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Diabetes Typ 2: Können Betroffene eine Insulintherapie vermeiden?

Gesundheit :

Diabetes gilt als eine deutsche Volkskrankheit – und die Zahl der daran Erkrankten steigt weiter an.

Teilweise stecken genetische Veranlagung und eine Neigung zu Adipositas dahinter, teilweise ein ungesunder Lebensstil mit zu wenig Bewegung oder auch beides.

Die Krankheit zeigt sich insbesondere an einem chronisch erhöhten Blutzuckerspiegel. Dieser entsteht entweder, weil das lebenswichtige Hormon Insulin, das den Glukose-Stoffwechsel reguliert, als Folge einer Autoimmunreaktion in der Bauchspeicheldrüse nicht mehr zureichend produziert werden kann. In diesem Fall spricht man von Diabetes Typ 1. Bei Menschen, die von Diabetes Typ 2 betroffen sind, findet man stattdessen eine Insulinresistenz: Die Bauchspeicheldrüse produziert das Hormon zwar, die Körperzellen reagieren jedoch nicht darauf. Dann handelt es sich um einen „relativen“ anstelle eines „absoluten“ Insulinmangels.

Unbehandelt kann Diabetes schwerwiegende Folgen haben. Schlimmstenfalls kann es zu einer Entgleisung des Blutzuckerspiegels kommen, der in einem „diabetischen Koma“ endet. Auch die möglichen Spätschäden sind nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Glücklicherweise gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, gegen den Insulinmangel vorzugehen und dennoch ein langes und zufriedenes Leben zu führen. Menschen, die unter Diabetes Typ 1 leiden, kommen um die künstliche Zufuhr von Insulin leider nicht herum. Bei Typ 2 sieht es allerdings anders aus – hier kann man auch mit Tabletten behandeln oder auf andere Weise den Blutzuckerspiegel senken. Man geht davon aus, dass etwa die Hälfte der Typ-2-Diabetiker sogar ganz ohne Medikamente ihre Blutzuckerwerte verbessern können. Insbesondere regelmäßige Bewegung spielt dabei eine wichtige Rolle. Auch Gewichtsabnahme und eine Ernährungsumstellung können positive Auswirkungen haben.

Der Nutzen einer Insulin-Therapie sollte bei der Behandlung von Diabetes Typ 2 stets gut abgewogen werden. Sie kann nämlich auch zu unerwünschten Nebenwirkungen wie beispielsweise einer Gewichtszunahme führen, die es eigentlich zu vermeiden gilt. Durch das zusätzliche Insulin wird plötzlich der im Blut zirkulierende Zucker sehr gut verwertet, sodass der Körper ihn in der Folge als Fettdepot anlegt. Steigt jedoch das Körpergewicht, benötigt der Patient wiederum eine höhere Insulin-Dosis. Außerdem kann es zu einer Toleranzentwicklung kommen: Der Körper des Patienten gewöhnt sich an die künstliche Insulinzufuhr, sodass die Dosis sukzessive gesteigert werden muss.

Gleichzeitig kann aber auch eine unzureichende Therapie mit Tabletten gefährliche Herz-Kreislauf-Probleme nach sich ziehen. Sollten also alternative Behandlungsformen in ihrer Wirksamkeit nicht mehr ausreichen, ist eine Insulintherapie angezeigt – besser früher als später. Gibt es jedoch andere Möglichkeiten, gilt es, diese zunächst auszuschöpfen.

Zwischen der Behandlung durch Insulin und der reinen Lebensumstellung gibt es viele Zwischenschritte. So wurden verschiedene weitere Medikamente entwickelt, die sich in Studien teilweise sogar einer Insulin-Therapie als überlegen erwiesen haben. Insbesondere handelt es sich dabei um sogenannte GLP-1-Analoga, die die Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse begünstigen, oder um SGLT-2-Hemmer, die dafür sorgen, dass über den Urin mehr Zucker ausgeschieden wird. Eine gute medikamentöse Einstellung, viel Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und eine Reduzierung des Körpergewichts können den Diabetes Typ 2 in ein mildes Stadium zurückdrängen. Dadurch müssen Betroffene gar nicht oder erst deutlich später mit der Insulintherapie beginnen, wodurch mögliche Folgeschäden vermieden werden.