Ratgeber Die bekanntesten Kreditmythen im Überblick

Wenn es um einen Kredit für gewisse Anschaffungen geht, wissen viele Menschen nicht, welche Finanzierungsoptionen zur Verfügung stehen.

 Es gibt viele Kreditmythen, die Menschen verunsichern.

Es gibt viele Kreditmythen, die Menschen verunsichern.

Foto: stock.adobe.com/sommart

Jeder hat in der eigenen Umgebung eine Meinung dazu und alle erzählen dabei etwas anderes. Daher tummeln sich unzählige Falschinformationen, die sich hartnäckig in der Gesellschaft halten. In diesem Beitrag werden die gängigsten Kreditmythen erläutert, damit Kreditnehmer einen klareren Einblick erhalten.

Einführung

In Zeiten von Inflation und hohen Zinssätzen sind einige Leute davon abgeschreckt, ein Darlehn oder Kredit zu beantragen, da sie kein Risiko eingehen wollen. Dabei ist es wenig hilfreich, wenn Geschichten über betrügerische Machenschaften oder unseriöse Kreditinstitute herumkursieren. Aufgrund dessen verzichten viele Personen darauf, ein Haus oder ein Auto zu kaufen, um keinen finanziellen Verlust zu erleiden.

Dabei sind viele Mythen schlichtweg falsch. Damit diese Ängste nicht weiterhin geschürt werden, folgen hier die bekanntesten Kreditmythen, die nicht der Wahrheit entsprechen:

Mythos 1: Kunden können ihren Kredit nur bei der Hausbank beantragen.

Es gibt auf dem Finanzmarkt unzählige Alternativen, um den passenden Kredit zu erhalten. Die meisten Menschen gehen davon aus, dass die Hausbank die besten Bedingungen für einen Kredit parat hat. Doch der Schein trügt, denn jedes Kreditinstitut hat variierende Konditionen.

Verbraucher sollten sich davon lösen und sich umfangreich bei anderen Kreditinstituten beraten lassen, um eine geeignete Wahl zu treffen. Die Konditionen, Zinssätze und Ratenzahlungen können sich nämlich von Bank zu Bank ändern.

Mythos 2: Kredite können nur persönlich beantragt werden.

Der Großteil der Bevölkerung geht immer noch davon aus, dass ein Kredit nur persönlich beantragt werden kann. Doch diese Annahme stimmt nicht. Es gibt diverse Online-Institute, die es ihren Kunden ermöglichen, von Zuhause aus einen Antrag zu stellen. Verbraucher können verschiedene Kredite online und kostenlos vergleichen, um das beste Angebot zu erhalten.

Alle Fragen rund um den Kredit können von den Online-Kreditexperten jederzeit beantwortet werden. Das erspart eine Menge Zeit und Mühe und ist ideal für Kreditnehmer, die das Geld schnell auf ihrem Konto haben wollen, da die Abwicklung relativ zügig vonstattengeht.

Mythos 3: Ein Bankkonto zu überziehen, ist günstiger, als einen Kredit aufzunehmen.

Diese Aussage ist nicht nur falsch, sondern kann dem Einzelnen auch teuer zu stehen kommen. Denn das ist eigentlich die ungünstigste Variante, für die sich Verbraucher entscheiden könnten. Der Dispo ist lediglich für kleinere Engpässe gedacht und für die Banken leicht verdientes Geld. Die Zinsraten können bei einem Dispo zweistellig ausfallen und das Ganze erheblich teurer machen.

Diese Überziehungsmöglichkeitist für Kunden sehr praktisch, da sie auf diese Weise über einen Dauerkreditrahmen verfügen, der bei Bedarf genutzt werden kann. Wenn der Dispo überzogen wird, dann geht es in den Überziehungskredit über und der Dispozinssatz steigt damit noch mehr an. Daher ist es definitiv besser, einen Kredit zu beanspruchen, bei dem die passenden Konditionen verhandelt wurden und die Zinsen gleichbleibend sind.

Mythos 4: Ein Kredit-Score von 0 ist am besten.

Eine weitere verbreitete Aussage ist, dass Kredit-Score von 0 eine gute Voraussetzung ist, für um einen Kredit bewilligt zu bekommen. Das setzt voraus, dass keinerlei Schulden oder Darlehnsverträge in der Vergangenheit abgeschlossen worden sind. Der Nachteil dabei ist, dass die Kreditinstitute dadurch keine Auskünfte über die finanzielle Vergangenheit ihres potenziellen Kunden haben.

