Kulanz kostet extra: Banken verlangen hohe Überziehungszinsen

Kulanz kostet extra: Banken verlangen hohe Überziehungszinsen

Düsseldorf (dpa/tmn) - Das Konto zu überziehen, kann teuer werden. Das gilt vor allem, wenn Kunden nicht nur ihren Dispo ausreizen, sondern noch weiter in die Miesen rutschen. Denn das dulden Banken unter Umständen zwar - sie verlangen für ihre Kulanz aber happige Zinsen.

Es passiert schneller, als man denkt. Das Girokonto ist überzogen, der Dispokredit bis zum Anschlag ausgereizt und die Miete fällig. Im günstigsten Fall drückt die Bank ein Auge zu und überweist das Geld trotzdem. Für die auf den ersten Blick kulante Lösung bei solchen Engpässen zahlen Kunden aber einen kräftigen Zinsaufschlag. Aus Sicht von Verbraucherschützern führt die geduldete Überziehung des Kontos schnell in die Schuldenfalle.

Viele verwechseln dabei Dispo- und Überziehungszinsen - letztere sind aber deutlich höher. Sie fallen an, wenn Kunden ihren Disporahmen überschreiten oder gar keinen vereinbart haben und in die roten Zahlen geraten. Das kann teuer werden: Die Zinsrate liegt grob zwei bis fünf Prozentpunkte über der für den Dispo, erklärt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Viele Banken verlangen für ihre Kulanz Zinssätze um die 18 Prozent. Die genaue Angabe finden Kunden auf dem Kontoauszug.

Einen Anspruch auf die Nothilfe des Geldinstituts besteht nicht. „Es ist eine individuelle und freiwillige Entscheidung“, betont Steffen Gurtler vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband in Berlin. Die Geldhäuser bestimmen nach jeweils eigenen Kriterien den Betrag, den ein Kunde das Konto über den Dispo hinaus überziehen darf.

Ein Problem für Verbraucher ist die mangelnde Transparenz. Sie erfahren nichts über die Höhe des eingeräumten Spielraums. „Das sind rein bankinterne Überlegungen“, erläutert Martin Faust, Professor für Bankbetriebslehre an der Frankfurt School of Finance & Management. „Die Regel ist: Die Bank räumt eine höhere Linie als den Dispo ein. Beträgt der 5000 Euro, ist der Kunde intern vielleicht für 8000 Euro gut.“ In diesem Beispiel duldet es das Geldinstitut, wenn das Konto mit zusätzlich 3000 Euro belastet wird.

Bei solchen Summen laufen aber schnell einige Hundert Euro pro Jahr allein an Überziehungszinsen auf. Verbraucher können bei der Rückzahlung von Dispo plus Überziehung daher leicht in finanzielle Turbulenzen geraten. „Die Gefahr der Überschuldung ist groß“, warnt Oelmann. Auch Faust spricht von einem Risiko, „weil die Leute plötzlich auf höheren Schulden sitzen als vereinbart“. Michael Weinhold von der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände sieht eine andere Gefahr: Die Bank kann das Konto auf das vereinbarte Limit zurückführen, sofortigen Ausgleich verlangen oder ganz kündigen - schließlich ist die geschuldete Überziehung ja freiwillig.

Verbraucher, die auf die geduldete Überziehung nicht verzichten, aber günstiger wegkommen wollen, sollten mit ihrer Bank über den Zinssatz verhandeln. Andere Alternativen sind, den Dispo zu erhöhen oder nach einem Konto mit Abrufkredit zu fragen. Dieser funktioniert ähnlich wie der Dispokredit, kostet aber weniger Zinsen. Auch ein Ratenkredit kann sich als Alternative zum Überziehen des Kontos rechnen, um den hohen Zinsen und somit letztlich der Schuldenfalle zu entgehen.

Gesetzlich sind die Geldhäuser lediglich verpflichtet „Kunden zu informieren, wenn sie einen Monat die geduldete Überziehung in Anspruch genommen haben, und sie auf die finanziellen Folgen hinzuweisen“, erläutert Gurtler. Die Info sei in der Regel mit einer Einladung zum Beratungsgespräch verknüpft. Die Schuldengefahr bannt das nicht: Bleiben Kunden nur hin und wieder für einige Tage im Schattenlimit, entfällt die Informationspflicht.

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