Drohende Prokon-Pleite: Tausende Kleinanleger bangen um ihr Geld

Drohende Prokon-Pleite: Tausende Kleinanleger bangen um ihr Geld

Stuttgart (dpa/tmn) - Windreich, SAG Solarstrom oder jetzt der Windkraft-Spezialist Prokon - immer wieder geraten Firmen in Schwierigkeiten. Kleinanleger, die in Anleihen oder Genussrechte solcher Unternehmen investiert haben, müssen dann um ihr Geld bangen.

Anleihen oder Genussscheine bieten Anlegern oft hohe Zinsen. Allerdings bergen solche Investments auch Risiken. Denn bei einer Insolvenz des Herausgebers der Papiere kann das Geld komplett verloren gehen.

Dem Windparkfinanzierer Prokon droht nach eigenen Angaben noch im Januar eine Planinsolvenz, falls mehr als fünf Prozent des Genussrechtskapitals von Anlegern abgezogen würden. Prokon hatte Geld von Zehntausenden Kleinanlegern eingesammelt und jährliche Zinszahlungen von bis zu acht Prozent zugesagt. Das Geld wurde unter anderem in Windanlagen und in das Ölwerk investiert.

Die Anleger bangen nun um ihr Geld. „Sie müssen damit rechnen, im Falle einer Insolvenz ihr Kapital zu verlieren“, erklärt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. „Viele Anleger sind sich dieses Risikos aber oft nicht bewusst.“

Attraktiv wirken Genussrechte oder Anleihen vor allem wegen der in Aussicht gestellten Rendite: 5 Prozent Zinsen oder sogar mehr bieten Unternehmen Anlegern. Angesichts der derzeit niedrigen Sparzinsen erscheint ein solches Angebot verlockend. Das Problem: Mit Genussrechten gehen Kunden immer auch ein Stück unternehmerisches Risiko ein.

Das heißt: Sie nehmen nicht nur am Gewinn teil, sondern in der Regel auch am Verlust. „Sie müssen dabei auch immer mit dem Totalverlustrisiko leben“, erklärt Nauhauser. Anders als bei Aktien haben Anleger bei Genussscheinen oder Anleihen zudem kein Mitspracherecht.

Erkennen können Anleger das aber häufig nicht. „Prospekte und Werbematerialien geben meistens wenig Aufschluss“, sagt der Finanzexperte. Das hat auch eine Untersuchung der Stiftung Warentest im vergangenen Jahr ergeben: In den Vermögensanlagen-Informationsblättern (VIB) sind Hinweise oft versteckt oder zu allgemein formuliert.

Ein weiteres Problem: „Die Zinsversprechen hängen von der künftigen Entwicklung des Unternehmens ab“, erläutert Nauhauser. „Und um die einschätzen zu können, müssten Sie Bilanzen lesen können.“ Selbst Experten seien nicht immer in der Lage, zweifelsfrei einzuschätzen, wie die Aussichten sind.

Kleinanleger sollten daher Genussscheine oder Anleihen lieber meiden. „Besser ist es, das Geld breit zu streuen“, erklärt Nauhauser. Am besten gelinge dies über Fonds, die das Kapital der Anleger in viele verschiedene Produkte investieren.