Snacktomaten: Beim Einkauf legen immer mehr Kunden Wert darauf, dass Produkte aus ihrer Heimat kommen. Was die Werbung als „regional“ anpreist, ist aber oft nicht ganz klar: Kommen zum Beispiel das Fleisch, die Milch oder sogar alle Zutaten aus einer bestimmten Gegend? Verbraucherschützer kritisieren Mogeleien bei manchen Etiketten. Mehr Klarheit schaffen soll ein neues hellblau-weißes Logo, das jetzt nach einer Testphase auf breiterer Front in den Handel kommt. Der Name: „Regionalfenster“.

Was soll das neue Kennzeichen bringen?

Auf vielen Verpackungen gibt es schon Etiketten, die Regionalität verbürgen sollen. Solche Marken heißen oft allgemein „Von hier“ oder „Unsere Heimat“. Auch Bundesländer vergeben Regionalsiegel. Nur können die je nach Land bedeuten, dass 100 Prozent der Hauptzutat aus dem Gebiet stammen - oder auch nur mehr als 50 Prozent. Das neue Logo soll nun einen einheitlichen Standard setzen. „Der Verbraucher muss sicher sein können, dass ein Produkt zu Recht mit regionaler Herkunft wirbt“, heißt es im Bundesernährungsministerium.

Welche Informationen enthält das „Regionalfenster“?

In dem Info-Feld auf der Packung können Kunden ablesen, woher die wichtigsten Zutaten stammen und wo sie verarbeitet wurden. Die Region muss kleiner sein als Deutschland. Möglich sind ein Bundesland, ein Landkreis, aber auch Umschreibungen wie „100 Kilometer um Fulda“ oder „aus der Eifel“. Die erste Hauptzutat muss zu 100 Prozent aus der Region stammen, genau wie die „wertgebenden Zutaten“ - zum Beispiel Erdbeeren in Erdbeerjoghurt. Bei zusammengesetzten Produkten wird die Gesamtsumme aller regionalen Rohstoffe in Prozent angegeben. Auf dem Etikett eines Landrauchschinkens könnte also stehen: „Schweine zu 100 % aus Baden-Württemberg“ und „hergestellt in 78176 Blumberg“.

Was sagt der Handel dazu?

Nach einem Testlauf in 20 ausgewählten Läden soll das neue Logo in diesem Jahr in größerem Stil auf den Markt kommen. Der Discounter Lidl startete bereits in seinen rund 500 bayerischen Märkten, die für ein Fünftel des bundesweiten Filialnetzes stehen. Das Regionalfenster prangt ergänzend auf Milch-, Wurst- und Fleischartikeln der Marke „Ein gutes Stück Heimat“. Edeka plant die Einführung in den nächsten Wochen ebenfalls als Zusatzdeklaration zu einer eigenen Regionalmarke unter anderem für Obst und Gemüse, Eier, Säfte sowie Suppen - und zwar zunächst im Südwesten, in Hessen und in Norddeutschland. Die Ketten Rewe und Netto wollen „im Laufe des Jahres“ einsteigen.

Wie geht es weiter?

Das Ministerium erwartet, dass zahlreiche Artikel folgen. Mit dem Start der heimischen Obst- und Gemüseernte könnten weitere Produkte von Prüfstellen zertifiziert werden und dann das „Regionalfenster“ bekommen. Ob es sich bei den Kunden durchsetzt, muss sich zeigen. Verbraucherschützer monieren, dass die Verwendung für die Hersteller freiwillig ist. Nötig sei eine gesetzliche Definition, wann eine Regionalkennzeichnung erlaubt ist. Für den Handel dürfte zählen, ob das Logo den Kaufanreiz erhöht. Im Test verbuchte laut Ministerium knapp die Hälfte der Märkte Umsatzsteigerungen bei Regionalprodukten.

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