Die Zecken-Gefahr lauert im Gras

Wer nach Süddeutschland reist, sollte sich Experten zufolge impfen lassen.

Düsseldorf. Es gibt 850 Zeckenarten - und die haben es in sich. Sie können Blut bis zum 200-fachen ihres Gewichts aufnehmen und mit Nahrungsmengen, die sie mit einem Mal aufgenommen haben, jahrelang überleben. "Selbst Hungerperioden von bis zu zehn Jahren können Zecken überdauern", berichtet Professor Heinz Mehlhorn vom Institut für Zoologie und Parasitologie der Universität Düsseldorf.

Da Zecken zudem viele Krankheitserreger übertragen, sind sie für den Menschen gefährlich. Im Darm oder in den Speicheldrüsen der Tiere können Bakterien oder Viren sitzen, die bei einem Stich in den Körper des Wirts gelangen. Sie können zu Erkrankungen wie Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) führen, die von verschiedenen Erregern hervorgerufen werden.

Bei etwa jedem 30. Stich besteht laut dem Borreliose- und FSME-Bund Deutschland ein Infektionsrisiko - am häufigsten für die sogenannte Lyme-Borreliose. Gegen diese in ganz Deutschland vorkommende Krankheit, die zu Entzündungen der Muskeln und Gelenke führen kann, gibt es keinen Impfstoff.

Gegen die örtlich begrenzte und seltenere FSME kann man sich hingegen impfen lassen. "Jeder, der in Risikogebieten Urlaub macht oder dort arbeitet, sollte das auch tun", rät Ute Fischer vom Borreliose- und FSME-Bund. "Impfstoffe gibt es bereits für Kinder ab einem Jahr."

Das Robert-Koch-Institut (RKI) zählt derzeit 136Landkreise zu den Risikogebieten. Dazu gehören Baden-Württemberg (42Landkreise), Bayern (78), Hessen (8), Thüringen (7) und Rheinland-Pfalz (1) (siehe Karte). In Europa sind zudem Teile der Schweiz, von Österreich, Tschechien, Polen, Ungarn und Russland betroffen.

Die Symptome einer FSME werden häufig mit einer Sommergrippe verwechselt. Müdigkeit, Kopf- und Halsschmerzen sowie Erbrechen sind anfangs typisch. Bei etwa zehn Prozent der Infizierten dringen die Erreger in einer möglichen zweiten Phase zudem ins Gehirn ein und lösen eine Hirn- und Hirnhautentzündung aus. Im schlimmsten Fall kann FSME zu Dauerschäden oder zum Tode führen.

Doch nur wenige Zecken sind mit dem FSME-Virus infiziert. Das RKI schätzt, dass 0,1 bis maximal fünf Prozent der Zecken Träger des Virus sind. Und nicht jeder Kontakt mit einer infizierten Zecke führt zur Übertragung des Virus. So ist auch die Zahl der Erkrankten in den vergangenen Jahren wieder zurückgegangen: von 546 Fällen in 2006 auf 289 Erkrankungen im vergangenen Jahr.

Wer sich impfen lässt, muss rechtzeitig mit der Immunisierung beginnen. Mehlhorn: "Die erste Impfung sollte bereits im Winter erfolgen, die zweite ein bis drei Monate später und die dritte wiederum etwa neun bis zwölf Monate danach." Wird ein schneller Schutz vor Reisen benötigt, werden zwei Impfungen innerhalb von zwei Wochen durchgeführt. Auffrischimpfungen sind in Abständen zwischen drei und fünf Jahren erforderlich.

Impfgegner kritisieren, dass viele Ärzte gar nicht oder nur unzureichend über mögliche Nebenwirkungen aufklären. Patienten sollten daher auch von sich aus auf eine Aufklärung Wert legen. Denn wie andere Impfungen birgt auch die FSME-Immunisierung gesundheitliche Risiken. "Häufig treten innerhalb der ersten vier Tage Fieber, Kopfschmerzen, Mattigkeit oder Magen-Darm-Beschwerden auf", berichtet Susanne Glasmacher vom RKI. In Einzelfällen wurden auch allergische Reaktionen und Erkrankungen des Nervensystems beobachtet.

Für Reisende und Arbeiter, die sich in Risikogebieten aufhalten, tragen die Krankenkassen die Impfkosten in Höhe von 100 Euro. Da NRW nicht zu den FSME-Risikogebieten zählt, ist eine Impfung hier nicht notwendig. Wegen der Borreliose-Gefahr sollten Personen, die sich viel im Freien aufhalten, dennoch hohes Gras meiden und den Körper auf Zecken absuchen.

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