Hautkrebs: Vorsorge kostet nichts

Hautkrebs: Vorsorge kostet nichts

Ab dem 1. Juli übernehmen die Krankenkassen die Kosten für das Screening. Vorher musste der Patient selbst zahlen.

Düsseldorf. Ein vorbildliches Angebot stottert ein wenig beim Start: Das neue kostenfreie Hautkrebs-Screening, das ab 1. Juli 2008 Kassenleistung wird, kann möglicherweise nicht von Beginn an problemlos über Chipkarte abgerechnet werden. Denn die Verhandlungen zwischen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung KBV und den Spitzenverbänden der Krankenkassen sind noch nicht abgeschlossen. Streitpunkt ist das Honorar, das die beteiligten Hautärzte und Hausärzte für die Untersuchung bekommen.

Falls sich KBV und Krankenkassen bis 1. Juli nicht einig sind, müssten Patienten für die Zeit bis zu einer Einigung in Vorkasse treten. "Der Patient bekommt dann vom Arzt eine Rechnung, die er bei der Krankenkasse einreichen muss", erklärt Roland Stahl, Sprecher der KBV in Berlin. Sein Tipp: Wer direkt Anfang Juli zur Hautkrebsvorsorge gehen möchte, sollte sich vorher bei seiner Krankenkasse erkundigen, ob die Kosten übernommen werden.

Dass das neue Hautkrebs-Screening zum 1. Juli 2008 eingeführt wird, ist jedoch beschlossen. Bundesweit können gesetzlich Krankenversicherte ab dem 35. Lebensjahr dann alle zwei Jahre eine kostenlose Hautkrebs-Vorsorgeuntersuchung in Anspruch nehmen. Dabei wird die komplette Haut vom Kopf bis zu den Fußsohlen untersucht.

Zum Screening gehört auch eine Beratung zum Schutz vor Hautkrebs und über weitere Krebsvorsorgeuntersuchungen. Angeboten wird das Screening von speziell geschulten Hautärzten (Dermatologen) und Hausärzten. 10 000 der insgesamt 45 000 Hausärzte sind bereits qualifiziert. "Bis zum Ende des Jahres sollen 60 Prozent der berechtigten Ärzte für das Screening fortgebildet werden", erklärt Dietmar Sturm, Vorsitzender des Instituts für hausärztliche Fortbildung im Deutschen Hausärzteverband.

"Dieses Vorsorge-Angebot ist weltweit einmalig", sagt Michael Reusch, Präsident des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen (BVDD). Auch Roland Stahl von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung lobt das Screening: "Es wird oft beklagt, die Versorgung in der Gesetzlichen Krankenversicherung sei so schlecht. Aber an solchen Neuerungen sieht man, dass der Standard in Deutschland sehr hoch ist."

Etwa 140 000 Menschen in Deutschland erkranken jedes Jahr an Hautkrebs, etwa 3000 sterben pro Jahr an den Folgen. Damit hat sich die jährliche Neuerkrankungsrate seit 1980 fast versechsfacht.

Dass die Ärzte und die Krankenkassen so hart um das Honorar ringen, liegt an den Strukturreformen im Gesundheitswesen. Die Ärzte möchten eine neue, zusätzliche Leistung bei der allgemein angespannten Finanzlage angemessen vergütet haben, die Kassen dagegen möchten kurz vor dem Start des Gesundheitsfonds möglichst wenig Geld für neue Leistungen ausgeben. Je nach Aufwand kostet eine Hautkrebs-Vorsorge-Untersuchung bislang zwischen 20 und 80 Euro.