Private Kulturstifter helfen den Museen auf die Beine

Private Kulturstifter helfen den Museen auf die Beine

August von der Heydt gab den Anstoß zum Bau eines Museums in Elberfeld — 1893 erfolgte die Eröffnung.

Wuppertal. Was die Schönen Künste angeht, so bestand im Bergischen Land über Jahrhunderte die Auffassung, dass eigentlich nur die Musik wirklich schön und der Rest eher verzichtbar sei. Chöre, Orchester, Sänger, Komponisten — all das gab es in großer Quantität und Qualität, was eng mit der protestantischen Ausrichtung der Region zusammenhing. Theater und Bildende Kunst hingegen taten sich schwer.

„Kunstförderung hat in Wuppertal Tradition“, schreibt dennoch der Kunst- und Museumsverein Wuppertal, der sich heute rühmt, mit mehr als 1500 Mitgliedern zu den größten Kunstvereinen Deutschlands zu zählen. Eine erstaunliche Tatsache, denn gar so alt ist die erwähnte Tradition nicht.

Nachdem sich 1866 der Barmer Kunstverein gegründet hatte, zog Elberfeld erst 1892 mit einem Museumsverein nach. Der belegte zunächst eine Etagenwohnung an der Ecke Burg- und Schwanenstraße, in der die bescheidene erste Sammlung gezeigt wurde.

Bemerkenswert ist, dass von Anbeginn vor allem private Stifter und weniger die öffentliche Hand den Ankauf von Gemälden ermöglichten. Das erste Bild, das mit städtischen Mitteln angekauft wurde, stammte von dem Elberfelder Maler Fritz Roeber und trug den Titel „Die Gefangennahme des Grafen Montfort durch den Erbprinzen von Braunschweig in Elberfeld“.

Mit zunehmendem Bestand an Werken drängte die Frage nach geeigneten Präsentationsräumen. 1893 plädierte August von der Heydt für den Bau eines Museums, das 600.000 Mark kosten sollte. Doch schon bald taten sich gänzlich andere Perspektiven auf, denn mit dem geplanten neuen Rathaus wurde der alte Ratssitz am Turmhof frei. Am 26. Oktober 1902 konnte dort das Von der Heydt-Museum eröffnet werden. Gezeigt wurden zunächst Werke aus Elberfelder Privatbesitz. 1903 erntete das Museum mit der großen Ausstellung von Hans Thoma bereits ähnliche Publikumserfolge, wie sie Jahrzehnte später mit den Impressionisten erzielt wurden.

Erste Schwerpunkte der museumseigenen Sammlung wurden die niederländische Barockmalerei und — als Ergebnis einer Stiftung von Karl Erbschloe — die deutsche Landschaftsmalerei seit dem 19. Jahrhundert. Bei deren Erwerb waren die großzügigen Spenden aus den Reihen des Museumsvereins von unschätzbarem Wert. Die Sammlung wuchs so rasch, dass das Museum 1913 und dann abermals 1923 erheblich erweitert werden musste.

Die Barmer hatten unterdessen mit der Ruhmeshalle im Jahr 1900 ein eigenes Museum errichtet, das freilich unter dem Kunstraub der Nazis und dem Bombenhagel des Jahres 1943 erheblich litt. Als Kunsthalle wurde das Haus Dependance des Von der Heydt-Museums, während sich die Kunstfreunde und Mäzene der beiden ehemals eigenständigen Gemeinden am 21. April 1946 zum Kunst- und Museumsverein Wuppertal zusammenschlossen.

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