Frauen sollten egoistischer bei der Altersvorsorge sein

Weibliche Denkfalle : Frauen sollten egoistischer bei der Altersvorsorge sein

Wir haben außerdem mit einer Anlage-Expertin gesprochen. Die Volkswirtin Dr. Gabriele Widmann erklärt, was viele Frauen in puncto privater Vorsorge falsch machen und was es für „weibliche Denkfallen“ gibt. Ihr provokantes Fazit: „Frauen sollten egoistischer bei der Altersvorsorge sein!“

Männer bekommen hierzulande im Schnitt eine doppelt so hohe Rente wie Frauen. Heute sind jedoch viel mehr Frauen berufstätig als früher. Wird sich die Lücke, der sogenannte Renten Gap, damit in Zukunft automatisch schließen?

Dr. Gabriele Widmann, Volkswirtin bei der DekaBank Foto: sparkasse.de

Deka-Volkswirtin Dr. Gabriele Widmann: Nein, der Renten Gap wird noch lange bestehen. Auch wenn das klassische Hausfrauen-Modell seltener geworden ist: Viele Frauen setzen einige Jahre im Berufsleben aus, wenn sie Kinder bekommen, und kehren danach nur in Teilzeit zurück. Damit haben sie geringere Ansprüche in der gesetzlichen Rentenversicherung als die Männer und Frauen, die durchgängig in Vollzeit arbeiten.

Außerdem bekommen Frauen im Durchschnitt immer noch weniger Gehalt als Männer, nicht zuletzt, weil sie oft die schlechter bezahlten Berufe beispielsweise im sozialen Bereich wählen. Auch deshalb fällt ihre Rente später niedriger aus. Das machen sich die wenigsten Frauen bewusst.

Was raten Sie Frauen?

Frauen sollten nicht darauf hoffen, dass es schon irgendwie reichen wird. Sie sollten auch nicht darauf vertrauen, dass sie über ihren Partner später ausreichend finanziell abgesichert sein werden. Ich rate Frauen – wie übrigens auch Männern – ihre Altersvorsorge in die eigenen Hände zu nehmen und sich privat abzusichern.

Studien zufolge sorgt nur jede dritte Frau selbstständig vor. Was hält die übrigen Frauen ab?

Frauen denken nicht gern ans Altwerden und kümmern sich deshalb zu wenig um ihre finanzielle Situation im Alter. Bei Informationsveranstaltungen speziell für Frauen höre ich oft den Vorwand, dass die von mir für langfristige Vorsorge bevorzugten Wertpapieranlagen zurzeit doch so unsicher seien und dass das Vorsorgesparen sowieso nichts bringen würde. Auf meine Frage nach Alternativen haben sie aber auch keine Antwort.

Hinzu kommt, dass viele Frauen dazu neigen, zuerst für alle anderen zu sorgen, bevor sie an sich selbst denken. Da haben zum Beispiel die Ausbildung der Kinder oder größere Anschaffungen für die Familie Priorität. Frauen sollten bei der Altersvorsorge einen gesunden Egoismus entwickeln, der sie finanziell unabhängiger macht. Auf die Unterstützung ihrer Kinder möchten sie im Alter ja auch nicht angewiesen sein.

Müssen Frauen ihr Geld anders anlegen als Männer?

Die Regeln für eine erfolgreiche Geldanlage gelten selbstverständlich für Frauen und Männer gleichermaßen. Aber es ist kein Geheimnis, dass das Finanzthema Männer tendenziell stärker begeistert. Die Deka und die Sparkasse versuchen deshalb, bei Frauen das Interesse für die Themen Finanzen und private Vorsorge zu wecken. Sie sollen später nicht bereuen, dass sie zu wenig vorgesorgt haben. Auch in der persönlichen Beratung machen wir deutlich, wie wichtig finanzielle Unabhängigkeit im Alter für Frauen ist.

Worauf sollten Frauen bei der Geldanlage achten?

Eine vernünftige Geldanlage ist gar nicht so kompliziert, wenn man drei Dinge beherzigt:

Nie alles auf eine Karte setzen, sondern das angelegte Geld auf mehrere Anlagearten verteilen. Zum Beispiel mit breit aufgestellten Investmentfonds, die auch in unterschiedliche Anlagearten wie Aktien, festverzinsliche Wertpapiere und Immobilien investieren.

Bei der Wahl der Geldanlagen auf die zu erwartende Rendite achten: Natürlich unterliegen Wertpapiere und damit auch Investmentfonds kapitalmarktbedingten Wertschwankungen, die sich negativ auf die Anlage auswirken können. Wer aber zurzeit Inflation und Steuern ausgleichen will, sollte rund drei Prozent Rendite im Jahr erwirtschaften. Für solch eine Rendite muss man ein bisschen mehr Risiko wagen, was aber bei einem längeren Anlagehorizont gut verkraftbar ist.

Wer möglichst früh mit der Vorsorge beginnt, profitiert am stärksten vom Zinseszinseffekt. Je früher man startet, desto weniger muss man im Monat beiseitelegen, um eine auskömmliche Summe für das Alter anzusparen. Mit regelmäßigem Geldanlegen spart man sich auch die ewige Überlegung, wann wohl der beste Zeitpunkt ist, um zu investieren. Den erwischt man nämlich ohnehin nur in den seltensten Fällen.

Mehr Informationen zur Altersvorsorge finden Sie hier.