Ratgeber Was bedeuten steigende Bauzinsen für Ihre Baufinanzierung?

Die Bauzinsen sind zuletzt weiter gestiegen und machen den Immobilienkauf um einiges kostspieliger. Experten rechnen schon jetzt damit, dass sich viele Familien ein eigenes Haus demnächst nicht mehr leisten können.

Was bedeuten steigende Bauzinsen für Ihre Baufinanzierung?
Foto: Unsplash.com/Josh Olalde

Wir erklären Ihnen im Folgenden, was die steigenden Bauzinsen für Ihre Baufinanzierung bedeuten.

Die Zinsen haben sich rasant verändert

Zuletzt hat sich eine drastische Wende auf dem Immobilienmarkt vollzogen. Jahrelang gab es historische Niedrigzinsen und Hauskäufer konnten sich die Kredite enorm günstig leihen. Der Mittelwert für Hypothek-Zinsen lag im Dezember 2021 noch bei 0,9 %. Mittlerweile ist er auf 2,8 % angestiegen und hat sich innerhalb eines halben Jahres mehr als verdreifacht. Ein Ende des Trends ist nicht in Sicht, es wird damit gerechnet, dass der Wert die 3 % Marke weit überschreiten wird.

Bis zum Jahresende rechnen Experten damit, dass sich die Zinsen zwischen 3,5 und 4 % einpendeln werden. Das sorgt dafür, dass es also wieder deutlich teurer wird, Geld zu leihen. Passende Finanzierungen finden Sie bei Ihrem Baufinanzierer. Dort können Sie Ihre aktuelle Baufinanzierung schnell selbst berechnen und sich einen Überblick über die aktuellen Zinsen verschaffen.

Warum steigen die Bauzinsen so stark?

Die Gründe für die steigenden Bauzinsen setzen sich aus verschiedenen Komponenten zusammen. Ein Kernpunkt ist die hohe Inflation im Euro-Raum, die Zinsen für Bundesanleihen und Pfandbriefe in die Höhe treibt. Das wirkt sich direkt auf die Entwicklung der Bauzinsen aus. Zudem erwartet der Kapitalmarkt aufgrund der hohen Inflation eine straffere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, sprich eine Erhöhung der Leitzinsen. Mögliche Erhöhungen sind bereits jetzt im Bauzins eingepreist. Dazu kommt noch der Ukraine-Krieg, über die langfristigen Folgen kann aktuell nur spekuliert werden. Doch bereits jetzt treten enorme Probleme entlang der Lieferketten auf, Baumaterialien, Öl, Gas, Holz oder Stahl werden immer teurer und knapper.

Der Krieg befeuert die ohnehin schon hohe Inflation und somit die Bauzinsen. Darüber hinaus gibt es noch weitere Einflussfaktoren, die sich auf einen steigenden Zins auswirken. Dazu zählt ebenso die Geldpolitik der amerikanischen Notenbank. Diese hat im Frühjahr eine jahrelange Null-Zinspolitik beendet und damit begonnen, den Leitzins anzuheben. Das hat eine Sogwirkung auf die Bauzinsen, wenn auch mit Verzögerung. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht verlangt seit neuestem einen höheren Kapitalpuffer von Banken, um Baukredite besser abzusichern. Banken müssen mehr Eigenkapital für die Baufinanzierung zurücklegen. Diese Mehrkosten werden an die Kunden weitergegeben, was ebenfalls zu steigenden Bauzinsen führt.

Was bedeuten die steigenden Zinsen für Immobilieninteressenten?

Die steigenden Zinsen sorgen dafür, dass die monatlichen Kosten für einen Kredit höher werden und Wohnimmobilien für viele Menschen unerschwinglich sind. Da diese Entwicklung bereits zu Beginn des Jahres abzusehen war, hat sich die Nachfrage nach Immobilienkrediten in den ersten drei Monaten um 20 % gesteigert, im Vergleich zum Vorquartal. Das alles unter dem Gesichtspunkt, dass die Immobilienpreise so stark angestiegen sind wie noch nie. Im letzten Quartal 2021 kosteten die Wohnimmobilien ganze 12,2 % mehr als noch im selben Zeitraum im Vorjahr.

Darauf zu spekulieren, dass die Preise in den kommenden Jahren wieder sinken, ist jedoch nicht empfehlenswert. Bundesweit gesehen bleiben die Kaufpreise mindestens stabil, wenn sie nicht noch weiter steigen. Zudem hängt der Immobilienkauf immer von unterschiedlichen Faktoren ab und wer seine Traumimmobilie gefunden hat, kann nicht darauf spekulieren, dass diese im nächsten Jahr noch verfügbar ist.

Wohneigentum bleibt trotz Zinswende attraktivAktuellen Studien ist zu entnehmen, dass Wohneigentum auch bei einem Zinssatz von 3 % noch immer erhebliche Kostenvorteile für Selbstnutzer bietet. Trotz der Zinswende bleibt Wohneigentum also attraktiv. Die Höhe der Zinsschwelle, ab der Mieter finanziell besser stehen als Käufer, hängt dabei vom Wohnort ab. Der neutrale Zins für eine zehnjährige Finanzierung, ab dem die Selbstkosten den Wohnungsmieten entsprechen, belaufen sich in den sieben deutschen Metropolen auf 2,8 %. Im Umland der Städte liegt dieser bei 3,5 %. Bislang kann der Wohnungsmarkt den aktuellen Zinsanstieg also gut verkraften.

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