1. Politik

Zigarettenpause droht das Aus - Pro und Contra

Zigarettenpause droht das Aus - Pro und Contra

Die mittelständische Wirtschaft will den blauen Dunst generell in die Freizeit verbannen. Der Arbeitsablauf werde gestört.

Berlin. Verbände der mittelständischen Wirtschaft haben eine Abschaffung von Raucherpausen in der Arbeitszeit gefordert. „Raucherpausen kosten die Betriebe bares Geld und stören den Arbeitsablauf“, sagte Mario Ohoven, vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft. Die SPD warnte hingegen vor einer Diskriminierung von Rauchern, und der DGB betonte die Notwendigkeit von Pausen.

In Deutschland gehören Raucherpausen grundsätzlich nicht zur Arbeitszeit. Auch kurze Pausen von weniger als fünf Minuten müssten Arbeitnehmer daher eigentlich mit der Stechuhr erfassen. Nach einer Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Münster aus dem jahr 2010 haben sie auch keinen rechtlichen Anspruch auf Zigarettenpausen oder einen Raucherraum. Red

Raucher haben mehr Pausen, Raucher bestimmen oft den Arbeitstakt — und können ihn auch empfindlich stören. Die Forderungen nach Streichung der Zigarettenpause sind nicht so abwegig. Wenn in ganzen Firmenabteilungen ständig Zwangspausen entstehen, weil ein entscheidender Mitarbeiter mal wieder im Raucherraum ist, kann das die Atmosphäre empfindlich stören. Und es kostet Unternehmen oft auch dann Geld, wenn die Zeit nachgearbeitet wird.

Allerdings muss auch klar sein, dass für einige Menschen vier Stunden vor oder nach der Mittagspause ganz ohne Rauch zur Qual werden können. Besser wäre es daher, mehr kürzere Pausen über den Tag verteilt statt nur einer langen Mittagspause einzuführen — für alle. Studien zeigen, dass mehr Pausen produktiveres Arbeiten ermöglichen. Und es gäbe noch einen Vorteil: Die oft zu beobachtende Grüppchenbildung in Raucher und Nichtraucher wäre nicht so ausgeprägt.

stefan.kueper@wz-plus.de

Rauchern kann man ihre Sucht schlecht per Verbot abgewöhnen. Raucherpausen sind für sie notwendig, weil der Stress, der manchem bei stundenlangem Nikotinentzug plagt, auf das gesamte Team Auswirkungen haben kann. Wer will schon mit einem chronisch schlecht gelaunten Kollegen zusammenarbeiten?

Die „Ausfallzeiten“ sind — außer am Fließband — nicht der Rede Wert. Die Kaffeepausen von nichtrauchenden Kollegen können auch ein paar Minuten in Anspruch nehmen. Sowohl diese als auch die anderen kurzen Pausen fördern das Betriebsklima. Und außerdem können bei diesen Gesprächen durchaus auch kreative Ideen entwickelt werden. Das Thema ist ja doch meistens der Job.

Eingreifen müssen die Vorgesetzten nur dann, wenn es jemand mit den Raucherpausen übertreibt und tatsächlich mit seinen Fehlzeiten den Betriebsablauf stört. Dafür braucht es aber kein offizielles Verbot.

andreas.reiter@wz-plus.de