Ein Knigge für die zivilisierte Scheidung

Ein Knigge für die zivilisierte Scheidung

Britische Etiketten-Trainer geben auf 64 Seiten Tipps für Betroffene und Freunde.

London. Das war höchste Zeit: Britische Etikette-Kenner haben eine „Anleitung zur zivilisierten Scheidung“ veröffentlicht. Darin geben sie Partnern Tipps, wie sie würdevoll durch die emotionale Katastrophe steuern. Auch der Freundeskreis, der todsicher zwischen die Fronten gerät, kann sich mit dem 64-Seiten-Werk von Debrett’s, dem englischen Knigge, aus dem Minenfeld retten.

„Die Verführung ist groß, die teuren Vintage-Weine vom Ex ins Klo zu kippen“, schreibt Debrett’s unverblümt, „aber ein Familienrichter wertet das nicht unbedingt als Zeichen der Reife. Haltet lieber Euren Kopf und zivilisierte Standards hoch.“ Zu den emotionalen Kosten sollen schließlich nicht noch gesalzene Anwaltsgebühren kommen: „Ihr verschwendet die Zeit der Juristen, wenn ihr Euch vor Gericht über Essgeschirr und Couch streitet. Regelt das unter Euch.“

Freunde von Scheidungspaaren müssen ebenfalls einen Drahtseilakt bewältigen. Bloß nicht tratschen, lautet für sie die Hauptregel, weil „man damit eine schlimme Situation noch schlimmer macht“. Ansonsten gelte es, praktische Hilfe anzubieten ohne parteiisch zu werden — und zur Not den Kontakt zum Ex-Partner einschränken, bis der Schlachtenstaub sich gelegt hat.

Die englische Art, sich selbst in Extremsituationen stoisch und unberührt zu geben, empfiehlt Debrett’s allen Betroffenen, sobald sie sich in der Öffentlichkeit bewegen. „Wer weiter zu Dinnerpartys eingeladen werden möchte, sollte Wut und Bitterkeit für sich behalten — und seine Gefühlswelt höchstens kurz und selbstironisch kommentieren.

Auch bei einer neuen Liebe ist nach Debrett’s Verhaltenskodex die vornehme Zurückhaltung gefragt. „Deine Freunde haben Dich durch die Scheidungshölle gehen sehen“, schreiben die Experten, „und werden nervös, wenn Du Dich plötzlich in eine hirnlos gurrende Turteltaube verwandelst.“

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