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Die Arbeitswelt unterliegt stetigem Wandel

Neue Wege gehen : Die Arbeitswelt unterliegt stetigem Wandel

Prof. Dr. Lena Evertz, Wirtschaftswissenschaftlerin an der Hochschule Niederrhein, ist sich sicher, dass Unternehmen sich diesem Wandel öffnen müssen – und dadurch Vorteile haben können.

Wenn es darum geht, gute Arbeitnehmer zu finden und zu halten, ist es auch an den Unternehmen, gedanklich neue Wege zu gehen. Das sagt Prof. Dr. Lena Evertz, die an der Hochschule Niederrhein eine Professur für Human Resource Management am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften innehat. Ein wichtiger Faktor, der dabei in allen Unternehmen unterschiedlich bewertet werde, sei die Frage: „Was sind meine Kerneigenschaften als Unternehmen und was finden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer attraktiv? Und – wen will ich als Mitarbeitende?“, sagte Lena Evertz.

Die Antwort sei alles andere als trivial und eindeutig. „Man wird hier immer wieder auf unterschiedliche Forschungsergebnisse stoßen“, sagt die Wirtschaftswissenschaftlerin. Das mache es für Praktiker indes nicht unbedingt leichter. „Jeder ist da anders gestrickt.“

Was allerdings in der Arbeitswelt eine Konstante sei, sei der Wandel. Was zunächst paradox klingt, wird schnell in seiner Bedeutung klar, wenn man sich die Arbeitswelt in den vergangenen Jahrzehnten und auch Jahrhunderten ansieht. „Es hat immer schon Wandel gegeben. Aktuell passiert wieder einer, gesellschaftlich – aber auch mit Auswirkungen auf die Arbeit“, erklärt sie.

Und bringt den Begriff des „Downshifting“ ins Spiel. Das sei eine bewusste Reduktion der Arbeitszeit und gehe weg von dem vor allem in der Generation X – also der Altersgruppe der zwischen 1965 bis 1980 Geborenen – verbreiteten Arbeitsethos eines „höher, schneller, weiter“.

Der Weg gehe deutlich in eine Richtung, in der Autonomie, Vertrauen und weniger Hierarchien eine größere Rolle spielten. „Das wiederum geht einher mit einem guten Menschenbild, das der Arbeitgeber von seinen Beschäftigten haben muss – Vertrauen geht hier in beide Richtungen“, erläutert die Wirtschaftswissenschaftlerin.

Ganz abgesehen davon, dass das Konzept der ‚remote work‘ auch an Bedeutung gewinnen werde, also das Arbeiten von zu Hause oder auch in einer anderen Stadt mit nur einzelnen Präsenztagen, sagt Lena Evertz. Auch hier könne der Niederrhein profitieren, wenn Mitarbeiter etwa nicht aus Metropolen weg wollten, aber durchaus an der Arbeit in hiesigen Unternehmen interessiert seien. Wolle man Arbeitsmodelle mit flexiblen Arbeitszeiten und Homeoffice anbieten, müsse ein gewisses Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber vorhanden sein. Auch Unternehmen am Niederrhein könnten durch diese Art der Flexibilisierung sehr profitieren.

Das bringe neue Konzepte mit sich, über die Arbeitgeber sich Gedanken müssten. „Man denke hier etwa an Konzepte wie ‚Shared Leadership‘ oder ‚Job Sharing‘ – was übrigens durchaus auch für Unternehmen am Niederrhein interessant sein könnte“, sagt die Wirtschaftswissenschaftlerin.

Zwar stecke das alles noch in den Kinderschuhen und es gebe noch kaum Studien dazu. „Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels könnten Überlegungen in diese Richtung für Arbeitgeber jedoch äußerst hilfreich sein.“ Auch für den Fachkräftemangel mit seinen Auswirkungen – viele Stellen können schon jetzt nicht mehr besetzt werden – könne das eine Lösung sein. Lena Evertz: „Man stelle sich vor, dass es zwar eine geeignete Kraft für die Stelle gibt, diese aber nur in Teilzeit arbeiten will oder kann.“ In diesem Zusammenhang gebe es eine Vielzahl an denkbaren Modellen, die je nach Unternehmensausrichtung unterschiedlich realistisch wären.

Zwar möge das alles auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig wirken, gerade für Unternehmen, die in traditionellen Strukturen verankert seien, aber die Wirtschaftswissenschaftlerin ist sich sicher, dass man sich diese Gedanken machen müsse. „Es findet ein enormer Wandel statt – der auch noch weitergehen wird.“

Und der Wandel, man könne dabei durchaus von „New Work“ sprechen, mache auch nicht vor eher nicht als flexibel bekannten Bereichen der Arbeitswelt halt – dem öffentlichen Dienst. „Studierende führen derzeit eine Studie in einer öffentlichen Verwaltung durch. Dieser Bereich ist sicherlich das Extrembeispiel für Bürokratie in Deutschland – und selbst dort ist man dazu bereit, sich zu wandeln.“

Bleibe nur die Frage, wie man in einer sich so wandelnden Arbeitswelt, die Mitarbeiter halten könne. „40 Jahre im Betrieb, das klassische Ziel früherer Jahre, hat ausgedient. Aber je unsicherer die Welt ist, umso mehr sucht man sich als Arbeitnehmer Konstanten, auch im Job“, sagt Lena Evertz. Dennoch sei auch hier der Arbeitgeber gefragt. „Man muss den Mitarbeitern das Gefühl geben, dass sie Teil der Entwicklung des Unternehmens sind, dass sie sich mitentwickeln können.“

Denkbar seien hier etwa Modelle, die etwa im Fußball schon lange so praktiziert würden. „Die Ausleihe von Mitarbeitern an andere Unternehmen oder Arbeitsfelder. Das sind Personalentwicklungsmaßnahmen, von denen letztlich alle profitieren – und die Mitarbeiter nach der Rückkehr vielleicht noch fester an das Unternehmen binden können.“ Sie sei sich sicher, dass es für Unternehmen nur von Vorteil sein könne, wenn sie sich in dieser Hinsicht öffnen würden. „Die Welt wird immer komplexer. Dem kann man begegnen, indem man sich flexibel aufstellt und offen für Neues bleibt“, sagt die Wirtschaftswissenschaftlerin der Hochschule Niederrhein.