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Helfen statt daddeln: Louis geht für Nachbarn einkaufen und Gassi mit Hund

Helfen statt daddeln : Louis geht für Nachbarn einkaufen und Gassi mit Hund

Viele Kinder und Jugendliche verbringen die Zwangspause von Schule und Freizeitaktivitäten zu Hause mit dem Internet. Ein Dresdner Grundschüler ist das zu langweilig - er hilft lieber, statt die Zeit zu vertrödeln.

„Ich hätte gern zwei Hühnerbrüste bitte!“, sagt Louis, als er auf dem Wochenmarkt im Dresdner Stadtteil Weißer Hirsch an der Reihe ist. Ausgestattet mit Mundschutz und Handschuhen nimmt der Zehnjährige die Tüte wenig später entgegen.

„Der Kassenzettel“, ruft sein Vater von hinten. Denn sein Sohn muss das abrechnen, bei seinem ersten Auftraggeber. Vor einer Woche hat Louis einen Aushang im Viertel verteilt mit seiner Handynummer und älteren Menschen, die wegen Corona nicht mehr rausgehen, seine Hilfe angeboten.

Einkaufen für Risikopatienten

Die Laubners wohnen einige Straßen von seinem Zuhause entfernt. Sie sind die Ersten, für die Louis an diesem Morgen einkaufen geht: Eier, Fleisch, Brötchen. Kinder, Enkel und Urenkel leben etwas weiter weg und erledigen den Großeinkauf, sagt Klaus Laubner. „Aber für das Frische zwischendurch engagieren wir Louis.“ Er und seine Frau sind Risikopatienten und verlassen ihre Wohnung derzeit nicht. Die Einkaufsliste kommt per WhatsApp. Tasche und Geld holt sich Louis ab - und stellt sie gefüllt wieder ins Haus.

Die Solidarität mit Menschen wie den Laubners im Land ist nach Angaben des Sozialministeriums groß. „Auch in dieser Krise zeigt sich, dass die meisten Menschen hilfsbereit und solidarisch sind“, sagt Ministerin Petra Köpping (SPD). Louis ist unter seinen Freunden aber eine Ausnahme. „Na ja, zuerst mal war mir irgendwie langweilig zu Hause, dann habe ich überlegt, dass ich mich eigentlich auch nützlich machen könnte“, erzählt er. „Da will ich einfach mal helfen statt rumzusitzen.“ Schließlich trägt er seiner Oma auch die Taschen, wenn er mit ihr einkaufen geht.

Louis Nachbarschaftshilfe kommt gut an

Kurz entschlossen schrieb er einen Zettel „Hallo Nachbarn!“, den er verteilte. „Da zurzeit keine Schule ist, möchte ich Ihnen helfen! Ich kann einkaufen oder mit Ihrem Hund spazieren gehen. Vielleicht bis bald!“, steht darauf. Schon am nächsten Tag waren die ersten Schnipsel mit dem Kontakt abgerissen, aber es sollte eine Woche dauern bis zum ersten Auftrag, bis sich die Laubners meldeten.

„Ich bin megastolz auf ihn“, sagt Vater Robin. „Das ist für die heutige Zeit auch ungewöhnlich.“ Zwar daddelt auch Louis schon mal am Handy. Er ist aber vor allem anderweitig beschäftigt: vier Mal die Woche Fußballtraining und Freunde. Weil das gerade nicht geht, gibt es jeden Abend eine Challenge mit Papa. „Zum Beispiel Luftballon oben halten mit Fuß oder Kopf“, sagt er lachend. Oder eine Jam Session - Papa an der Gitarre und Sohn an der Trommel. „Wir haben auch einen Toilettenpapier-Song gemacht: 'Weißes Gold'“.

Schule muss notfalls warten

Natürlich muss Louis auch Aufgaben für die Schule machen. „Wenn ich einen Auftrag habe, hat der natürlich Vorrang, dann muss Mathe warten“, meint er. „Wenn es zu viele Aufträge werden, musst Du welche abgeben“, sagt sein Vater zu den Prioritäten. Solidarität liegt in der Familie, Onkel und Tante sind Sozialarbeiter. „Louis hat auch einen Familienrat initiiert.“ Da diskutieren Eltern, Louis und seine Geschwister über Entscheidungen.

Für seinen tierischen Wunsch gab es bisher dort kein Ok: eine Schlange. „Die lege ich mir zu, wenn ich 18 bin“, sagt Louis, der am liebsten Profifußballer würde. An zweiter Stelle steht Schauspieler, in der Schul-Theater AG hat der schwarzhaarige Viertklässler schon zwei Rollen bekommen. „Wenn das nicht klappt, dazu muss man ja gut sein, dann werde ich Polizist.“