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Weiche Werte ausschlaggebend für die Mitarbeiterzufriedenheit

Trend bei der Mitarbeiterzufriedenheit : Weiche Werte gewinnen an Bedeutung

Professor Dr. Alexander Cisik forscht an der Hochschule Niederrhein in seinem Fachbereich der Wirtschaftswissenschaften unter anderem zum Thema der Mitarbeiterzufriedenheit.

Es sind überraschende Ergebnisse, die aber letztlich einen Trend bestätigen und fortsetzen, der vor einigen Jahren begonnen hat. „Für Arbeitnehmer rücken immer mehr die weichen Werte in den Vordergrund“, sagt Professor Dr. Alexander Cisik von der Hochschule Niederrhein. Er hat dort eine Professur für Wirtschafts-, Organisations- und Arbeitspsychologie.

Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Mitarbeiterzufriedenheit. „Ein angenehmes Betriebsklima liegt bei den Wünschen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer derzeit ganz weit vorne – ich bezeichne das auch als den Schmierstoff guter Arbeit“, sagt Cisik. Es sei aber nicht nur das Betriebsklima, das immer wichtiger werde, sondern auch andere weiche Werte hätten an Bedeutung gewonnen. „Darunter versteht man etwa den Wunsch nach einer partnerschaftlichen Führung und einer Gleichbehandlung der Mitarbeiter“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler.

Auch flexible Arbeitszeitgestaltung und eine gute Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf würden hier eine Rolle spielen. Das sind die Ergebnisse einer aktuell in seinem Institut durchgeführten Studie. „Es kann natürlich sein, dass hier auch aktuelle weltgeschichtliche Ereignisse – die Corona-Pandemie, die immer noch nicht ganz überwunden ist, oder der Krieg Russlands in der Ukraine – eine Rolle gespielt haben“, sagt Cisik. Allerdings setze sich hier ein Trend fort, der in der bislang letzten vergleichbaren Studie aus dem Jahr 2015 seinen Anfang genommen habe. „Die Arbeitswelt verändert sich – und nicht nur Arbeitnehmer sind Teil dieser Veränderung, auch Unternehmen müssen sich mit verändern“, sagt Cisik. Interessant sei dabei, dass Gehalt und Nebenleistungen deutlich an Bedeutung verloren hätten. „Ein Dienstfahrzeug, der dicke Gehaltsscheck oder andere Boni sind zwar schön, werden gerne mitgenommen – führen aber nicht zur großen Zufriedenheit der Mitarbeiter“, so Cisik. Sie seien eher Dekoration. Auch die Größe und Internationalität eines Unternehmens seien sekundär wichtige Merkmale.

Prof. Dr. Alexander Cisik lehrt an der Hochschule Wirtschafts-, Organisations- und Arbeitspsychologie.
Prof. Dr. Alexander Cisik lehrt an der Hochschule Wirtschafts-, Organisations- und Arbeitspsychologie. Foto: ja/Hochschule Niederrhein

Ein wenig überraschen mag in diesem Zusammenhang, dass die Gesundheitsförderung innerhalb eines Unternehmens hier ebenfalls zu den nicht wichtigen Merkmalen der Unternehmen zählt – zumindest dann, wenn es um die Mitarbeiterzufriedenheit geht. „Es gibt natürlich immer auch individuelle Unterschiede. Aber auffällig ist, dass sich diese Tendenz durch alle Berufs- und Altersgruppen zieht.“ Zwar sei sich jeder immer noch selbst der nächste, es werde hier keine Arbeitnehmergruppe von Altruisten nachwachsen. „Der Egoismus ist nach wie vor vorhanden“, sagt Cisik. Aber die Tendenz gehe dahin, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. „Der Trend geht zur Solidargemeinschaft“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler. Begünstigt werde der Trend sicherlich dadurch, dass aktuell ein Arbeitnehmermarkt vorherrschend sei. „Die Zahl der Bewerbungen hat abgenommen, wo noch vor ein paar Jahren waschkörbeweise Bewerbungen eingegangen sind, können sich die Bewerberinnen und Bewerber ihre Stellen heute schon eher aussuchen“, sagt Cisik.

Das wirke sich auch auf die Art der Bewerbungen aus. „Unternehmen machen es den Jobsuchenden heute sehr einfach, bieten teilweise sogar One-Click-Bewerbungen an“, sagt Cisik. Ein Trend, den er kritisch sehe. Hier werde, bildlich gesprochen, mit der Schrotflinte in den Wald geschossen und darauf gehofft, etwas zu treffen. „Aber Unternehmen wollen offenbar lieber jemanden, der nicht ganz so gut passt, als gar keinen“, sagt Cisik.

Eine Empfehlung, die der Wirtschaftswissenschaftler an die Unternehmen aussprechen wolle, sei, die ältere Klientel nicht aus dem Auge zu verlieren. „Alles richtet sich im Moment an den Young-High-Potentials aus, also den 25- bis 30-Jährigen. Dabei vergessen die Unternehmen, dass in der Altersklasse 50+ viel Potenzial liegt. Hier gibt es Mitarbeitende mit Erfahrung, die vielleicht auch insgesamt deutlich gelassener sind als jüngere Mitarbeiter“, sagt Cisik. Allerdings drehe sich auch hier langsam der Wind, sodass diese Mitarbeitergruppe mehr in den Fokus gerückt werde.

Es ist natürlich ein wenig der Blick in die Glaskugel, aber der Wirtschaftspsychologe von der Hochschule Niederrhein glaubt nicht, dass der früher vorhandene Chef-Typ – fordernd, in der Hierarchie ganz weit oben, potenziell aggressiv – wieder zurückkommen wird. „Ich glaube, dass sich Unternehmen, und vor allem auch die Führungsebenen, drastisch ändern werden. Weg vom Direktiven, hin zum Netzwerken“, sagt Cisik. So gebe es bereits Unternehmen, die auf Führungskräfte weitgehend verzichteten, da sie zwar möglicherweise gute Fachkräfte seien, als Führungskraft aber nicht so gut geeignet. „Hierzu gehören ja auch Führungstalent und vor allem psychologisches Geschick“, so Cisik.

Seiner Meinung nach werde sich Arbeit, werde sich Führung, in den kommenden Jahren noch weiter drastisch verändern. „Man nehme etwa den früheren Nine-to-five-Gedanken des Arbeitnehmers – alle sind heute immer und überall erreichbar, alleine deswegen wird das so nicht mehr funktionieren“, sagt Cisik. Es liege dann in der Verantwortung des Einzelnen, zu entscheiden, wie weit man sich herausziehen oder einbringen wolle. Und dann bringt Cisik noch einmal deutlich auf den Punkt, was sich abzeichnet: „Unternehmen sollten sich bei der Gewinnung und Bindung ihrer Mitarbeiter klar auf die Erfüllung von deren tatsächlichen Bedürfnissen konzentrieren. Alles andere wäre Verschwendung von Zeit, Engagement und Geld.“