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Erziehung: "So nicht, mein Junge"

Erziehung: "So nicht, mein Junge"

Der Alltag mit Kindern und Jugendlichen birgt jede Menge Konfliktstoff. Kurse können helfen, mit dem eigenen Nachwuchs entspannter umzugehen.

Düsseldorf. Kinder sind ein großes Glück, aber sie bringen ihre Eltern auch manchmal zum Wahnsinn. Egal, ob es der scheinbar grundlos schreiende Säugling ist, die trotzende Vierjährige oder der pubertierende 13-Jährige, der nicht verstehen will, dass er nicht in die Disco darf. Wohl kaum ein Elternpaar überkommt nicht gelegentlich ein Gefühl der Macht- und Hilflosigkeit.

Die Erziehungswissenschaftlerin Sigrid Tschöpe-Scheffler aus Köln mahnt, dass es "wohl kaum einen ’Beruf’ gibt, für den so fahrlässig wenig Aus-, Weiter- und Fortbildung in Anspruch genommen wird wie für die Elternschaft und Erziehung". Dabei erfordere Engagement in der Erziehung auch spezielles Wissen, sagt Rose Volz-Schmidt. Die Sozialpädagogin ist Initiatorin der Organisation wellcome in Hamburg, die Eltern in den ersten Wochen nach der Geburt unterstützt.

Elternkurse sollen Wege aus dem Erziehungsdilemma aufzeigen. "In die Eltern-Rolle findet man sich am besten ein, indem man seine Sorgen und Probleme mit anderen teilt, denen es ähnlich geht", sagt Volz-Schmidt. In den Kursen diskutieren Eltern in Gruppen über Erziehungsprobleme und tauschen Erfahrungen aus. Außerdem bekommen sie Informationen über die kindliche Entwicklung.

Starke Eltern - Starke Kinder: Der Kurs wurde vom Deutschen Kinderschutzbund entwickelt. Die Familie wird hier als System begriffen, dessen Angehörige sich gegenseitig beeinflussen. In Gesprächen sollen sich Eltern ihrer Stärken, aber auch ihrer negativen Verhaltensmuster bewusst werden. Ziel ist eine Verbesserung der Kommunikation und des Verständnisses innerhalb der Familie.

TRIPLEP (Positive Parenting Programm): In diesen Kursen lernen Eltern, das kindliche Verhalten zu lenken. Triple P macht Eltern konkrete Vorschläge, wie sie in verschiedenen Situationen positiv und kindgerecht reagieren können. Das Programm wurde auch als Kriseninterventionsprogramm entwickelt und richtet sich an Eltern mit Kindern zwischen zwei und zwölf Jahren.

STEP (Systematic Training for effective Parenting): In wöchentlichen Gruppentreffen lernen Eltern herauszufinden, was das Kind mit seinem Verhalten bewirken will. Sie lernen, darauf angemessen, nachvollziehbar und konsequent zu reagieren. Es geht nicht um Strafen und Belohnen, sondern um Einsicht und Kooperation. Das Training verlangt von den Eltern eine hohe Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit Erziehungsfragen und arbeitet mit Hilfsmaterialien wie Videos.

GORDON (Familien-Training): Das Trainingsprogramm des amerikanischen Psychologen Thomas Gordon basiert auf der Kommunikation von Eltern und Kindern. Tägliche Familienkonferenzen sollen Kommunikationstechniken üben. Eltern und Kinder begegnen sich auf Augenhöhe. Autoritäre und hierarchische Erziehungsmittel werden abgelehnt. Das Training richtet sich ausdrücklich gemeinsam an Eltern und Kinder ab elf Jahren sowie präventiv an Eltern kleinerer Kinder.

Infos im Netz Weitere Informationen bieten unter anderem folgende Seiten im Internet: www.kinderschutzbund.de und www.familienhandbuch.de