Das ist für die Bank ein größeres Risiko. Daher ist diese Annahme nicht korrekt und birgt mitunter mehr Nachteile als Vorteile. Diese Gründe sind sprechen daher gegen diesen Kunden:

  • Schwierigkeiten bei der Kreditaufnahme: Aufgrund der fehlenden Nachweisbarkeit der Kreditgeschichte, ist die Kreditwürdigkeit nicht einzuschätzen. Das macht Banken sehr skeptisch und erschwert die Bewilligung.
  • Höhere Zinsen: Das veranlasst ein Kreditinstitut in der Regel, einen höheren Zinssatz festzusetzen. Das wird gemacht, um das potenzielle Risiko auszugleichen.
  • Eingeschränkte Finanzierungsmöglichkeiten: Diese fehlende Nachvollziehbarkeit erschwert die Aussicht auf einen Autokredit, eine Hypothek oder den Erhalt einer Kreditkarte.

Mythos 5: Kreditkarten müssen immer abbezahlt werden, bevor Zinsen anfallen.

Dieser weitverbreitete Irrtum ist ebenfalls nicht richtig. Die meisten Kreditkartenunternehmen bieten ihren Kunden eine zinsfreie Periode an, die oft als Zahlungszeitraum ohne Zinsen oder Grace Periode bezeichnet wird. Während dieses Zeitraumes müssen keine Zinsen auf Einkäufe gezahlt werden, wenn der ausstehende Betrag vollständig beglichen wurde.

Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass diese Periode, indem keine Zinsen anfallen, je nach Kreditkartenanbieter ändern kann. Normalerweise beläuft sich der Zeitraum zwischen 21 und 25 Tagen. Solange Kunden in der Lage sind, ihre Kreditkartenabrechnung vor dieser Frist zu bezahlen, fallen keine Zinsen an.

Mythos 6: Alle Schulden sind schlecht.

Eine Vielzahl der Menschen geht davon aus, dass alle Schulden eine negative Auswirkung haben auf ihren Kredit-Score, doch das ist nicht der Fall. Bestimmte Nachzahlungen können sinnvoll und sogar finanziell vorteilhaft sein. Das sind die Gründe dafür:

  • Investitionsschulden: Wenn ein Kreditinstitut feststellt, dass Kunden bereits Schulden haben, dann kommt es darauf an, wozu das Geld genutzt wurde. Wenn Verbraucher in beispielsweise in Bildung oder Immobilien investiert haben, dann ist ersichtlich, dass die finanziellen Mittel für eine bessere Qualifikation ausgegeben wurde. Bei einem Immobilienkauf kann langfristig ein Vermögen aufgebaut werden und der Kunde profitiert von einer potenziellen Wertsteigerung.
  • Niedrige Zinsen: Vor einigen Jahren war es ratsam einen Kredit aufzunehmen, da die Zinsen niedrig waren und somit eine höhere Rendite erzielt wurden konnte. Davon ist heute jedoch abzuraten, da der Leitzins aktuell bei 4,5 Prozent liegen.
  • Steuerliche Vorteile: Für Menschen, die selbstständig sind und aufgrund von steuerlichen Vorteilen einen Hypothekenzins begleichen müssen, steht die Bank diesen Ausgaben positiv entgegen. Den unter bestimmten Bedingungen sind gewisse Anschaffungen von der Einkommensteuer absetzbar. Das ist für Kreditinstitute plausibel und zeigt, dass der Verbraucher weiß, wie er mit Geld umgeht.

Demnach sollte zwischen den positiven und negativen Schulden unterschieden werden. Das eine stellt für die Bank eine Verbindlichkeit dar, die für Konsumgüter oder kurzfristige Bedürfnisse aufgenommen wurde. Auf der anderen Seite sind die positiven Schulden als Investition zu betrachten, die potenziell gewinnbringend sein können.

Kreditmythen, die der Wahrheit entsprechen

Nach all diesen Mythen ist es nun interessant zu erfahren, welche korrekt sind und nur irrtümlich als falsch abgestempelt wurden. Folgende Aussagen entsprechen der Wahrheit:

Mythos 1: Der Zahlungsverzug kann finanzielle Konsequenzen haben.

Heutzutage gibt es unzählige Online-Zahlungsdienste wie Klarna, die es ihren Kunden gestatten, ihre Einkäufe erst zu einem späteren Zeitpunkt zu zahlen. Das verleitet eine Vielzahl von Menschen dazu, mehr zu shoppen als sonst. Sie verliere den Überblick und die Rechnungen häufen sich. Diese Onlinedienste zögern nicht lange und drohen innerhalb kürzester Zeit mit einem Inkasso-Verfahren. Das wiederum hat auch einen Einfluss auf die Kreditwürdigkeit.

