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Diabetiker haben öfter Depressionen

Diabetiker haben öfter Depressionen

Mit der richtigen Therapie können 80 Prozent der Erkrankten geheilt werden.

Düsseldorf. Diagnose: Diabetes. Diese Botschaft zu verkraften fällt vielen Patienten zunächst schwer. Nie wieder richtig gesund zu sein, täglich Medikamente einnehmen und jede Mahlzeit auf die Krankheit abstimmen zu müssen - all das sind Faktoren, an die sich Diabetiker erst gewöhnen müssen. Häufig fallen Betroffene zudem in ein tiefes Loch und werden psychisch instabil. "Die Diagnose ist immer erst ein Schock und eine Herausforderung an die Person", sagt Dr. Christian Albus, Leiter der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie der Uniklinik Köln.

Er bringt mit der Zuckerkrankheit noch eine weitere Erkrankung in Zusammenhang: "Mit Diabetes gehen Schwankungen des Blutzuckerspiegels einher, die auch die Stimmung der Betroffenen beeinträchtigen. Das ist einer von vielen Gründen, weshalb Diabetiker häufiger depressive Symptome entwickeln." Genau genommen ist das Risiko, an einer Depression zu erkranken, bei Diabetikern doppelt so hoch.

Untersuchungen zeigen aber auch, dass das Auftreten einer Depression häufig mit einer schlechteren Stoffwechseleinstellung, mehr Komplikationen und einer deutlich reduzierten Lebensqualität verbunden ist. Besonders bei Menschen mit Folgeerkrankungen ist die Depressionsrate erhöht. Niedergeschlagenheit, Antriebsmangel, Schlafstörungen und Interesselosigkeit sind dann nicht selten.

Das kann fatale Folgen haben, wie Albus erläutert: "Depressive Symptome schränken nicht nur den Alltag ein, sondern erschweren auch die Kontrolle des Blutzuckers." Nicht zuletzt deshalb sind die Werte von depressiven Diabetikern schlechter als die von nicht depressiven. "Mit einer Depression fällt es ihnen auch noch schwerer, raus zu gehen und etwas für sich zu tun", sagt Albus. Übergewicht hat somit also leichtes Spiel.

Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen und die Patienten vor Folgeerkrankungen wie Beeinträchtigungen der Sehkraft, Nierenschädigung, Nervenschäden oder sogar Herzinfarkt zu bewahren, führt die Uniklinik Köln jetzt eine Studie durch. Dabei werden zwei Behandlungsformen verglichen: Ein zugelassenes, gut verträgliches antidepressives Medikament und eine speziell auf die Bedürfnisse von Diabetikern angepasste Verhaltenstherapie.

Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Diabetes-Depressions-Studie (DAD-Studie) verfolgt mehrere Ziele: "Die Depressionen der Betroffenen sollen gebessert oder geheilt und die durch Diabetes entstandenen Belastungen verringert werden, um die Lebensqualität zu erhöhen", sagt Albus, der auch Studienleiter für den Raum Düsseldorf/Köln ist.

Schließlich solle die Einstellung des Blutzuckers deutlich und anhaltend verbessert werden, um langfristigen Schäden und frühzeitigem Tod vorzubeugen. "Wir möchten mit diesem Angebot Diabetikern mit Depressionen eine Chance eröffnen, mit ihrer Krankheit besser zu leben", so der Mediziner.

Was viele nicht wissen: Mit der richtigen Therapieform können rund 80 Prozent der Erkrankten erfolgreich behandelt werden. Voraussetzung dafür ist jedoch eine frühzeitige Diagnosestellung, die richtige Therapie und die Bereitschaft des Patienten, sich auf die Behandlung einzulassen.