Kinder brauchen klare Grenzen

Mütter und Väter von heute möchten alles sehr gut machen. Die Folge: Sie überfordern sich und den Nachwuchs.

Düsseldorf. "Hänschen klein ging allein in die weite Welt hinein". Glaubt man Bestsellerautor Jan-Uwe Rogge, sind diese Zeiten für die meisten Kinder längst vorbei. Umringt von Übermüttern haben Jungen und Mädchen heute kaum Gelegenheit, die Welt wirklich eigenständig zu erkunden. Mütter und Väter sind rund um die Uhr mit Blaulicht im Erziehungsdauereinsatz, während sich auf dem Nachtschränkchen die Ratgeberliteratur stapelt. "Eltern verwechseln Erziehung mit dem Punktesammeln fürs Paradies", spricht Rogge als praktizierender Erziehungsberater humorvoll über das Gedränge im Pädagogenhimmel.

"Kinder brauchen Raum für sich selbst und keine Eltern, die mit angelesenen pädagogischen Diagnosen angestrengt durch den Alltag torkeln", machte der Autor den Eltern Mut zu eigenen Fehlern und zu einem bewussten Maß an Gelassenheit im Umgang mit Erziehung. Seine Botschaft ist deutlich: Kindern Grenzen setzen heißt auch, sich selbst zu begrenzen. Das man nicht nur erziehen möchte, sondern alles besonders gut machen wolle, sei das Dilemma der heutigen Elterngeneration. Inkonsequenz sei dabei der letzte Akt im "Drama der guten Worte", das in den Kinderzimmern zur Aufführung gelangt.

Gelegentlich drücken die Erinnerungen an die eigene Kindheit so mächtig, dass Eltern im Umgang mit dem eigenen Nachwuchs völlig verunsichert sind. Die Konsequenzen sind paradox: während manche Eltern die Erziehungsleitbilder von Freiheit und Selbstständigkeit als die Abwesenheit von Grenzen und Regeln missverstehen, suchen Kinder mehr denn je nach klaren Leitfiguren, an denen sie sich orientieren und reiben können.

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