Eine Demenz erkennen in der Regel die Angehörigen

Düsseldorf (dpa/tmn) - Dass jemand an Demenz erkrankt ist, stellen in der Regel die Angehörigen fest. „Demenz macht keine Schmerzen, es ist ein unmerklicher Beginn“, sagt Psychiater Martin Haupt von der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie.

Auffällig sei zum Beispiel, wenn das Vergessen mehr als nur „Zerstreutheit“ umfasse - der Betroffene vergisst Verabredungen und Absprachen völlig oder lässt extrem viele Dinge liegen, erklärt der in Düsseldorf niedergelassene Fachmann. In der Regel sollten Angehörige solche Beobachtungen ein halbes Jahr lang gemacht haben, bevor sie dem Betroffenen einen Besuch beim Neurologen oder Psychiater nahelegen. Aus einem am Dienstag (30. November) in Berlin veröffentlichten Pflegereport 2010 der Krankenkasse Barmer GEK geht hervor, dass mehr als jeder dritte Bundesbürger im Laufe seines Lebens dement wird und Pflege braucht. Schnelles Handeln empfiehlt Haupt, wenn Symptome wie örtliche Orientierungslosigkeit, nachlassende Konzentration oder schwindendes räumliches Vorstellungsvermögen innerhalb von drei bis vier Monaten sehr ausgeprägt sind.

„Gedächtnisverlust ist nur ein Symptom von Demenz“, betonte Haupt allerdings. Es sei neben einer Störung der räumlichen Orientierung und der Fähigkeit, Dinge benennen zu können, Hauptanzeichen für die am weitesten verbreitete Alzheimer-Erkrankung. Eine Stirnhirndemenz dagegen mache sich zunächst nicht durch eine Gedächtnisstörung bemerkbar. Häufig gehe sie mit einer beginnenden Erkrankung zunächst eine „unerklärliche Wesensveränderung“ einher. Betroffene zeigten auf einmal kein Mitgefühl und kein Einfühlungsvermögen mehr, seien lustlos und apathisch. Auch reagierten sie gereizt auf Kritik an ihrem Verhalten und dächten nur an sich.

Eine Demenz kann zwar unabhängig vom Alter auftreten, beginnt Haupt zufolge aber meist zwischen dem 50. und 55. Lebensjahr. Am häufigsten werde sie jenseits des 70. Lebensjahr beobachtet. Dass jede zweite Frau, aber nur jeder dritte Mann dem Barmer-GEK-Report zufolge irgendwann betroffen sein wird, erklärte der Experte mit der höheren Lebenserwartung von Frauen.

Nicht alle Demenzerkrankungen sind unumkehrbare, degenerative Verläufe, betonte Haupt. „Es gibt auch heilbare Demenzprozesse.“ Deshalb sei es wichtig, beim ersten Arztbesuch auch abzuklären, ob die Hirnleistungsstörung nicht zum Beispiel auf Medikamenten beruht. Eine einmalig vorgenomme Kernspin- oder Computertomografie des Hirns helfe außerdem, andere heilbare Ursachen wie einen operablen Tumor oder eine Gefäßstörung auszuschließen.

Service:

Die Broschüre „Helferinnen in der häuslichen Betreuung von Demenzkranken“ kann für vier Euro bei der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, Friedrichstraße 236, 10969 Berlin, Telefon +49 30 25937950, , bestellt werden.

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