Alterstraumatologie : Frag´ doch mal den Doc

Was ist eigentlich Alterstraumatologie? Dr. Markus Graf ist Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie, Hand- und Wiederherstellungschirurgie im Krankenhaus Maria-Hilf und Leiter des Zentrums für Alterstraumatologie. Er kennt die Antwort.

Alterstraumatologie ist die Behandlung von Verletzungen und Wunden im Alter. „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an ...“, jedenfalls frei nach dem Hit von Udo Jürgens. Und natürlich wünschen sich die Menschen eine solche positive Lebensrichtung im Alter, und sie tun alles dafür. „Wir werden immer mobiler und aktiver, treiben Sport, radeln mit dem E-Bike mal schnell 30 Kilometer, und manchmal tun wir auch einfach ein wenig zu viel. Statistisch gesehen gibt es eine deutlich erhöhte Sturzanfälligkeit im Alter“, weiß Dr. Markus Graf. Er ist Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie, Hand- und Wiederherstellungschirurgie im Krankenhaus Maria-Hilf und Leiter des Zentrums für Alterstraumatologie.

Aber woher kommt das? Während Knochen bei Jugendlichen und jüngeren Erwachsenen erst bei größeren Krafteinwirkungen brechen, genügen im fortgeschrittenen Alter oft schon einfache Stürze. Diese stellen neben den Verkehrsunfällen die häufigste Unfallursache beim älteren Menschen dar.

„Im Alter verändert sich die Reaktionsgeschwindigkeit, und der ältere Mensch hat ein anderes Sturzverhalten. Während junge Menschen sich automatisch versuchen abzurollen, versucht der ältere Mensch sich stets abzustützen. Da ist ein Bruch oftmals vorprogrammiert“, so Dr. Graf.

Ab etwa dem 40. Lebensjahr nimmt die Knochendichte ab

Rund 200 Knochen stützen den menschlichen Körper vom kleinen Zeh bis hin zum Schädel, sie geben ihm Form und Haltung. Werden diese Stützstreben bei einem Unfall zu stark belastet, können sie brechen. Diese Knochen nehmen etwa bis zum 30. Lebensjahr an Masse zu. Doch danach - spätestens ab dem 40. Lebensjahr - verringert sich die Knochendichte. Aber keine Angst, schwächere Knochen sind eine natürliche Alterserscheinung. Typische Verletzungen im Alter sind der „Oberschenkelhalsbruch“- also die hüftgelenksnahen Fraktur-, Beckenbrüche, Wirbelbrüche, Oberarmbrüche oder Knochenbrüche bei bereits vorhandener Hüft- oder Knieprothese.

Bei einem Knochenbruch im Alter verläuft die operative Behandlung ähnlich wie bei jüngeren Patientinnen und Patienten. Nägel, Schrauben und Prothesen helfen dabei, den Bruch zu stabilisieren und zu korrigieren. Aber damit ist es nicht getan. Das Krankenhaus Maria-Hilf hat hierfür eigens ein Zentrum für Alterstraumatologie aufgebaut. „Weit wichtiger ist es nun“, so Dr. Markus Graf, „die eigentliche Sturzursache zu klären und bei der sogenannten Sturzprophylaxe vorbeugende Maßnahmen festzulegen: Warum ist es zu einem Bruch gekommen? Liegt eventuell eine Herz-Kreislauferkrankung oder sogar eine neurologische Erkrankung vor, die den Sturz verursacht hat? Oder ist der Knochen porös und kann schon bei geringen Belastungen brechen? All diese Fragen klären mein Tea und ich fachübergreifend.“

Im Zentrum für Alterstraumatologie sind nicht nur Orthopäden und Unfallchirurgen aktiv. Auch internistische, geriatrische und neurologische Fachärztinnen und Fachärzte und weitere Spezialisten sind direkt vor Ort und arbeiten eng zusammen. Sie kümmern sich nach der Operation gemeinsam um den körperlichen Gesamtzustand der Patientinnen und Patienten, deren Genesung und vor allem um die rasche Wiedererlangung der Mobilität. Denn die Behandlung von Knochenbrüchen hat immer das Ziel, längere Bettlägerigkeit bei älteren Menschen zu vermeiden. Dazu ist eine schnelle, komplikationsarme Wiederherstellung der Beweglichkeit und eine Frührehabilitation, die noch am Krankenbett beginnt, notwendig.

Rehabilitation umfasst auch die Wiederherstellung der Mobilität

Bei dieser „Rehabilitation“ spricht man von einer geriatrische

Komplexbehandlung, die direkt in die Therapie eingebettet wird. Die geriatrische frührehabilitative Komplexbehandlung ist ein spezielles Behandlungsverfahren, bei dem zusätzlich zu der chirurgischen Akutbehandlung Maßnahmen, die die Mobilität wieder herstellen, durchgeführt werden.

Übrigens: Bei der Hausärztin oder dem Hausarzt beziehungsweise bei der Orthopädin oder dem Orthopäden kann man die Knochendichte prüfen lassen, damit man weiß, wie es um die eigene Knochengesundheit aussieht. Dr. Graf: „Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.“

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