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Patchwork: Aus zwei Familien wird eine

Patchwork: Aus zwei Familien wird eine

Immer mehr Paare wagen einen Neuanfang mit Kindern aus der ersten Ehe.

Düsseldorf. Eigentlich hätte alles gut laufen können. Neue Liebe, neues Glück, endlich die lang ersehnte Zweisamkeit. Drei Jahre hatte Karin nach der Scheidung von ihrem Mann mit den Söhnen Leon (6) und Lucas (14) allein gelebt, als ihr Jochen über den Weg lief. Getroffen haben sich die Medizinerin und der Ingenieur auf einem Seminar. Aus der Zufallsbekanntschaft wurde mehr, beide wohnten auch noch im selben Ort quasi um die Ecke.

Anfangs beschränkte sich die Beziehung auf gemeinsame Unternehmungen zwischendurch. "Ich hatte irgendwie auch Angst vor dem ersten Zusammentreffen mit Karins Kindern", gestand Jochen, der selbst eine Scheidung hinter sich, aber keine Kinder hatte. Beide einigten sich auf einen neutralen Ort für die erste Begegnung, ein Zoobesuch schien eine gute Idee zu sein. Der Tag wurde allerdings für alle Beteiligten reichlich anstrengend. Während Lucas eigentlich andere Pläne hatte und sich zum Stelldichein mit dem "Neuen" genötigt fühlte, machte Leon seiner Mutter den Nachmittag zur Hölle. Der Sechsjährige hatte sich auf das geplante Wochenende mit seinem Vater gefreut.

Psychoanalytiker Klaus Winkelmann, Leiter des Instituts für Kinder- und Jugendpsychotherapie in Heidelberg, kennt diese Erfahrungen in den unterschiedlichsten Facetten. Kinder, die sich den Platz im Ehebett der Mutter ertrotzen, während der "Neue" auf der Couch schläft. Heranwachsende, die demonstrativ das Wohnzimmer verlassen, wenn die Freundin des Vaters zu Besuch kommt. Und verzweifelte Erwachsene, die damit hadern, dass sich inmitten von Streit und Konflikten die Zuneigung zu den Kindern des neuen Partners nicht einstellen will.

Geduld: Eine neue Beziehung heißtein neuer Partner, ein neuer Erzieher, ein neuer Freundeskreis undmanchmal auch eine neue Umgebung. So viel Neues braucht Zeit undGeduld. Der Wunsch, sofort in perfekter Harmonie zu leben, zerplatztoft wie eine Seifenblase. Wer zu schnell auf Normalität drängt,überfordert damit nicht nur die Kinder, sondern auch den Partner undsich selbst.

Zeit: Für die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt, um denKindern den neuen Partner vorzustellen oder für eine gemeinsameWohnung, gibt es kein Patentrezept. Wichtig ist, dem Zusammenwachsengenügend Zeit zu lassen. Kinder fühlen sich überfordert, wenn sie denneuen Partner zum ersten Mal morgens im Bad treffen. Kinder brauchenZeit, um über die Trennung der Eltern zu trauern. Auf "Eindringlinge"reagieren sie oft mit Wut, Zorn und Eifersucht. Als neuer Partnersollte man diese Reaktion nicht zu persönlich nehmen.

Kompetenzen: Jede Mutter und jeder Vater hat einen eigenenStil bei der Erziehung der Kinder. Kommt ein neuer Erwachsener in dieFamilie, müssen die Kompetenzen gut aufgeteilt sein. So ist essinnvoll, sich auf gemeinsame Regeln in Sachen Pünktlichkeit, Ordnungoder Mithilfe im Haushalt zu einigen.

Zuwachs: Eine weitere Herausforderung entsteht, wenn das neuePaar ein gemeinsames Kind bekommt. Kinder haben dann oft dass Gefühl,dass das Nesthäkchen von den Eltern mehr geliebt wird. Dem Kind immerwieder zu zeigen und zu sagen, dass es genauso sehr geliebt wird wiezuvor, ist besonders wichtig.