Wie werde ich...? Tätowierer

Wie werde ich...? Tätowierer

Berlin (dpa/tmn) - Ein Tattoo bleibt oft ein Leben lang: Denn ist die Tinte in die Haut gebracht, lässt sie sich nur schwer wieder entfernen. Dennoch braucht es keine Ausbildung, um Tätowierer zu werden.

Im Prinzip reichen ein Gewerbeschein und eine Tätowiermaschine.

Miss Nico erinnert sich noch gut an das erste Tattoo, das sie gestochen hat. 22 Jahre war sie damals alt, und den Kunden kannte sie von ihrer Arbeit als Kellnerin. „Der Typ hatte schon das ganze Bein voll mit Tätowierungen. Auf eins mehr oder weniger kam es ihm nicht an“, erzählt Nico. Kurzentschlossen stimmte er zu, sich als Modell zur Verfügung zu stellen. Und so kam es, dass er am nächsten Tag vor ihrer Tür stand, sie die neue Tätowiermaschine anwarf und ihm einen Teufelskopf auf die Wade stach.

Inzwischen ist Miss Nico, die eigentlich Nicola Schröder heißt, 42 Jahre alt und hat Hunderte von Tattoos gestochen. Obwohl sie inzwischen viel Erfahrung hat, ist bis heute ein Teil der Aufregung vom ersten Mal geblieben. „Ich bin mir der Verantwortung sehr bewusst“, sagt Miss Nico. Denn rutscht ihr die Tätowiernadel aus, hat der Kunde von dem verunglückten Tattoo meist sein Leben lang etwas.

Miss Nico gehört das „AllStyle Tatoo“-Studio in Berlin. Es ist eines von geschätzt 6000 Tätowierstudios in Deutschland. „Exakte Zahlen gibt es nicht“, sagt Maik Freys vom Verband der Deutschen Organisierten Tätowierer (DOT). „Aber von der Tendenz her werden es immer mehr.“

Und es klingt ja auch verlockend: Wer tätowieren möchte, braucht dafür weder Ausbildung noch Studium. Im Prinzip reicht es aus, sich für rund 200 Euro im Internet eine Tätowiermaschine zu bestellen und einen Gewerbeschein bei der Stadt zu beantragen. Die Anzeige des Gewerbes koste bei der Stadt Berlin etwa zwischen 20 und 50 Euro, so ein Sprecher des Bezirksamts Berlin-Mitte. Hinzu kommen lediglich noch jährliche Besuche vom Gesundheitsamt. „Wir schauen uns etwa an, ob die Eingriffsbestecke sauber sind“, sagt Karl Schenkel vom Gesundheitsamt des Bezirks.

Freitagnachmittag im „AllStyle Tatoo“-Studio: Zwei Einheiten à drei Stunden tätowiert Miss Nico am Tag. Gerade ist eine Kundin da, die sich eine Blumengirlande stechen lässt, die sich von der rechten Schulter den Rücken hinunter bis nach vorne zum Hüftknochen ziehen soll. Verkehrt herum sitzt die Frau auf einem Schreibtischstuhl. Hinter der Kundin sitzt Miss Nico mit schwarzen Latexhandschuhen und einem Gerät in der Hand, das aussieht und klingt wie ein Zahnarztbohrer.

Seit Stunden macht sie immer die gleiche Bewegung: Sie hält die Nadel in einen Plastikbecher mit Wasser, wischt sie mit einem Papiertaschentuch ab, tunkt sie in einen Behälter mit Farbe, der etwa so groß ist wie ein Fingerhut und sticht die Nadelspitze dann in die Haut ihrer Kundin. „Die Arbeit als Tätowierer ist ein Knochenjob“, sagt Miss Nico.

Trotzdem würde sie die Arbeit als Tätowiererin immer wieder wählen. „Ich bin mit meiner Arbeit total flexibel und kann das überall auf der Welt machen“, sagt sie. Und wenn man wie sie an den Punkt komme, dass man sich aussuchen könne, was man tätowiere, dann sei es irgendwann nicht mehr nur Handwerk. „Dann macht man Kunst.“