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Dein Sofa, mein Bett: Wie schaffen Paare die Wohnungsauflösung?

Dein Sofa, mein Bett : Wie schaffen Paare die Wohnungsauflösung?

Eine Trennung ist ohnehin schon schwer. Wer zusammen gewohnt hat, muss auch noch allen Besitz auseinander klamüsern. Wie schafft man das, ohne sich über den Pfannenwender an die Gurgel zu gehen?

Es war so schön: Er brachte damals die Couch mit in die erste gemeinsame Wohnung, von ihr kam der Kleiderschrank. Das große Bett haben sie sich gemeinsam angeschafft. Doch dann: Streit. Sie zieht aus der gemeinsamen Wohnung aus.

Und als wäre das Ende der Liebe nicht schon schwer genug, müssen nun auch noch alle Habseligkeiten aufgeteilt werden. Was kann man tun, damit dabei nicht noch mehr die Fetzen fliegen? Eine neutrale Zwischeninstanz kann hier nützlich sein, sagen Paartherapeuten.

„Man sollte sich nicht scheuen, emotionale Unterstützung von Freunden zu erbitten, die auch beim Abholen von Sachen aus der gemeinsamen Wohnung ruhig bleiben und sich deeskalierend verhalten“, sagt zum Beispiel Petra Ahrweiler. Sie ist Diplom-Psychologin in Grevenbroich.

Außerdem sei es wichtig, die Situation so zu akzeptieren, wie sie ist. „Eine Diskussion über die Beziehung sollte nicht bei der Wohnungsauflösung, sondern zeitlich getrennt davon erfolgen.“

Separate Unterkunft suchen

Elena Sohn ist Gründerin der Agentur „Die Liebeskümmerer“ in Berlin. Dort berät ein Team aus Psychologen und Coaches all diejenigen, die mit Liebeskummer kämpfen. Sie hält es für wichtig, dass beide Partner in der schwierigen Phase der Trennung einen sicheren, geborgenen Rückzugsort haben. „Denn der gibt in dieser Situation Halt und Kraft. Ich empfehle meinen Kunden also, sofern es möglich ist, schon während der Auflösung eines gemeinsamen Haushalts für separate Unterkünfte zu sorgen, anstatt die oft angespannte Stimmung noch im selben Haushalt auszuhalten.“

Auch Paartherapeut und Coach Florian Kleinschmidt plädiert dafür, sich selbst nicht unnötigem Stress auszusetzen. Er empfiehlt Paaren, trotz einer Trennung wertschätzend und so respektvoll wie möglich miteinander umzugehen. „Emotionale Tiefschläge auszuteilen, verlängert den Prozess unnötig und lässt zusätzlich neue Konflikte entstehen.“

Kleinschmidt rät, Gedanken und Gefühle in schweren Zeiten in einem Tagebuch aufzuschreiben. Dadurch kann man die eigene Situation besser reflektieren. Und zu guter Letzt empfiehlt er, sich während der schmerzvollen Wohnungsauflösung immer wieder etwas Gutes zu tun: „Das kann zum Beispiel ein kleiner Spaziergang sein, Sport, Meditation oder eine gemütliche Tasse Tee. Aus solchen wohltuenden Momenten kann neue Kraft gezogen werden.“

Und die braucht man wahrscheinlich spätestens dann, wenn es um die Aufteilung der gemeinsam angeschafften Dinge geht. Ahrweiler findet: „Auch, wenn es schwerfällt, sollte man dem ehemaligen Partner zunächst etwas anbieten oder eine Gefälligkeit erweisen. Dadurch fühlt sich dieser eher verpflichtet, eine Gegenleistung zu erbringen.“

Geht es mir wirklich um die Sache?

Beim Aufteilen der Habseligkeiten sollten sich Paare immer wieder fragen, ob es tatsächlich um die Sache geht oder um Vergeltung aufgrund der verletzten Gefühle. „Jeder Mensch kann abwägen, ob der Gegenstand wirklich die Nerven wert ist.“

Dabei könne hilfreich sein, zu überlegen, wie wichtig der Gegenstand in einem halben oder ganzen Jahr noch ist. „Oder die Angelegenheit an einen Anwalt übergeben, wenn es um etwas Kostbares geht“, sagt Elena Sohn.

So verhärtet sollten die Fronten jedoch eigentlich nicht sein, so die Meinung der Therapeuten. Und wenn doch, dann sei eine dritte Instanz, die die Angelegenheit neutral betrachtet, Gold wert. „Sie kann zwischen beiden Personen vermitteln und sie auf diese Weise beim Trennungsprozess begleiten“, sagt Kleinschmidt.

Erinnerungen nicht entsorgen

Hat man die Wohnungsauflösung dann hinter sich und findet in den Kartons an seinem neuen Ort Erinnerungsstücke an eine bessere Zeit, dann rät Sohn, diese auf keinen Fall wegzuschmeißen. „Denn auch, wenn man in diesem Moment vielleicht davon überzeugt ist, diesen Menschen nur vergessen zu wollen, kann sich das später ändern und man betrachtet die Beziehung dann vielleicht einfach als einen schönen, wenn auch nicht langfristig funktionierenden Teil der eigenen Geschichte.“

Und wenn einer in der ehemals gemeinsamen Wohnung bleibt? „Ich empfehle in diesem Fall, sich die eigenen vier Wände neuzugestalten, nach den ganz persönlichen Vorstellungen. Häufig gehen Paare bei der gemeinsamen Einrichtung zu Gunsten des anderen nämlich Kompromisse ein. Nun darf alles so sein, wie man selbst es möchte“, sagt Sohn.

Dem pflichtet Ahrweiler bei: „So ist es möglich, der Wohnung den eigenen Stempel aufzudrücken.“ Und laut ihr sollte man sich auch nicht mit Gegenständen, die an die Beziehung erinnern, überfrachten. Dabei geht es vor allem um die Art der Dinge. „Weiterhin im gleichen Bett zu schlafen, kann viel belastender sein als beispielsweise ein bisher gemeinsam genutztes Küchengerät mitzunehmen.“

Generell gelte bei einer schwierigen Trennung und der damit verbundenen Wohnungsauflösung jedoch vor allem eines: Optimismus. „Die nötige Energie lässt sich entwickeln, wenn man sich die eigenen Stärken verdeutlicht. Dazu sollte man sich an die Fähigkeiten erinnern, die schon in anderen schwierigen Lebenszeiten hilfreich waren“, sagt Ahrweiler.

Weitere Kraft kann man aus der Vorstellung schöpfen, wie die Zukunft aussehen wird, wenn die Beziehungsprobleme nicht mehr belasten.

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