Face Taping Dermatologin: Social-Media-Trend kann Falten verstärken

Köln · Face Taping mit Kinesiotapes: Das ist ein Beauty-Trend, der zumindest in den Sozialen Medien häufig zu sehen ist. Doch das nächtliche Kleben gegen Falten birgt Risiken.

Klebt man besser nicht über Nacht auf die Gesichtshaut: Kinesiotapes.

Klebt man besser nicht über Nacht auf die Gesichtshaut: Kinesiotapes.

Foto: Christin Klose/dpa-tmn/dpa

Kleben statt cremen oder botoxen lassen: Face Taping soll, so versprechen es zahlreiche Anleitungen in den Sozialen Medien, Nasolabialfalten, Zornesfalten und andere Fältchen quasi im Schlaf glätten. Dafür werden meist Kinesiotapes, die sonst etwa bei Sportlern oder bei Rückenschmerzen zum Einsatz kommen, über Nacht strategisch ins Gesicht geklebt - und am Morgen wieder abgezogen. Doch kann das wirklich klappen? Lassen sich Falten mithilfe der elastischen Baumwollbänder mit Klebeschicht tatsächlich mildern?

Die Kölner Dermatologin Uta Schlossberger hat darauf eine klare Antwort: „Nein, das funktioniert definitiv nicht. Im Gegenteil. Es hat eher eine schädigende Wirkung.“

Die Idee hinter Face Taping klingt zwar zunächst einleuchtend: Bestimmte Gesichtsmuskeln sollen mithilfe der Kinesiotapes temporär stillgelegt, Falten, die etwa durch unterbewusstes Stirnrunzeln entstehen, so reduziert oder gar verhindert werden. „Das ist aber überhaupt nicht sinnvoll, weil die Muskeln dann anfangen, gegen diese Kraft des Tapes zu wirken“, sagt Schlossberger. „Das heißt, Sie verstärken damit eher die Falten, als dass Sie sie schwächen.“

Das wünscht sich wohl niemand. Und es gibt noch etwas, das laut der Dermatologin gegen das Face Taping spricht: mögliche Hautirritationen im Gesicht, etwa bei Menschen, die auf den Acrylkleber auf den Tapes allergisch reagieren. Das Problem: Verwendet man die Tapes über Nacht, bekommt man oft erst spät mit, dass die Haut mit Juckreiz und Rötungen reagiert.

Tapes nur für wenige Stunden nutzen

Ein weiteres Risiko: Beim Abmachen der Tapes kann man der empfindlichen Gesichtshaut Mikroverletzungen zufügen. Besonders dann ein Problem, wenn man - wie beim Face Taping vorgesehen - regelmäßig Tapes aufklebt. „Durch diese Mikroverletzungen ist die Hautbarriere gestört, die Hautflora kann sich ändern und es können sich Bakterien oder Viren vermehren“, sagt Uta Schlossberger. „Damit öffnet man Aknebakterien Tür und Tor.“

Als vorbeugendes Mittel gegen Falten eignen sich Tapes, die über Nacht auf die Haut geklebt werden, also denkbar schlecht. Was man Schlossberger zufolge aber zu besonderen Anlässen durchaus mal machen könne: durchsichtige Tapes für wenige Stunden nutzen, um etwa den Kinnbereich kurzfristig zu straffen. Oder um die Augenpartie optisch zu liften. Stichwort „Foxy Eyes“. „Für zwei bis drei Stunden ist das okay“, sagt die Dermatologin. Auch hier sollte man aber nicht zu häufig kleben - und schon gar nicht während man schläft.

© dpa-infocom, dpa:240419-99-729546/2

(dpa)
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