Das erschwert die Aussicht auf eine Kreditbewilligung und führt zu höheren Zinssätzen sowie einem schlechteren Kredit-Score. Daher ist es deutlich schwieriger, mit solchen Voraussetzungen einen Kredit zu erhalten. Es wäre angebracht, vor der Beantragung des Darlehens diese Schulden zu begleichen.

Mythos 2: Kreditkarten können hilfreich sein, um die Kreditwürdigkeit zu steigern.

Das wundert vielleicht einige Leute, doch tatsächlich ist die Nutzung von Kreditkarten hilfreich, um eine bessere Kreditwürdigkeit aufzubauen. Diese Faktoren spielen dabei eine Rolle:

  • Positive Kredithistorie: Die Verwendung von Kreditkarten erlaubt, eine positive Kreditgeschichte zu erstellen. Das passiert durch regelmäßige Transaktionen und pünktliche Rückzahlungen. Das trägt maßgeblich dazu bei, dass sich der Kredit-Score verbessert.
  • Verbesserung der Kreditnutzungsrate: Diese Nutzungsrate ist essenziell, um das Verhältnis zwischen dem ausstehenden Kreditbetrag und dem Kreditlimit zu berechnen. Das Ergebnis dieser Berechnung beeinflusst den Kredit-Score. Es gilt, je niedriger die Kreditnutzungsrate, desto besser ist das für den Score.

Mythos 3: Die SCHUFA arbeitet mit Kreditinstituten zusammen.

Die SCHUFA ist eine deutsche Wirtschaftsauskunftei und ist anders, als viele glauben, keine staatliche Institution. Sie sind nicht an staatliche Richtlinien gebunden oder müssen gewisse Auflagen erfüllen, um Informationen freizugeben. Die erforderlichen Daten erhalten sie durch verschiedene Quellen wie andere Banken, Kreditkartenunternehmen, Telekommunikationsanbieter und andere Kreditinstitutionen.

Diese Daten dienen dazu, ein Bild von der finanziellen Historie einer Person oder eines Unternehmens zu erstellen. Auf diese Weise können die SCHUFA und die Bankinstitute sich gegenseitig ergänzen, um zu entscheiden, wer kreditwürdig ist und wer nicht. Diese Auskunft wird jedoch nicht nur Banken gewährt. Verbraucher erhalten die Gelegenheit, ebenfalls eine Selbstauskunft zu erhalten.

In der Vergangenheit mussten Menschen, die eine Privatinsolvenz und eine Restschuldbefreiung hinter sich haben, befürchten, dass diese Information jahrelang bei der Schufa gespeichert bleibt. Doch seit dem 29.03.2023 gilt das nicht mehr. Die Speicherdauer für die Einträge ist seitdem von 36 auf 6 Monate verkürzt worden.

Mythos 4: Ein gemeinsamer Kredit kann die Bonität beider Parteien beeinflussen.

Wie heißt es so schön: „Geteiltes Leid ist halbes Leid“ – so ähnlich ist es auch bei der Kreditaufnahme. Wenn zwei Menschen gemeinsam einen Kredit aufnehmen möchten, wirkt sich das positiv auf die Kreditwürdigkeit aus. Das liegt vor allem daran, dass beide gemeinsam haften.

Bei einem gemeinsamen Kredit sind beide Parteien für die Rückzahlung des Kredits verantwortlich. Dadurch, dass zwei Menschen diese finanzielle Verantwortung tragen, erhöht das die Kreditwürdigkeit bei der Bank und das Risiko auf Zahlungsausfälle minimiert sich.

Mythos 5: Kreditkarten mit einem niedrigeren Kreditlimit sind weniger riskant.

Dieses Gerücht ist definitiv richtig. Kreditkarten mit niedrigeren Kreditlimits bergen weniger Risiken. Da diese Karten ein begrenztes Limit haben, hilft das sehr dabei, um nicht in die Schuldenfalle zu geraten. Zudem sind die monatlichen Raten in der Regel niedriger, was die Rückzahlung erleichtert. Das stärkt erneut die Kreditwürdigkeit der Kreditnehmer.

Ein hohes Kreditlimit macht generell nur Sinn für Menschen, die tatsächlich Großverdiener sind und innerhalb kürzester Zeit in der Lage sind, die fällige Rate zu zahlen. Wenn das nicht der Fall ist, wird davon gänzlich abgeraten, da viele Leute dazu neigen, über ihre Verhältnisse hinaus einzukaufen.

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