Alkohol: Radler zahlen bei Unfall

Alkohol: Radler zahlen bei Unfall

Viele unterschätzen das Risiko – und bleiben im Ernstfall auf den Kosten sitzen, weil die Versicherung nicht aushilft.

Münster. Radfahrer haben keine Knautschzone, nur wenige tragen einen Helm. Deswegen ist bei einem Sturz die Gefahr einer schweren Verletzung groß. Mit Alkohol erhöht sich diese noch einmal. Denn die absolute Fahruntüchtigkeit für Radfahrer liegt erst bei 1,6 Promille.

Bei etwa 185 000 meldepflichtigen Unfällen in NRW in 2009 waren circa 19 500 Fahrradfahrer involviert, ungefähr 1000 standen dabei unter Alkoholeinfluss. Betrunkene Radfahrer: "Das ist ein erstzunehmendes Problem", erläutert Udo Weiss, Leiter der Direktion Verkehr in Münster. Weiss verdeutlicht die Problematik mit Zahlen: "Bei Verkehrsunfällen haben wir Promille-Werte von 0,32 bis 3,44 gemessen." Also auch in vielen Fällen weit unter dem Grenzwert.

Schon ab 0,3 Promille werden Entfernung und Geschwindigkeit falsch eingeschätzt, ab 0,5 vermindert sich die Sehleistung und ab 1,1 nimmt die Risikobereitschaft zu: Eine gefährliche Mischung für Radfahrer.

Der Verkehrsexperte aus der Fahrradstadt wünscht sich deshalb, dass der Grenzwert neu definiert wird: Dass Radfahren bereits früher - ab 0,8 oder 1,0 Promille - als Ordnungswidrigkeit geahndet werden sollte. Der hohe Wert von 3,44 erklärt sich laut Weiss damit, dass viele junge Menschen glauben, sie erreichen den Grenzwert ohnehin nicht, "und wenn dann die Stimmung steigt und der Kontrollverlust zunimmt, trinken sie einfach weiter", so Weiss. Mit mehr als 1,6 Promille zu fahren, gilt als Straftat. Folge: Der Führerschein wird entzogen. Wer mit weniger Promille fährt, kann nur belangt werden, wenn er auffällig fährt oder in einen Unfall verwickelt wird. Es gibt aber noch weitere Folgen: Wenn ein Radfahrer getrunken hat und einen Unfall gebaut hat, kann er im Ernstfall auf den Kosten sitzenbleiben, weil die Versicherung nicht zahlt (siehe Kasten).

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