25 Jahre Dax: Erfolgsstory trotz einiger Abstürze

Frankfurt/Main (dpa) - Seit 25 Jahren ist er das Spiegelbild für die Entwicklung der 30 wichtigsten deutschen Unternehmen. Es gab herbe Einbrüche und große Verlierer - insgesamt spiegelt der Leitindex Dax aber eine Erfolgsgeschichte.

Er steigt und steigt: Seit Anfang 2012 hat der Deutsche Aktienindex Dax um ein Drittel zugelegt, im Mai hatte er zwischenzeitlich sein Allzeithoch von 8558 Punkten erreicht. Darüber, ob sich der Höhenflug fortsetzt, kann nur spekuliert werden. Sicher ist aber: Seit seiner Einführung zum 1. Juli 1988 mit 1163 Punkten hat der wichtigste deutsche Börsenindex kräftig zugelegt.

„Der Dax ist auf alle Fälle eine Erfolgsstory. Seine Entwicklung verläuft auf einem Chart von links unten nach rechts oben - selbst Einbrüche ändern nichts an der insgesamt stetigen Aufwärtsbewegung“, schwärmt Fidel Helmer. Der Leiter des Wertpapierhandels der Privatbank Hauck & Aufhäuser hat die Geschichte des Dax hautnah miterlebt: Seit 1970 arbeitet er am Finanzplatz Frankfurt.

Die 30 Unternehmen im Dax gelten als Querschnitt der deutschen Wirtschaft. „Der Blue-Chip-Index soll den Gesamtmarkt angemessen darstellen“, betont Konrad Sippel, Leiter Produktentwicklung von Stoxx, der Indextochter der Deutschen Börse. Anleger und Analysten, Banker und Börsenprofis schauen genau auf die Kurse.

25 Jahre nach seinem Start hat sich der Dax längst zu einem der wichtigsten Börsenbarometer der Welt gemausert, zum Finanzplatz Frankfurt gehört er wie Bulle und Bär, die Skyline der Bankentürme oder das Euro-Zeichen vor der Europäischen Zentralbank. „Der Dax ist heute einer der führenden Indizes weltweit“, sagt Sippel.

Bis zu seiner Einführung herrschte ein Durcheinander: Es gab einen Index der „Börsen-Zeitung“, der weit verbreitete Commerzbank-Index wurde von Konkurrenzbanken verschmäht, der FAZ-Index der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ von anderen Zeitungen gemieden. „Wir wollten ein nach außen wirkendes Symbol haben, vergleichbar dem Dow Jones“, sagte einst Rüdiger von Rosen, einer der Väter des Dax.

Für Investoren war der Dax-Start etwas besonderes, erinnert sich Helmer: „Die 30 besten und größten deutschen Unternehmen waren hier aufgelistet, und die Zusammensetzung wurde regelmäßig aktualisiert.“ Außerdem gebe der Index Aktionären ein realistischeres Bild über die Stärke der Unternehmen, sagt Helmer. Denn er ist ein sogenannter Performance-Index, bei dem Marktkapitalisierung und Dividendenzahlungen sowie Kapitalveränderungen einfließen.

Der Dax musste auch herbe Rückschläge erleiden, sein tiefster Schluss-Stand in 25 Jahren liegt allerdings schon sehr lange zurück: Am 29. August 1988 fiel er auf 1152 Punkte. Sein Allzeithoch erreichte er hingegen vor kurzem: Am 22. Mai schloss er mit 8530,89 Punkten.

Dass im Dax nur 30 Werte gelistet sind, erleichtert Anlegern die Übersicht. Für Unternehmen dürfte das Ansporn sein. Denn viele institutionelle Anleger richten sich bei ihren Entscheidungen nach dem Leitindex, betont Helmer: „Wer aus dem Dax rausfällt, verliert automatisch an Boden.“

Trotzdem sind nur 15 Gesellschaften seit Juli 1988 ununterbrochen in dem Index gelistet. Einige einst vertretene Konzerne sind längst aus dem Index verschwunden wie Feldmühle Nobel oder Nixdorf Computer, andere wurden geschluckt oder fusioniert wie Kaufhof, Dresdner Bank, Degussa oder Hoechst. Im September 2012 mussten MAN und Metro Platz machen für Lanxess und Dax-Wiederkehrer Continental. „Insgesamt waren in 25 Jahren 55 verschiedene Titel gelistet“, sagt Sippel.

In der Geschichte des Index gab es auch Enttäuschungen wie die Volksaktie der Deutschen Telekom, die im November 1996 bei 28,50 DM (14,57 Euro) startete und zum März 2000 auf einem Kurs von 103,50 Euro kletterte. Heute ist die T-Aktie rund 8,80 Euro wert. Allerdings war das Papier zuletzt durchaus attraktiv, auch weil die Telekom nach Berechnungen der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) zu den großzügigsten Dividendenzahlern im Dax gehört.

Wenig Spaß hatten zuletzt die Anteilseigner der Commerzbank. Nach Zahlen der DSW hat der Kurs des Titels in den vergangenen fünf Jahren 93 Prozent verloren. „Die Commerzbank ist ein Musterbeispiel für den Untergang einer Aktie“, sagt Helmer. Zuletzt fasste die Bank zehn alte Aktien zu einer neuen zusammen. Das verhinderte ein Abrutschen zum Pennystock: Aktuell notiert das Papier bei knapp 7,50 Euro.

Zur Dax-Familie gehören nach Angaben von Stoxx mittlerweile rund 4700 Indizes, von denen über 900 auf Aktien basieren und mehr als 2500 auf Renten. Tendenz rasant steigend. Einige verweisen in ihrem Namen auf den Dax: Der MDax für mittelgroße Unternehmen, der TecDax für Technologiewerte, der Sdax für kleinere Unternehmen.

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