„Die Rente könnte nicht reichen“

„Die Rente könnte nicht reichen“

Die Solinger Familie Brenner will sich absichern. Der Experte Hans-Detlev Speckmann hilft ihr dabei.

Solingen. Heidemarie und Wolfgang Brenner wollen in acht Jahren in Ruhestand gehen und den Rest des Lebens genießen. Die beiden Solinger sehen sich auf der sicheren Seite, denn sie werden zwei gesetzliche Renten ausbezahlt bekommen und haben ein abgezahltes Eigenheim.

Für Sonderwünsche oder Notfälle haben sie sogar noch etwas zur Seite gelegt. Grundsätzlich ein solides Polster. Das meint auch der unabhängige Finanzberater Hans-Detlev Speckmann von den "Alten Hasen" (siehe Kasten). Er hat im Rahmen unserer Serie "Preischeck" für das Ehepaar eine Finanzplanung für die Zukunft erarbeitet. Und dabei hat er bei den Brenners eine Versorgungslücke entdeckt. "Sie können mit ihrer Rente, wenn man die jetzigen Bedingungen als Basis nimmt, gut leben. Aber in 20 Jahren kann das schon ganz anders aussehen", erläutert der Finanzexperte.

Denn in die Berechnungen sei nicht die Inflationsrate einkalkuliert worden. Und nach derzeitigem Stand könne man nicht davon ausgehen, dass diese durch Rentenerhöhungen ausgeglichen werde. Das heißt in der Zukunft ist die Rente der beiden weniger wert. "Sie könnte nicht reichen", so Speckmann.

Es wäre also sinnvoll, in den verbleibenden acht Jahren vor Renteneintritt noch Geld anzulegen, um das Vermögen beziehungsweise die Rücklagen zu mehren. Speckmann rät den beiden, die eher sichere und konservative Anlagen bevorzugen, in zwei Phasen vorzugehen. "Bis zum Ende der Finanzkrise hat die Kapitalsicherung Vorrang. Deshalb sollten sie möglichst in sichere, liquide Anlagen investieren", so der Finanzberater.

Dazu würden sich Tages- und Festgelder eignen. "Da sich gerade bei den Tagesgeldkonten die Kurse der Banken sehr schnell ändern, ist es sinnvoll, mindestens zwei Konten bei unterschiedlichen Instituten zu eröffnen", so Speckmann. So könne man je nach Zins das Geld hin- und herschieben.

Einen Teil des Geldes sollte das Paar zudem mittelfristig anlegen. Hierfür kommen laut dem Experten beispielsweise Sparbriefe oder Festzinssparen in Frage. "So erhalten sie sich ihre Flexibilität", erklärt Speckmann. Dafür sollte das Paar die Anlagen zwischen sechs und maximal zwei Jahren staffeln.

Wenn die Finanzkrise und ihre Folgen überwunden sind, kommen für die Brenners auch wieder andere Modelle in Betracht. In der zweiten Phase empfiehlt Speckmann eine Direktanlage in Anleihen und Pfandbriefen.

Hierfür bietet sich folgende Mischung an: Bundesanleihen, Bundesschatzbriefe, Anleihen der Bundesländer und kreditwürdiger Unternehmen, Körperschaften des Bundes und der Länder sowie Pfandbriefe (Anleihen, die zusätzlich durch Grundpfandrecht besichert sind).

Zudem rät Speckmann zu direkten Anlagen, Fonds seien nicht so sinnvoll. "So wissen sie auch wirklich in welche Papiere sie angelegt haben und nehmen direkten Einfluss auf die Auswahl", erklärt der Experte. Zudem seien die Transaktionskosten gering, Nachteil: Es ist aufwändiger.

Die Anlage sollte gestaffelt werden, beispielsweise mit einer Laufzeit von drei bis fünf Jahren. So bleibe man flexibel. "Bei Renteneintritt sind sie so auf der sicheren Seite", schließt Speckmann die Beratung ab. Heidemarie Brenner ist sehr zufrieden mit dem Ergebnis: "Das ist ein hilfreicher Leitfaden."

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