Ratgeber Englisch als Fremdsprache – eventuell ein Mittel gegen den Fachkräftemangel

Die Globalisierung hat die Bedeutung von Fremdsprachenkenntnissen verstärkt, wobei Englisch sich als eine Art universelle Sprache etabliert hat. Sie wird global und in verschiedenen Branchen genutzt.

Englisch als Fremdsprache Mittel gegen den Fachkräftemangel
Foto: Unsplash.com/Waldemar

Inzwischen wird Deutsch sogar als Hindernis im internationalen Wettbewerb um Fachkräfte angesehen, was zu Forderungen nach Englisch als zweiter Amtssprache führt.

Niclas Vogt vom Startup-Verband betont, dass Englisch in 30 Prozent der deutschen Startups die dominierende Arbeitssprache ist, wie der „Deutsche Startup Monitor“ von 2020 zeigt. Startups würden stark davon profitieren, wenn Englisch mehr genutzt wird. Großstädte wie Berlin und München sollen nach Ansicht des Verbandes Startups deshalb stärker anziehen, weil dort Englisch weiter verbreitet sei. Vogt sieht es als Aufgabe der Politik, sprachliche Hürden zu reduzieren und Behördenformulare auch auf Englisch anzubieten. Deutsche Startups, besonders in IT, Vertrieb und Marketing, seien zunehmend auf ausländische Fachkräfte angewiesen.

Auch im Mittelstand ist Englisch allgegenwärtig

Englisch ist nicht nur in der Startup-Branche, sondern auch im deutschen Mittelstand weit verbreitet. Steffen Kawohl vom Deutschen Mittelstands-Bund (DMB) weist darauf hin, dass insbesondere im MINT-Bereich die englische Sprache eine wichtige Rolle spielt. Unter MINT werden die Bereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zusammengefasst.

Die Nutzung des Englischen sei für den Mittelstand eine Situation mit gegenseitigem Nutzen. Kawohl betont, dass die deutsche Wirtschaft angesichts des Fachkräftemangels auf qualifizierte Zuwanderer angewiesen ist. Durch die verstärkte Möglichkeit, sich auf Englisch zu verständigen, würde die Sprachbarriere für internationale Fachkräfte entfallen, wodurch der deutsche Arbeitsmarkt attraktiver würde. Gleichzeitig würde Deutschland für internationale Geschäftspartner und Kunden ansprechender und die Wettbewerbsfähigkeit steigen.

Unternehmen und ihre Mitarbeiter können ihre Fremdsprachenkompetenz nicht nur in festen Kursen vor Ort erweitern, um sich an veränderte Bedingungen anzupassen. So stehen im Internet Vokabeltrainer zur Verfügung, die nicht nur von Schülern genutzt werden, um ihre Sprachkenntnisse zu vertiefen. Außerdem sind verschiedene Online-Seminare nutzbar.

In welchen Branchen Englisch dominiert

Englisch ist in Branchen wie Import, Export, Tourismus und Medien von zentraler Bedeutung. Insbesondere für Führungskräfte und Manager ist die Beherrschung dieser Sprache oft unerlässlich. Die Verwendung von Englisch im Berufsalltag hängt allerdings stark von der Größe und der internationalen Ausrichtung eines Unternehmens ab.

Für Redakteure und Content-Manager, die englischsprachige Quellen nutzen oder Inhalte auf Englisch erstellen, sowie für Synchronbuchautoren, die Transkripte vom Englischen ins Deutsche übersetzen, ist die Sprache wichtig. Auch bei Juristen und Informatikern werden Englischkenntnisse vorausgesetzt. Dies zeigt sich bereits im Studium, wo Studierende oft gezwungen sind, wissenschaftliche Texte in englischer Sprache zu lesen. Zudem sind Programmiersprachen vorwiegend in Englisch, was bedeutet, dass Programmierer zumindest grundlegende englische Ausdrücke und Formulierungen beherrschen und anwenden müssen.[Link auf https://www.wz.de/ratgeber/beruf-und-bildung/was-macht-eigentlich-eine-literaturuebersetzerin_aid-101376749]

Englisch als zweite Amtssprache – derzeit nicht wahrscheinlich

Der Deutsche Beamtenbund (DBB) zeigt sich in der Diskussion um Englisch als zweite Amtssprache zurückhaltend. DBB-Präsident Ulrich Silberbach weist darauf hin, dass in Behörden bereits häufig Englisch gesprochen wird, betont jedoch, dass Sprachen wie Französisch, Arabisch und Farsi oft wichtiger seien. Er sieht die Sprachkompetenz in der Verwaltung primär als eine Frage der finanziellen Mittel. Fortbildungen, Übersetzungstools und Sprachmittler seien notwendige Investitionen ins Personal, bei denen die Dienstherren oft zögern. Silberbach argumentiert, dass die Internationalität der deutschen Verwaltung davon abhängt, wie sie unterstützt wird, und ein pauschales Englisch-Gebot nicht hilfreich sei.

Trotz der Realität, dass Englisch im Alltag vielfach genutzt wird, ist die offizielle Einführung als zweite Amtssprache eine komplexe Angelegenheit. Deutsch ist durch Bundesgesetz festgelegt, und für eine Änderung müssten Bund und Länder zustimmen. Bislang befürwortet nur die FDP eine solche Änderung.

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