Beim Heizen Geld sparen

Der hydraulische Abgleich kann die Kosten deutlich senken.

Düsseldorf. Hydraulischer Abgleich — eine Straßenumfrage, was das denn wohl sei, brachte kürzlich neben viel Achselzucken auch diese originelle Antwort: „Das wird wohl irgendso ein Finanztransaktionsdingsbums sein.“ Völlig daneben — wird jeder Ingenieur oder Heizungsfachmann spotten. Doch ganz so falsch liegt der Laie gar nicht. Zwar geht es bei dem Begriff um Technik — doch mit Geld, nämlich mit Sparen, hat er auch ganz viel zu tun. Das bestätigt Friedhelm Lentzen, Energieberater bei der Verbraucherzentrale NRW: „Nach einem hydraulischen Abgleich können die jährlichen Heizkosten in einem 125-Quadratmeter-Einfamilienhaus um 120 Euro sinken.“

Aber was ist das denn nun eigentlich, dieser hydraulische Abgleich? Heizungsbauer und Landesinnungsmeister Hans-Joachim Hering erklärt zunächst die Ausgangslage: „In der Heizungsanlage nimmt das Wasser den Weg des geringsten Widerstands. Heizkörper in weiter entfernten Räumen, etwa im Dachgeschoss, werden nicht so warm. Die Heizkörper nahe der Heizanlage umso mehr.“

Eben dieses Phänomen wird durch den hydraulischen Abgleich bekämpft. Statt einfach die Heizungsanlage hochzudrehen, wird durch hydraulischen Abgleich die Wärme im Haus bestmöglich verteilt. Dies passiert mittels voreinstellbarer Thermostatventile. An den Heizkörpern im Erdgeschoss wird dem Wasser ein größerer Fließwiderstand entgegengesetzt, den Heizkörpern in den oberen Geschossen dagegen ein geringerer.

Marc-Andre Müller, Leiter der Energieberatung bei den Stadtwerken Düsseldorf, lobt den hydraulischen Abgleich als „schlafenden Effizienzriesen“, auch wenn die Sache natürlich erst einmal Kosten verursacht.

Der Heizungsbauer muss schließlich die Heizungsanlage und die örtlichen Gegebenheiten analysieren. Müssen voreinstellbare Thermostatventile eingebaut werden oder sind diese bereits vorhanden? Mit Hilfe eines Computerprogramms errechnet er die Voreinstellungswerte für die Thermostatventile. Gegebenenfalls müssen noch Ventile eingebaut werden. Sodann stellt der Heizungsbauer den vorher berechneten Voreinstellungswert an jedem Heizkörper ein.

Für ein Einfamilienhaus kostet ein hydraulischer Abgleich laut Verbraucherzentrale im Schnitt zwischen 600 und 1200 Euro, je nachdem, wie viele Thermostatventile ersetzt werden müssen und ob auch die Heizungspumpe ausgetauscht wird. Energieberater Lentzen weist aber auch darauf hin, dass Hauseigentümer Kredite oder Zuschüsse bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau in Anspruch nehmen können.

Sein Kollege Müller von den Stadtwerken und Obermeister Hering betonen, dass sich eine solche kostenübersichtliche Maßnahme in Sachen Energieeffizienz und Einsparung schneller rechnet als andere teurere Projekte — wie etwa die Installation einer Solaranlage oder eine umfangreiche Wärmedämmung.

Wenn beispielsweise durch hydraulischen Abgleich die jährlichen Heizkosten um 120 Euro sinken — verbunden mit einem Umstieg auf eine neue Heizpumpe mit einem Stromsparpotenzial von 100 Euro im Jahr — dann rechne sich die Maßnahme schon nach sechs bis acht Jahren.

Auf einen weiteren positiven Aspekt, den die Maßnahme hat, macht Heizungsbauer Hering aufmerksam: „Wenn die Heizkörper gleichmäßig warm werden, verschwinden auch die Strömungsgeräusche, die von vielen als störend empfunden werden.“

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