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Bei der Grill-Meisterschaft geht es nicht nur um die Wurst

Trends und Titel : Bei der Grill-Meisterschaft geht es nicht nur um die Wurst

Nach zwei Jahren Corona-Pause geht es in Fulda bei den deutschen Barbecue-Meisterschaften um traditionelles Grillgut, aber auch neue Trends und Titel.

Grillkohle anheizen, Würstchen auf den Rost - wenden und fertig. Damit kommt man bei der deutschen Grill- und BBQ-Meisterschaft in Fulda nicht weit - hier geht es um ausgeklügeltes Grillen auf hohem Niveau. „Wer nicht exzellent zaubert, hat auch keine Chance zu gewinnen“, sagt Oliver Sievers, Präsident der German Barbecue Association (GBA) über den Grillwettbewerb am Wochenende. Dabei zeigten 31 Teams selbst entwickelte Rezepte, Geschick und Einsatz.

Am Grill wie im Publikum überwiegen Männer, die auf Glut und Grillgut starren. Überzeugte Karnivoren (Fleischesser) sind sie allesamt: Auf der Bühne wettert ein Mann gegen Vegetarier und Veganer. Es bilden sich Schlangen vor den Probierständen. Andere fachsimpeln über Gasgrills und Grillzange oder diskutieren Aromen, mit denen Holzkohle veredelt werden kann.

Sechs Gänge in der Profi-Kategorie

In der Profi-Kategorie müssen sechs Gänge zubereitet werden: Bratwurst mit Beilage, Hirschkalbskeule, BBQ-Frühstück mit Ei und Fleischanteil, ein vegetarisches Gericht, St.-Louis-Rippchen sowie ein Dessert. Pro Gang müssen die Kandidaten elf Portionen abliefern, dafür gab es jeweils ein Abgabefenster von zehn Minuten. Besucherinnen und Besucher können den Wettkampfteams bei allen Schritten von Vorbereitung, Grillen bis hin zum Anrichten zuschauen.

Am späten Nachmittag werden die Sieger gekürt. Bei den Profis überzeugen Titelverteidiger Michael Hoffmann und sein Team GutGlut aus Rösrath bei Köln die Jury. Mit einem Vorsprung von acht Punkten hat er sich die Grill-Krone vor dem Team Real Smoke BBQ aus Stuttgart gesichert, drittplatziert sind die noch amtierenden BBQ-Weltmeister des Teams BBQ-Wiesel aus Bochum. Bei den Amateuren erringt Teamchefin Maja Weigt mit GreenHeartBBQ (aus Langewiesen, einem Ortsteil des thüringischen Ilmenau) mit sechs Punkten Vorsprung den Sieg.

„Wir geben nur die grundsätzlichen Gerichte vor. Der Kreativität ist keine Grenze gesetzt“, sagt Sievers über den Wettbewerb und seine Regeln. Dabei gehe es oft auch um „Food Pairing“, also Kombinationen, die so noch nicht dargeboten wurden.

Geschmack, Gargrad, Kreativität und Aussehen

Bewertet werden die Kreationen der Grillteams von zertifizierten Jurorinnen und Juroren. Diese achteten auf Geschmack, Gargrad, Kreativität und Aussehen der Gerichte, heißt es über den Wettbewerb. Während jeweils zwei Juroren an den einzelnen Ständen probieren, macht der Rest eine Blindverkostung. Die Sieger der einzelnen Klassen werden schließlich über ein Punktesystem ermittelt.

Laut GBA-Präsident Sievers war es bei vergangenen Grillmeisterschaften oftmals knapp, so dass auch Zehntelpunkte über einen Sieg entscheiden könnten.

Ein Favorit auf den Titel war Sievers zufolge aufgrund der Corona-Pause in den Jahren 2020 und 2021 schwierig auszumachen. Ein hohes Grillniveau zu erreichen, sei mittlerweile einfacher als vor 10 oder 15 Jahren, sagt er. „Heutzutage sind Informationen viel zugänglicher, man kann sich sehr schnell informieren und schneller sehr gut werden. Deshalb sind auch Überraschungen möglich.“

Es geht um Meistertitel und Preisgelder

Beim Grillwettbewerb geht es in der Profi- und Amateurklasse um Meistertitel und Preisgelder. Jedes Team besteht aus maximal zehn Mitgliedern. Während die Profis sechs Gänge abliefern müssen, kann die Amateurklasse sich auf vier Gerichte konzentrieren. Im Profiwettbewerb winkt ein Preisgeld von 3000 Euro, bei den Amateuren geht es um 1500 Euro. Gleichzeitig fungiert die Grillmeisterschaft auch als Messe mit mehr als 60 Ausstellern.

Bei der Grillmeisterschaft geht es nicht nur um die (Brat-)Wurst, sondern auch andere Produkte. Am heimischen Grill hingegen setzten die meisten Menschen in Deutschland auf traditionelleres Grillgut, als da wären Bratwürste, marinierte Schweinesteaks oder auch Roastbeef, meint Stefan Ulbricht, Dozent im Bildungszentrum des Fleischerhandwerks in Augsburg.

Außerdem zeige sich eine Nachfrage nach qualitativ hochwertigem Fleisch und zu sogenannten Special-Cuts. „Das sind Fleischzuschnitte, die in Deutschland bis vor wenigen Jahren recht unbekannt waren“, so Ulbricht. Dazu zählen demnach Steaks wie Flank, Flat-Iron, Skirt oder Secreto. Bei der Auswahl des Grills gehe der Trend hin zu Asado, also der Zubereitung über offenem Feuer.

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(dpa)