Mehr Luxus durch die Krankenzusatzversicherung

Mehr Luxus durch die Krankenzusatzversicherung

Vor allem für den Krankenhausaufenthalt oder für Zahnersatz ist eine Zusatzpolice sinnvoll.

Düsseldorf. Für Patienten der Regelfall: Bei der Terminvergabe beim Arzt wird gefragt, ob man gesetzlich oder privat versichert sei. Oder: Der Kassenpatient wartet auf seinen Kernspin-Termin vier Wochen, der Privatpatient kommt gleich am Tag nach dem Anruf dran. Gesetzlich Versicherte müssen um jedes Krankengymnastik-Rezept kämpfen, der Privatpatient darf täglich turnen.

Viele Kassenpatienten fragen sich, wie sie ihren Kassenstatus aufbessern können. "Die private Krankenzusatzversicherung gewinnt an Bedeutung", sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten. "Vor allem im stationären Bereich ist eine private Zusatzversicherung überlegenswert", sagt Rudnik.

Die freie Klinik- und Arztwahl sei "kein Luxus". Das bestätigt auch Hedwig Telkamp, Versicherungsexpertin bei der Verbraucherzentrale. "Mit einer Zusatzpolice kann man sich ein Stück Entscheidungsfreiheit bei der Wahl des Krankenhauses einkaufen." Durch die Zusatzpolice erhält man den Status eines Privatpatienten, der im Ein- oder Zweibettzimmer liegt und vom Chefarzt behandelt wird.

Zusätzlich kann man auch finanzielle Zuschüsse für Brille, Zahnersatz, Heilpraktiker und Auslandskrankenschutz absichern. Solche Policen kosten ab rund 60 Euro im Monat. Oft gibt es diese Angebote gleich im Paket. Allerdings sind die Leistungen fraglich und von Police zu Police höchst unterschiedlich: Alle zwei Jahre ein Zuschuss von 150 Euro zur Sehhilfe ist nicht wirklich hilfreich.

Beim Heilpraktiker werden zwischen 60 und 80 Prozent des Rechnungsbetrags erstattet, allerdings nur bis zu einer Maximalsumme pro Jahr. Manchmal sind das nur 400 Euro. Auch beim Zahnersatz muss man genau hinschauen. Bei einigen Policen sind Implantate ausgeschlossen, bei anderen Inlays.

Manche Versicherer erstatten nur den doppelten Festzuschuss, was bei hochwertigem Zahnersatz keine nennenswerte finanzielle Entlastung bringt, sagt Rudnik. "Zudem sind in den ersten Versicherungsjahren die Entschädigungsgrenzen oft extrem niedrig."

Kassenpatienten, die aufgrund ihres hohen Einkommens einen Wechsel in die private Vollversicherung überlegen, sollten bedenken, dass diese nicht in allen Bereichen die bessere Wahl ist. Bei Psychotherapie und Mutterschutz leistet die gesetzliche Krankenversicherung deutlich mehr.

Ob man als Privatpatient medizinisch grundsätzlich besser versorgt ist als der Kassenpatient, bleibt fraglich. Wenn zwei Patienten bei gleicher Diagnose komplett unterschiedliche Behandlungen verordnet bekommen, nur weil der eine Kassenpatient, der andere privat versichert ist, erhält der eine entweder zu wenig oder der andere Überflüssiges. Fazit: Der Patient muss selbst zum Experten werden und bei seiner Heilung ein entscheidendes Wort mitreden.

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