Mit Geschick und Geschäftssinn: Wie werde ich Keramiker/in?

Mit Geschick und Geschäftssinn: Wie werde ich Keramiker/in?

Boitzenburger Land/Berlin (dpa/tmn) - Beatrice Jasiewicz und die Keramik: Das war Liebe auf den zweiten Blick. Eigentlich ist die 27-Jährige Erzieherin. Sie wollte studieren. Doch es kam anders: Während eines Praktikums in Spanien nahm sie an einem Töpferkurs teil und war sofort begeistert.

Inzwischen ist die Berlinerin Auszubildende im zweiten Lehrjahr in der Keramikwerkstatt von Anne Schattka-Steinbruch. „Es macht Spaß zu sehen, dass aus dem Klumpen Ton plötzlich etwas geworden ist. Es ist auch meditativ, beruhigend“, sagt sie. Bis ihr etwas einfällt, dass ihr an der Arbeit nicht gefällt, muss sie erst überlegen. „Es ist ein Beruf, in dem man viel alleine ist. Damit habe ich manchmal meine Schwierigkeiten.“

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Entwürfe anfertigen, Ton aufbereiten, Masse modellieren, drehen und dekorieren, Objekte trocknen und brennen - all das gehört für Auszubildende im Keramikhandwerk zur täglichen Arbeit. „Für eine Ausbildung im Keramikhandwerk sind Konzentration, Kreativität, Formgefühl und Verantwortungsbewusstsein, insbesondere im Hinblick auf die Qualitätssicherung, sehr wichtig“, sagt Wolfgang Rink von der Handwerkskammer Berlin.

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Laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) waren Ende 2016 deutschlandweit 66 Keramiker in Ausbildung. Ihr Verdienst variiert stark und ist abhängig vom jeweiligen Ausbildungsbetrieb. Durchschnittlich erhalten Azubis im Keramikhandwerk monatlich 250 Euro, schätzt Wolfgang Rink. Ausgebildete Keramiker erwirtschaften laut Daten des Statistischen Bundesamts rund 2500 Euro im Monat.

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Drei Jahre dauert die Lehre in Betrieb und Berufsschule regulär. Nach der Gesellenprüfung bieten Fortbildungen zum Keramikermeister oder Keramiktechniker berufliche Aufstiegschancen. Von der Handwerksausbildung zu unterscheiden ist die Ausbildung zum Industriekeramiker. Denn das ist ein ganz anderer Job: Die einen produzieren Massenware, beim klassischen Keramiker steht das Einzelstück im Fokus.

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„Selbst im Zeitalter der Massenproduktionen gibt es noch Nischen für Keramiker im Kunsthandwerk. In den letzten zehn Jahren hatten wir konstante Betriebszahlen“, sagt Wolfgang Rink. Und auch Ausbilderin Anne Schattka-Steinbruch ist sich sicher: „Der Beruf hat Zukunft, denn das Interesse an Individualität ist heutzutage so groß wie nie zuvor.“

Wenn man ein Gespür für Design und Trends hat, könne man gut von der Keramik leben. Neben einer gewissen Begabung und künstlerischen Veranlagung sei Motivation das Allerwichtigste, findet sie. „Man sollte seinen eigenen Weg finden, ein eigenes Design und Dekor entwickeln.“

Viele Azubis hätten bereits eine erste Ausbildung oder ein Studium absolviert und kämen erst auf dem zweiten Bildungsweg zur Keramik. „Wenn man eine Töpferausbildung macht, sollte man Interesse daran haben, sich selbstständig zu machen. Das können sich viele junge Menschen noch nicht vorstellen“, sagt Anne Schattka-Steinbruch.

Aus diesem Grund stehen in der Ausbildung auch unternehmerisches Denken und Handeln auf dem Lehrplan. Denn die meisten handwerklichen Keramikbetriebe in Deutschland sind Kleinstbetriebe, die Aussicht auf Anstellung ist gering. Stattdessen arbeiten die meisten der ausgebildeten Keramiker auf eigenen Faust und Rechnung. Seit dem Jahr 2009 braucht es dafür keine Meisterprüfung mehr. Auch Beatrice Jasiewicz möchte den Schritt in die Selbstständigkeit irgendwann wagen. „Ich will definitiv meine eigene Werkstatt haben.“

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