Meinung: Pro & Contra: Ist die Aufstockung der Fußball-WM sinnvoll?

Meinung: Pro & Contra: Ist die Aufstockung der Fußball-WM sinnvoll?

Pro: Die Globalisierung trifft auch den Fußball. Die Welt geht davon nicht unter, nur unser eurozentristischer Blick hat ausgedient.

Der eindrücklichste Fußball, den ich je gesehen habe, war ein aus Plastikmüll kunstvoll geknoteter Ball auf dem Staubboden von Tansania. Fußball wird weltweit geliebt. Aber als Elite verstanden sich Jahrzehnte nur Europa und Amerika. 1930 beim ersten WM-Turnier waren 13 Teams dabei, 1998 erstmals 32.

Die Zahl der Staaten hatte sich in der Zeit natürlich nicht mehr als verdoppelt, aber die Fußballwelt war größer geworden. Absurd die Annahme, ausgerechnet inmitten der Globalisierung sei dieser Prozess zu stoppen. Dass die Fifa alles Misstrauen verdient hat, dass es bei der Ausweitung vor allem ums Geld geht — mag sein. Aber wenn künftig mehr Afrikaner und Asiaten mitspielen, geht die Fußballwelt nicht unter, sondern uns ein Licht auf, dass unser eurozentristischer Blick auch im Fußball ausgedient hat. Im Klagelied vom Qualitätsverlust klingt schon die Angst vor dem eigenen Bedeutungsverlust mit. Der Rest der Welt wird da nicht einstimmen. Warum auch? ekkehard.rueger@wz-plus.de

Contra: Die Gier bestimmt den Fußball, sie macht das Turnier groß, aber die Bedeutung klein. Wer soll denn künftig noch Gastgeber sein?

Die Gier bestimmt den Vorschlag. Sie ist Wesen des Fußballs und seines Weltverbandes, ob der Schweizer an dessen Spitze nun Blatter oder Infantino heißt. Erlaubt ist, was die Kassen füllt. Und sie machen alle mit im Fifa-Council, weil sie jene Kuh mästen, die sie später melken. Auch der Pseudo-Widerstand des DFB ist schnell zusammengebrochen: DFB-Chef Grindel ist seine anstehende Wahl in das Fifa-Council und die EM-Bewerbung für 2024 dann doch näher.

Da braucht’s keine neuen Feinde. Schon die aufgeblähte Fußball-EM 2016 ist dem Turnier nicht bekommen, von allem war es zu viel. 48 Verbände bei einer WM — welcher Gastgeber soll das noch logistisch bewältigen? Katar gewiss, Russland, China, Indien oder die USA — dann wird es eng. Und überhaupt: Dreiergruppen schließen zeitgleiche letzte Gruppenspiele aus. Man müsste das Remis eliminieren, um der Spiel-Manipulation vorzubeugen. Aber das — so viel ist sicher — ist nun wirklich nicht das Kerngeschäft der Fifa. olaf.kupfer@wz-plus.de